15.09.2010 - England hat endlich wieder ein Top Turnier - und was für eins! Nachdem die erste Auflage 2009 ein großer Erfolg war, hat Chef-Organisator Malcolm Pein für die London Chess Classic 2010 in Sachen Qualität nochmals nachgelegt. Vom 08. bis 15. Dezember werden Weltmeister Viswanathan Anand, Vorjahressieger Magnus Carlsen, Vladimir Kramnik, Hikaru Nakamura, Michael Adams, Nigel Short, Luke McShane und David Howell im Olympia Conference Centre um den nochmals erhöhten Preisfonds von 118.000 Euro spielen. Der Sieger erhält davon satte 50.000 Euro. Gemäß den aktuellen Elozahlen weist das Turnier einen Schnitt von 2729 auf, was der Kategorie 20 entspricht. Wer gerne live dabei sein oder an einer der zahlreichen Rahmenveranstaltungen teilnehmen möchte, kann sich jetzt anmelden und die Tickets buchen. Mehr Informationen... Offizielle Turnierseite
08.09.2010 - Die Geschichte der sechsten Runde beim Shanghai Masters 2010 ist rasch erzählt. Während Vladimir Kramnik mit Weiß gegen Wang Hao bemüht war, eine verwertbare Stellung aufzubauen, knallten Alexei Shirov und Levon Aronian doppelt so schnell ein spanisches Marshall-Remis aufs Brett. Ersterer ist daher mit einer Performance von 2953 der souveräne Sieger in Shanghai. Aronian verurteilte sich selbst zum Abwarten. Bei einem Sieg gegen Wang Hao wäre Kramnik direkt für das Grand Slam Finale in Bilbao qualifiziert gewesen, doch ihm wollte so recht nichts einfallen gegen die solide Stellung des Chinesen und so stimmte er bald einer Zugwiederholung zu. Ganz im Sinne der Sofia-Regel war dies zwar nicht, doch man ließ es ihnen seitens der Schiedsrichter durchgehen. Insgesamt endeten 7 der 12 Partien in Shanghai ohne Sieger, was etwa einer moderaten Quote von 58 Prozent entspricht. Nach dem Doppelremis mussten Kramnik und Aronian in den Blitz-Tiebreak um Platz 2, und dieser war nochmals so richtig spannend. Letztlich konnte sich Kramnik im Armageddon durchsetzen, aber Aronian machte ihm das Leben so schwer wie möglich. Tabelle, Partien, Analysen & mehr... Offizielle Turnierseite
07.09.2010 - Nach der fünften und vorletzten Runde des Shanghai Masters 2010 steht der Sieger bereits fest. Um noch reelle Chancen auf das Erreichen des Grand Slam Finals in Bilbao zu haben, musste Wang Hao unbedingt gegen den führenden Alexei Shirov gewinnen. Der gebürtige Lette ist hinlänglich dafür bekannt, einem offenen Schlagabtausch nicht aus dem Weg zu gehen, aber gelegentlich übertreibt er es auch mal. Gegen Wang Hao schwebte er einige Zeit in akuter Lebensgefahr, doch nicht zum ersten Mal präsentierte sich der Chinese als zu ungeduldig. Er verspielte seinen recht beachtlichen Vorteil mit einem übereilten Qualitätsopfer zum Remis, um danach selbst dieses noch zu verzocken. Um Shirov in der Tabelle jetzt noch abfangen zu können, hätte Levon Aronian gegen Vladimir Kramnik gewinnen müssen, aber dieser hat(te) ganz eigene Pläne und setzte diese in einer hochgradig spannenden Partie in die Tat um. Doch ist es möglich, dass Aronian an einer Stelle eine einfache Remiswendung verpasste? Wir haben die Lupe herausgeholt und fanden einige Ungereimtheiten... Erfahren Sie mehr... Offizielle Turnierseite
30.08.2010 - Die Vorrunde des Arctic Securities Chess Stars Tournament hatte Weltmeister Viswanathan Anand deutlich dominiert, und so ging der erfolgreichste Schnellschachspieler der Welt auch im norwegischen Kristiansund als Favorit gegen Magnus Carlsen ins Finale. Zumal sich die Nummer 1 der Weltrangliste zuvor mehrfach als verwundbar erwiesen hatte. So hatte er in der ersten Vorrunden-Partie gegen Jon Ludvig Hammer noch riesiges Glück, doch in der zweiten Partie ging Carlsen seinem ehemaligen Klassenkameraden endgültig auf den Leim und verlor. Den Einzug ins Finale konnte dieser Unfall jedoch nicht verhindern und heute präsentierte sich Carlsen wieder voll auf der Höhe - sehr zum Leidwesen Anands, denn gleich die erste der beiden Finalpartien verlor er. Somit musste der Inder in der zweiten Partie unbedingt gewinnen und wählte daher seinen gefürchteten 1.e4-Aufschlag, aber sein Gegner blieb besonnen und hielt seinen spanischen Laden zusammen. Mehr als ein Remis war nicht drin und schon war das Finale vorbei. Vielleicht hätte man für etwas mehr Spannung auch vier Finalpartien ansetzen können. Und auch im kleinen Finale gab es einen norwegischen Sieg. Nach einem Schwarzremis in der ersten Partie konnte Jon Ludvig Hammer in der zweiten gegen Judit Polgar siegen und sich so verdient den dritten Rang sichern. Neben allen Ergebnissen finden Sie in der Folge nicht nur auch alle Partien, sondern auch einige kommentierte Highlights. Ergebnisse & (kommentierte) Partien... Offizielle Turnierseite
29.08.2010 - Gestern startete in Norwegen der erste von drei Tagen des Arctic Securities Chess Stars Tournament. Gespielt wurde die erste Vorrunde und theoretisch bräuchte man keine zweite Vorrunde, um die Finals zu ermitteln, denn die haushohen Favoriten Viswanathan Anand und Magnus Carlsen haben nach jeweils drei gespielten Partien 2,5 Punkte auf dem Konto und sind so weder von Judit Polgar noch von Jon Ludvig Hammer einzuholen. Ganz klar der tragischste Held des ersten Tages war der 20 Jahre junge Hammer. In der ersten Partie gegen Weltmeister Anand hatte er das Schwarzremis schon fast im Sack, da verpasste er den korrekten Weg und verlor. Gleich darauf traf er auf Kumpel Magnus und steigerte sein Pech nochmals extrem. Nach einem fürchterlichen Überseher der Nummer 1 der Weltrangliste, hätte Hammer einzügig(!) gewinnen können, aber sah es nicht und verlor erneut. Neben den entscheidenden Momenten dieser Partien haben wir in der Folge beispielsweise auch ein Video von Europe-Echecs, in welchem Hammer seine beiden Niederlagen zu erklären versucht. Trotz des Ärgers nahm er es mit Humor.
Heute um 14:30 Uhr werden die ersten drei Runden nochmals mit vertauschten Farben wiederholt. Am Montag dann werden Anand und Carlsen das große und Polgar und Hammer das kleine Finale ausspielen. Die Bedenkzeit in Kristiansund beträgt 20 Minuten plus 10 Sekunden. Zwischenstand, Partien & Videos Offizielle Turnierseite
26.08.2010 - Miskolc ist mit seinen rund 175.000 Einwohnern nach Budapest und Debrecen die drittgrößte Stadt Ungarns. Seit 2005 ist es dort eine schöne Tradition geworden, dass sich der beste Schachspieler des Landes, Peter Leko, einen Kollegen aus der absoluten Weltklasse einlädt und gegen ihn ein Schnellschach-Match (25''+10') über acht Partien spielt. Bisher hatten seine Gegner so klangvolle Namen wie Viswanathan Anand, Magnus Carlsen, Vladimir Kramnik, Michael Adams und Anatoly Karpov. Nur eines dieser Duelle konnte Leko bisher gewinnen. 2006 schlug er Karpov mit 4,5-3,5 und 2005 reichte es immerhin zu einem 4-4 gegen Adams. In diesen Tagen (25. bis 29. August) ist nun Boris Gelfand sein Gast und machte sich sofort mal mächtig unbeliebt bei seinem Gastgeber. Gleich in der ersten Partie gelang dem Israeli eine starke Endspielleistung, welche ihm den vollen Punkt bescherte. Nach zwei Unentschieden schlug Leko heute nicht minder spektakulär zurück. Er wählte mit Weiß gegen die Russische Verteidigung seines Gegners ein bisher sehr selten gespieltes System und erwischte seinen Gegenüber ganz offensichtlich eiskalt. Am Freitag gönnt man sich für (wahrscheinlich) gemeinsame Aktivitäten einen Ruhetag. Partien & Bilder... Offizielle Matchseite
25.07.2010 - Er kam zum ersten Mal, er sah zum ersten Mal und er siegte zum ersten Mal. Souverän hat Ruslan Ponomariov das Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund für sich entschieden. Ein erkämpftes Remis in der Schlussrunde gegen Liem Quang Le ließ den Ukrainer mit einem vollen Punkt Vorsprung triumphieren. Bei einer Niederlage gelangen Pono vier Siege, was für ihn eine Performance von 2837 und so nach Elo den Sprung in die Top 10 der Welt bedeutet. Alleiniger Zweiter ist Liem Quang Le geworden. Für den jungen Vietnamesen ist das sicherlich der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere, und dieser bugsiert ihn ganz nah an die 2700 heran. Neben dem entscheidenden Remis gab es in der letzten Runde auch noch zwei entschiedene Partien. Vladimir Kramnik erkämpfte sich gegen Shakhriyar Mamedyarov ein gewonnenes Turmendspiel, dessen Verwertung Shak mit der Aufgabe der Partie zuvorkam. Tragisch das Ende zwischen Peter Leko und Arkadij Naiditsch. Lange hatte sich der Deutsche in einem Endspiel mit Minusbauer sauber verteidigt, doch kurz vor dem Ziel stellte er seinen letzten Bauern ein und erlaubte Leko den einzigen Sieg im gesamten Turnier. Kleine Nachbetrachtung, Partien & Bilder ... Offizielle Turnierseite
23.07.2010 - Auch nach der siebten Runde führt Ruslan Ponomariov weiterhin alleine die Tabelle des Sparkassen Chess-Meetings an. Während der Ukrainer aktuell mehr darauf bedacht ist, nicht zu verlieren, stiehlt ihm ein Kollege etwas die Show. Würde es eine Wertung für den kämpferischsten Spieler geben, Shakhriyar Mamedyarov würde sie zweifelsohne gewinnen. Lediglich zwei seiner Partien endeten bisher unentschieden, allerdings reicht das für den Aseri (noch) nicht, um die Führung zu übernehmen, denn bei drei Siegen stehen bei ihm eben auch zwei Niederlagen zu Buche. Gestern wurde Ehrengast Anatoly Karpov Zeuge, wie Mamedyarov gegen Peter Leko siegte, doch dieser glaubt, dass sich letztlich Ponomariov durchsetzen wird. Zeitgleich mit dem zwölften startete gestern eine Delegation der Chess Tigers dem stärksten GM-Turnier Deutschlands einen Besuch ab und war auch dabei, als der Kandidat für das Amt des FIDE Präsidenten in einer Pressekonferenz für seine Wahl-Kampagne warb. Nach wie vor sind er und sein geplanter Vize Richard A. Conn Jr. aus den USA optimistisch, Kirsan Ilyiumzhinov vom Thron stoßen zu können. Tabelle, Partien und viele Bilder ...
18.07.2010 - Nach vier Runden hat Shakhriyar Mamedyarov beim Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund die alleinige Führung übernommen. Die dafür nötige Schützenhilfe leistete ihm der wahre Held des Tages Liem Quang Le. Der 19-jährige Vietnamese holte den ersten vollen Punkt seiner noch jungen Karriere in einem Top Turnier und das gleich mal gegen den bisher recht souveränen Ruslan Ponomariov. Somit reichte Mamedyarov ein Remis gegen Vladimir Kramnik, welches er mit den schwarzen Steinen locker nach 31 Zügen in der Tasche hatte. Deutlich länger dauerte das Duell zwischen Arkadij Naiditsch und Peter Leko. 55 Züge lang versuchte Naiditsch mehr, als das sichere Remis aus dem Ungarn herauszupressen, doch dieser verteidigte sich gewohnt sicher und ließ auch im Turmendspiel mit Minusbauer nur bei sehr optimistischen Arkadij-Fans Hoffnungen auf einen vollen Punkt für den Deutschen aufkommen. Unter dem Strich steht ein gerechtes Unentschieden und das Warten auf den ersten Sieg unserer Nummer 1. Derweil hat sich im Dortmunder Schauspielhaus für den 22. Juli hoher Besuch angekündigt. Anatoly Karpov, seines Zeichens der zwölfte Schachweltmeister und aktueller Kandidat für das Amt des FIDE Präsidenten, wird seine Aufwartung machen und die siebte Runde eröffnen. Im Anschluss wird es ab 16:00 Uhr eine Pressekonferenz und einen Fototermin mit ihm geben. Tabelle, Partien & Bilder ... Offizielle Turnierseite
10.06.2010 - Die Schlacht um die Schachweltmeisterschaft 2010 ist geschlagen und Königstiger Anand hat selbst in Feindesland erfolgreich Beute gerissen. Begonnen mit einer mehr als abenteuerlichen Anreise in Begleitung seiner treuen Gefährten, gefolgt von einer schmerzhaften Niederlage in der ersten Partie, in welcher letztlich zwei Türme den indischen König schlugen, und zu guter Letzt folgte die triumphale Rückkehr des Königstigers. Die Parallelen zu J. R. R. Tolkins „Herr der Ringe“ sind unverkennbar und ließen sich sogar noch ausbauen, doch einen gravierenden Unterschied gibt es: Anands Schatz ist der WM-Titel, und der ist wahrlich keine Last! In der Folge hat Chess Tiger IM Dr. Erik Zude für Sie die Titelverteidigung seines Vereinskameraden anhand der Partien nochmals zusammengefasst und sich dabei auf die entscheidenden Momente konzentriert. Hier geht's weiter ...
10.05.2010 - Weltmeister Viswanathan Anand hat in der 11.Partie den letzten Weißaufschlag in der normalen Bedenkzeit. 1.d4-Eröffnungen wählen mit forcierten Varianten oder eher nur "Spielen" mit dem Herausforderer Topalov. Der indische Schachstar wählt die zweite Option, aber der Bulgare kann auch hier standhalten. Anands Fans hätten gerne die Wiederholung der unglaublich spannenden 9.Partie mit gutem Ausgang für ihn gesehen, aber Vishy Anand wollte noch einmal zeigen, dass er der Allrounder schlechthin ist und quasi alles spielen kann. Kein einziges Mal hat er hier im WM-Kampf mit 1.e4 seinen härtesten Aufschlag gezeigt, wer weiß, vielleicht braucht er ihn noch in Sofia 2010. Die Last der Entscheidung für das Eröffnungssystem liegt jetzt beim Herausforderer aus Bulgarien: "Alles riskieren" oder wie bisher im Wettkampf mit "kontrollierter Offensive" ans Werk gehen?. Anand tat es, aber Topalov ist nicht Anand. Der von allen Experten in der ganzen Welt als "stärkster Schnellschachspieler" der Gegenwart eingeschätzte Inder, nicht zuletzt, weil er die Chess Classic in Frankfurt & Mainz bereits elf Mal gewann, hat jetzt nur noch zwei Chancen. Klug und geschickt die 12.Partie gegen den sicher "wie wild" angreifenden Herausforderer sauber zu verteidigen und dann im Mini-Schnellschach-Match seinen Nimbus unter Beweis zu stellen. Aber wo steht geschrieben, dass man nicht mit Schwarz auch ganze Punkte machen darf und kann? "Mach' es noch einmal, Anand" wie in Bonn mit Schwarz, erbitten und erflehen seine vielen Anhänger mit Blick gen Himmel. mehr Informationen und viele atmosphärische Bilde Die "Zeit" berichtet von Ulrich Stock
08.05.2010 - "Mein Geld wäre auf Anand", gab der Vorgänger Vishys, Vladimir Kramnik, auf die Frage der Zeit-Redaktion "Und wer, meinen Sie, gewinnt das Match?" zu Protokoll. Die Atmosphäre im Sofioter Military Club war selten so relaxt während einer Partie, wie während der 10.Partie. Nur ganz wenige Karten waren verkauft worden, obwohl der Spielstand 4½:4½ und die Weißpartie von Topalov alle Voraussetzung für einen weiteren Thriller für den echten bulgarischen Fan erfüllten. Die solide Spielweise beider Protagonisten war vor allem auf Topalovs Seite vielleicht ein Fingerzeig, dass auch bei ihm nach dem "Aufreger der 9.Partie" die Kraftströme nicht unbegrenzt fließen können. Deutlicher Hinweis war nach dem überraschenden Bombenzug La6!, dass er nach dem Abtausch der Damen mit einem scheinbar besseren Endspiel Läuferpaar gegen Läufer und Springer übrigblieb und keinerlei Vorteile mehr erzielen konnte, sondern eher noch präzise ums Remis am Schluss bangen musste, meinten fast alle Experten. Vielleicht schwirrten aber schon seine Gedanken um die 11.Partie herum, wo Anands Weißaufschlag ihn in ähnliche Schwierigkeiten, wie bei der 9.Partie bringen könnte. Spätestens während der Pressekonferenz wirkte seine temporäre gedankliche Abstinenz und echte Wortkargheit auf diesen Umstand hin. Klar ist jetzt: wer zuerst "blinzelt" verliert das Duell, genau wie im Western "High noon"! Lesen Sie auch das interessante Skype Interview in der Online-Redaktion der "Zeit". mehr Informationen und Bilder ... Wieder ein interessanter Artikel in der "Zeit-Online" von Stefan Löffler
07.05.2010 - "Das war eine der spannendsten und aufregendsten Partien der ganzen WM-Geschichte" gab der Chefredakteur und Herausgeber des Magazins KARL Harry Schaack sichtlich beeindruckt beim Abendessen kund. Mit schärfster und fundierter Kritik wies er die Einwände der mit Computerhilfe "Allesimmerbesserwissenden" zurück und machte das Statement: "Zum Schach gehören die Fehler genauso, wie die brillanten Geniestreiche, die Rasiermesser scharfen Varianten und die präparierten Vorbereitungen". Letztendlich hat sich Topalov gut verteidigt, wie es die italienischen Fußballer mit ihrer Erfindung des "Catenaccio" tun. Dem indischen Weltmeister Anand muss man zu Gute halten, dass er wenigstens in der letzten Minute nicht noch den Siegtreffer von Topalov hinnehmen musste, oder schlimmer noch in der vorhergehenden Partie ein Eigentor fabrizierte - es geht also aufwärts. Der schnell spielende Topalov wird auch noch seine Fehler machen und jeder kann sicher sein, dass dann der Tiger zubeißt. 4,5:4,5 steht es jetzt, aber Topalov hat noch zwei Weißpartien: "Advantage Topalov". mehr Informationen und Bilder ...
06.05.2010 - "Denn sie wissen nicht, was sie tun", das Autorennen im Film von Regisseur Nicholas Ray mit James Dean in der Hauptrolle bringt die Situation beim WM-Kampf um die Schachkrone auf den Punkt. Vielleicht zu dramatisch formuliert, aber doch mit unverblümter Symbolik behaftet. In Bulgariens Hauptstadt Sofia hat der einheimische Nationalspieler Veselin Topalov in der 8.Partie mit einem Sieg gegen den amtierende Weltmeister aus Indien, Viswanathan Anand, den Gleichstand zum 4:4 erreicht. Im Military Club sind nur noch 4 Normalpartien zu absolvieren, ehe dann 4 Schnellpartien, 5 mal zwei Paar Blitzpartien und dann die Armageddon-Partie über den WM-Titel entscheidet. Überdies wird am 6.Mai der Nationalfeiertag in Bulgarien mit einer Militärparade begangen, die am Military Club Sofia vorbeizieht und sicher den Nationalheld Veselin Topalov zusätzlich beflügeln wird. Der "Tiger von Madras" gegen den "Löwen von Bulgarien" und 1.200.000.000 Inder können ihrem Landsmann nicht helfen, nur er selbst kann es richten. Streng genommen beginnt mit der 9.Partie ein ganz neuer Wettkampf, viel mehr als eine Mutprobe denken alle Puritaner mit der Erinnerungen an spektakuläre WM-Wettkämpfe in der Vergangenheit. Vergegenwärtigen wir uns die Original-Story:
An seiner neuen Schule wird Jim schnell mit einer Bande gleichaltriger, gelangweilter Rowdys konfrontiert, deren Mitglied auch das Mädchen Judy aus Jims Nachbarschaft ist. Anführer Buzz versucht Jim zu provozieren und ihn in einen Kampf zu verwickeln. Nachdem Jim ruhig bleibt und sich gut verteidigt, fordert Buzz ihn zu einer Mutprobe heraus. Am Abend desselben Tages trifft sich Jim an der Küste mit der Bande zur Mutprobe, dem sogenannten „Hasenfußrennen” („chicken run”). Buzz und Jim rasen dabei in gestohlenen Autos auf eine Klippe zu. Wer zuerst aus dem Auto springt, ist das „chicken”, der Feigling. Während Jim kurz vor der Klippe springt, bleibt Buzz mit dem Jackenärmel am inneren Türgriff hängen und stürzt mit dem Auto in die Tiefe.
TopTurniere Hintergrund 7.Partie: Auspräpariert, trotzdem dem Sieg nahe Topalovs Sekundant Cheparinov findet einen neuen Weg im Katalanen, Anand hält stand - Karpow Fide-Präsidentschaftskandidatur - Fide-Ehrenpräsident Campomanes verstorben
04.05.2010 - In 3 Minuten knallt der Schwarz spielende Herausforderer Veselin Topalov eine 21-zügige Verteidigungslinie mit Qualitätsopfer und späterem Figurenopfer gegen die Katalanische Eröffnung des Weltmeisters Viswanathan Anand in der 7.Partie des WM-Kampfes in Sofia aufs Brett. Bedrohlich und gefährlich sieht der weiß-schwarze Rollentausch aus. Normalerweise hat Weiß das Heft in der Hand, aber hier macht Schwarz die Musik. Das "Gockeln" des Präsentierenden hat Methode. Der Herausforderer aus Bulgarien hat zum ersten Mal im Match etwas auf dem Brett, dass nach 11.Ld7!? beginnend das Thema des Tages bestimmt. Der Weltmeister muss hart arbeiten im Duell: "Präparation gegen Naturspieler". Liebend gern trägt der Inder selbst den Marshallstab im Tornister, hier muss er hinnehmen, dass er über eine Stunde braucht, um sorgfältigst seine Chancen in der Partie zu wahren. Nach dem 42.Zug in dieser wichtigen Partie kommt er allerdings noch einmal ganz nah an den Sieg heran und der Herausforderer Topalov muss seinerseits Energie und viel Zeit aufwenden, um die Partie letztendlich zu halten. Auf der Pressekonferenz lobt der Herausforderer seinen Freund und Sekundanten Cheparinov für die vorzügliche Vorbereitung, aber ab dem Zug 21.Kh1 waren die Spieler auf der Bühne des Military Clubs wieder ganz alleine mit ihren Gedanken, wie ein Kapitän auf hoher See! Spätestens jetzt wird jedem klar, wie wichtig die Aufgabe ist, die dem Sekundanten-Team zukommt. "Ich habe das bessere Team" mit Jan Smeets, Erwin l'Ami und Ivan Cheparinov wollte der Herausforderer mit seinem Imponiergehabe und schnellem Spiel zeigen. Der wie immer bescheiden Weltmeister ruht in sich selbst und weiß, dass er das wirkungsvollere Team hat, braucht es nicht während des Wettkampfes immer wieder zu betonen, sondern auf jeden Fall nach dem WM-Kampf. Heute in der 8.Partie werden die Teams wieder unter Beweis stellen wollen, wer die effektivere Antizipationskampagne weiterzuführen im Stande ist, jetzt kumuliert der WM-Kampf seinem Höhepunkt entgegen, Anand führt 4:3 und Topalov muss hart aufschlagen, Returnasse jederzeit möglich. mehr Informationen und Bilder ...
03.05.2010 - Eine Kardinalfrage bleibt immer aktuell und ist auch heute wieder in der 7.Partie des WM-Kampfes Anand-Topalov in Sofia von hoher Aufmerksamkeit und höchstem Spekulationgrad begleitet für jeden selbsternannten Experten und professionellen Berichterstatter. Spielen sie die Katalanische Eröffnung noch einmal oder kommt etwas ganz Neues aufs Brett. Der Pragmatiker Anand neigt sicher eher nun zum Wechsel auf eine neue Hauptline, alternativ könnte aber sein Sekundanten-Team nach der Erfahrung der 6.Partie etwas Neues in der Linie erarbeitet haben, sodass man sich den "prinzipiellen" Topalov erstmal zurechtgelegt hat und heute mit Präzision und Filligranität nachbearbeiten möchte. Offensichtlich lebt ein WM-Zweikampf von der Duplizität dieser kriegsähnlichen Strategie, manche nennen es ja einfach nur "List". Das der Weltmeister aus Indien mit seinen kurzschrittigen und wendigen Springern das Grundprinzip der weißen Spielführung der Katalanischen Eröffnung verletzt hat und sein g2-Monster zu früh austauschte wird kein Experte ihm verübeln. "Quod licet Iovi, non licet bovi" zu deutsch: „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh nicht erlaubt“ oder frei übersetzt "Was den Göttern erlaubt ist, ist den Ochsen noch lange nicht" mag sich der ein oder andere von uns zum Trost im Geheimen denken. Aber Grundschule bleibt Grundschule, trotz aller nützlichen modernen Hilfsmittel. Zuletzt konnte Topalov dank seines katalanischen Gegenläufers auf h3, das Bauernminus leicht kompensieren. Anands Springerroute über das Schachbrett mit 13 Zügen in Folge hat in jedem Fall einen neuen Rekord in der WM-Geschichte aufgestellt. Hochspannung ist hoffentlich im Sofioter Military Club unabdingbar nötig und in der Partie wünschenswert wenn sich die Spieler zum 7. Gefecht gegenübersitzen.
mehr Informationen und Bilder ... Wieder ein interessanter Artikel in der "Zeit" von Ulrich Stock
02.05.2010 - "Im Dunkeln ist gut Schunkeln" heißt es im Volksmund und deutet auf eine frivole Situationshandlung hin, die die Nichtssehenden mit seiner augenzwinkernden Phantasie alleinlässt. Wenn aber Schachveranstaltern, ja in diesem Fall Schach-WM Organisatoren vom Alptraum eines Stromausfalls heimgesucht werden, ist "Coolness in the Darkness" angezeigt und dies bewiesen die Verantwortlichen in Sofias Military Club in hohem Maße. Wie wenn das Meistern dieser Situation akribisch und prophylaktisch trainiert worden wäre, wirkt es auf den ein oder anderen erfahrenen Kenner. Oder es ist doch nur für die Military Club Hausmeisterei in Sofia der Normalfall. Nicht die Überlast durch zusätzliche Klimaanlagen, Bühnenscheinwerfer oder hunderte von Computer waren die Ursache. Die planmäßige Abschaltung vom Military Club und drei Ministerien in der näheren Umgebung, die einem Stromversorger zuzuordnen sind, wären die Ursache gewesen. Am nächsten Tag zu Beginn der 6.Partie wurde dies von Insidern kolportiert. Die Organisatoren haben sich dann auch unmittelbar in bulgarischer Sprache bei den Spielern und der Fide entschuldigt. Eine noble Geste vom Präsidium der bulgarischen Schachfederation mit Stephan Sergiev und Silvio Danailov an der Spitze. Der Nobelpreisträger Prof. Robert Mundell aus Kanada war heute Ehrengast und machte den 1.Zug für den weißspielenden Topalov. mehr Informationen und Bilder ... Interessanter Artikel in der "Zeit" von Ulrich Stock
29.04.2010 - Die psychologischen Situation bei der 3. und der 5. Partie des vorherigen WM-Kampfes zwischen Viswanathan Anand und Vladimir Kramnik in Bonn 2008 wiederholte sich hier in Sofia beim laufenden WM-Kampf in der 2. und 4. Partie - allerdings mit Schwarz und nicht mit Weiß. Die selbsternannten Wettkampfpsychologen von damals attestierten mehrheitlich dem Russen Kramnik, dass das Festhalten an der weißen Spielführung in Bonn der ursächliche Grund gewesen sei, dass der ganze Wettkampf verloren ging. Der mit Weiß spielende Herausforderer konnte nicht glauben, dass der Gegner sich besser mit dem Stellungstyp auskannte, und so hatte er nach der 3. auch die 5. Partie spektakulär verloren. Aus dem Schock heraus verlor er auch noch die 6. Partie mit Schwarz, weil keine Zeit war - ohne Ruhetag dazwischen -, zur gewohnten Zuversicht zu finden. Dieser Keulenschlag brachte ihn nach der 6. Partie aussichtslos mit 4,5:1,5 ins Hintertreffen. Dem bulgarische Herausforderer Veselin Topalov ist jetzt Ähnliches widerfahren mit dem prinzipiellen Festhalten an der Bekämpfungsweise der Katalanischen Eröffnung in der 2. und 4. Partie, allerdings hat er sich mit Schwarz zwei Nullen eingefangen und steht heute in der 5. Partie vor der Gewissensfrage mit Weiß spielend, alles auf eine riskante Partie zu setzen, weil Vishy Anand in der 6. und 7. Partie wieder seinen "furchterregenden" Aufschlag 1.d4 ... Katalanisch zeigen darf. Ob die Drehscheibe wieder a3 (Dame oder Springer) heißt, ist nicht vorauszusagen, aber Starrsinn kann öfter mal zur Verbissenheit führen und ehe man sich umgeguckt hat, ist wieder eine Null dazukommen! Der pragmatische Weltmeister aus dem Lande des Inders Mahatma Gandhi, Viswanathan Anand, hat keine Schwierigkeiten, auch am Freitag dem Grünfeldinder eine Pause zu gönnen, schätzen viele Insider - von Weichei oder Angsthase reden die einen, von Erfahrung oder Weisheit die anderen. mehr Informationen und Bilder ...
28.04.2010 - "Ich bin hierher gekommen, um einen WM-Wettkampf nach Weltmeisterschaftsregeln und nicht nach "Sofia-Regeln" zu spielen", erklärt der amtierende Weltmeister aus Indien, Viswanathan Anand. Sein Herausforderer aus Bulgarien, Großmeister Veselin Topalov, besteht weiterhin einseitig darauf, dass er für sich die sogenannten "Sofia-Rules" reklamieren und zur Anwendung bringen darf - wenigstens ein Teil daraus - welche die folgende organisatorische Abwicklung eines Remis vorsieht: Er teilt dem Schiedsrichter mit, dass er seinem Gegner ein Remis anbietet, der Schiedsrichter teilt dem Gegner mit, dass sein Gegner ihm ein Remis vorschlägt. Dieser denkt nach, ob er das Angebot annimmt oder ablehnt und teilt seinen Entschluss dem Schiedsrichter mit. Der Schiedsrichter teilt dem Remis anbietendem Spieler dies mit und die Partie wird entweder weitergespielt oder mit Handschlag oder auch ohne beendet. "Kasperle-Theater ohne Hintergrund, außer den Gegner zu stören" nannte es ein Journalist. Man muss sich vorstellen, dass bei dieser Abwicklung eines Remisangebotes beide Spieler am Tisch sitzen oder zumindest sitzen können. Wie soll man diesen Zustand beurteilen: kindliches Verhalten, pure Einfältigkeit, Tradition vergessen, ungehörige Respektlosigkeit vor dem Gegner und der Institution, verbohrte Uneinsichtigkeit, schachschädigendes Verhalten, schlechtes Vorbild gebend, psychologische Kriegsführung, Unverschämtheit, Provokation oder einfach nur unwürdige "Eselei" bis hin zur echten "Dummheit". mehr Informationen und Bilder ...
27.04.2010 - "Wie haben Sie letzte Nacht geschlafen" fragte GM und Journalist Jan Rogers. "Ich habe es versucht, aber ich konnte nicht schlafen, Sie werden das nachvollziehen können. Stabilisierung, die innere Mitte wieder finden war das Notwendige", gab der Inder preis. Offensichtlich hat der Weltmeister Viswanathan Anand aus dem Mutterland des Schachs sich auf den "Fall der Fälle" in mannigfaltiger Hinsicht intensiv vorbereitet. Auch für den Fall, dass er früh in Rückstand geraten könnte, zeigte er sich gewappnet. In der 2.Partie lieferte er ein Beispiel der ganz besonderer Art von "Unaufgeregtheit" indem er wieder einmal mit 1.d4 - genauso wie im WM-Kampf 2008 in Bonn gegen seinen russischen Gegner und Vorgänger Vladimir Kramnik - auf seinen gewohnten und obendrein als härtesten Aufschlag bekannten Eröffnungszug 1.e4 zu verzichten. Die ruhig-strategische Ausrichtung, der jetzt schon im frühen Stadium des WM-Matchs sehr wichtigen Partie, mit der Katalanischen Partie zu beginnen und dazu noch den Abtausch der stärksten Figur auf a3 im frühen Partiestadium zuzulassen, zeigt alles in allem betrachtet seine ganz große Meisterschaft. Vielleicht half es ihm in dieser Situation bei seiner Entscheidung 1.d4 oder 1.e4 zu wählen im Besonderen, dass sein Gegner Veselin Topalov beiläufig seinen größten Vorteil darin sah, dass er fünf Jahre jünger ist. Anand dagegen mit seinen fünf Jahren mehr Erfahrung, besonders in Zweikämpfen, die große Bandbreite seines Repertoires zur Anwendung zum Vorteil zu bringen, um nicht Gleiches mit Gleichem vergelten zu müssen. Hart "Draufhauen" ist ihm nicht fremd, aber diffizil Vorteile summieren in der Partie bis zum Sieg scheint erfolgreicher zu sein. Die Einschätzung dieser Strategie wurde von Experten als clever, tiefgründig, listig, weltmeisterlich, strategisch, glücklich oder gar kräftig mithilfeverdächtig ganz unterschiedlich bewertet. In einem Punkt waren sich allerdings alle Fachleute und seine Fans einig: "Sie war richtig". mehr Informationen und Bilder zur 2.Partie ...