TopTurniere Miskolc - Leko stellt die Spannung wieder her Seltene Russisch-Variante überrascht Gelfand
26.08.2010 - Miskolc ist mit seinen rund 175.000 Einwohnern nach Budapest und Debrecen die drittgrößte Stadt Ungarns. Seit 2005 ist es dort eine schöne Tradition geworden, dass sich der beste Schachspieler des Landes, Peter Leko, einen Kollegen aus der absoluten Weltklasse einlädt und gegen ihn ein Schnellschach-Match (25''+10') über acht Partien spielt. Bisher hatten seine Gegner so klangvolle Namen wie Viswanathan Anand, Magnus Carlsen, Vladimir Kramnik, Michael Adams und Anatoly Karpov. Nur eines dieser Duelle konnte Leko bisher gewinnen. 2006 schlug er Karpov mit 4,5-3,5 und 2005 reichte es immerhin zu einem 4-4 gegen Adams. In diesen Tagen (25. bis 29. August) ist nun Boris Gelfand sein Gast und machte sich sofort mal mächtig unbeliebt bei seinem Gastgeber. Gleich in der ersten Partie gelang dem Israeli eine starke Endspielleistung, welche ihm den vollen Punkt bescherte. Nach zwei Unentschieden schlug Leko heute nicht minder spektakulär zurück. Er wählte mit Weiß gegen die Russische Verteidigung seines Gegners ein bisher sehr selten gespieltes System und erwischte seinen Gegenüber ganz offensichtlich eiskalt. Am Freitag gönnt man sich für (wahrscheinlich) gemeinsame Aktivitäten einen Ruhetag.
Boris Gelfand 2739 – Peter Leko 2734
Rapid Match (1), Miskolc 2010
Stellung nach zuletzt 37.h5!
37...Sxh5? Jetzt bekommt Weiß den schwarzen Freibauern in den Griff, während sein eigener gefährlich bleibt.
37...Tb5! 38.e5+ Ke6 zieht der weiße Turm, kommt Se4+, also 39.h6 Td5+ 40.Kc2 f3 41.h7 Td8= Die Freibauern neutralisieren sich und ein Remis wäre wahrscheinlich gewesen.
Analysediagramm
38.Ke2!± Gelfand lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen. Weiß verfügt über einen starken Freibauern und einen sicher gedeckten b-Bauern. Sein Minusbauer ist nur temporärer Natur, denn im Gegenzug sind alle schwarzen Bauern schwach. In einer Schnellpartie ist diese Stellung kaum zu halten - auch nicht für einen der besten Verteidiger der Welt. Somit ging Gelfand gleich in der ersten Partie des Matches mit 1–0 in Führung. 1–0 (86)
Peter Leko 2734 – Boris Gelfand 2739
Rapid Match (4), Miskolc 2010 - C42 (Russisch)
1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.d4 d5 6.Ld3 Sc6 Hier spielt Gott und die Welt normalerweise die kurze Rochade, doch Leko hatte für heute das mehr als seltene 7.Sc3!? im Gepäck.
7...Sxc3 8.bxc3 Lg4?! Vermutlich sollte Schwarz besser so rasch wie möglich kurz rochieren.
Vielleicht befürchtete Gelfand nach 8...Ld6 9.0–0 0–0 den Angriff 10.Sg5!?, doch wie genau es für Weiß nach 10...g6 weitergeht, weiß im besten Fall derzeit nur Leko.
9.Tb1 Tb8 10.h3 Lh5 11.Lb5! Diese Fesselung ist hundsgemein, denn Schwarz kann noch immer nicht rochieren. Nun muss nur noch der Springer nach e5!
11...Le7 12.g4 Lg6 13.Se5 Jetzt kommt Schwarz nur noch unter Bauernverlust zu 13...0–0, doch nach der ziemlich forcierten Folge 14.Lxc6 bxc6 15.Sxc6 Txb1 16.Sxd8 La3 17.Lxa3 Txd1+ 18.Kxd1 Txd8 19.Kd2± kann sich Weiß in aller Ruhe an die Verwertung seines Mehrbesitzes machen, was Leko auch vorbildlich demonstrierte. 1–0 (76)