Nachrichten Aktuelles Tagesschach 55/09 - Carlsen und Shirov führen in Sofia Topalov mit einzigem Sieg der 4. Runde
16.05.2009 - Nach vier Runden haben Magnus Carlsen und Alexei Shirov gemeinsam die Führung beim Mtel Masters in Sofia inne / Veselin Topalov per Sieg gegen Wang Yue einen halben Zähler zurück +++ Rybka frisst einen Gegner nach dem anderen bei der 17. World Computer Chess Championship in Pamplona und führt nunmehr mit 6/6 / WM-Tagebuch von Johannes Zwanzger +++ Pavel Eljanov kurz vor Turniersieg beim 39. Grandmaster Tournament Bosna 2009 in Sarajevo +++ Deutschland wieder vorne beim Mitropa Cup 2009 in Rogaska Slatina
Sofia (BUL) - Den recht spannenden ersten beiden Runde, folgte gestern in der dritten Runde eine glatte Nullnummer - alle Partien endeten remis. Heute in der vierten Runde hatte der Lokalmatador und Weltranglistenerste Veselin Topalov jedoch genug davon und duchbrach die Remisserie mit seinem Sieg gegen Wang Yue. Somit egalisierte er seine Erstrundenniederlage gegen Magnus Carlsen und liegt nun punktgleich mit Wang Yue und Leinier Dominguez auf dem geteilten dritten Rang. Einen halben Punkt mehr haben Magnus Carlsen und Alexei Shirov vorzuweisen.
Pamplona -Rybka ist tschechisch und bedeutet Fischlein, doch wer die laufende 17. World Computer Chess Championship in Pamplona verfolgt, könnte geneigt sein, einer spontanen Namensänderung zuzustimmen. Wie wäre es beispielsweise mit žralok, dem tschechischen Wort für Haifisch? So jedenfalls tritt Vasik Rajlichs Schachengine aktuell auf. Rybka scheint im Blut- und Fressrausch zu sein und killt alles, was sich ihr in den Weg stellen will. Nach nunmehr sechs Runden vezeichnet sie sechs Siege und verweist die Konkurrenz, wenn man diese überhaupt als solche bezeichnen kann, auf die Plätze. Neben der "Alternativ-WM" ohne Hardware-Beschränkung wurde übrigens auch die Blitz-WM gespielt, welche natürlich Rybka (7/8) gewann. Hauptgegner Junior erlebte mit drei Startniederlagen ein Fiasko und stieg bedient vorzeitig aus.
Alle Ergebnisse und die Tabelle erhalten Sie über die offizielle Turnierseite. Wer darüber hinaus mehr Lesestoff sucht, ist beispielsweise im WM-Tagebuch von Johannes Zwanzger (Jonny) an der richtigen Stelle. Man stellt sich das so schön geruhsam vor, einfach eine Engine spielen zu lassen, aber stecken Sie mal in der Haut des Programmierers oder Operators, wenn diese eiskalten Engines scheinbar Nerven zeigen und selbst recht triviale Stellungen völlig misshandeln. Und wenn dann ein Operator meint, in einer mehr als deutlichen Verluststellung noch bis zum Matt spielen zu lassen, kann das Ganze tatsächlich nicht nur langwierig sondern auch extrem ermüdent sein und rote Augen sind quasi vorprogrammiert. Aber lesen Sie ruhig mal selbst auf der Homepage von Zwanzgers Heimatverein, dem Schachclub Forchheim, nach, was der Programmierer so zu berichten hat! Übrigens erhalten Sie auch dort beispielsweise die Partien und ein paar Fotoimpressionen. Ebenfalls empfehlenswert ist dazu auch die Homepage von Computerschaak.
Sarajevo - Zum 39. Mal veranstaltet der Schachclub Bosna Sarajevo sein alljährliches, doppelrundiges Großmeisterturnier. Geladen hat man als einzigen 2700er den Slowaken Sergei Movsesian, den wir beispielsweise aus der Bundesliga kennen, wo er für den mehrfachen Deutschen Meister OSC Baden-Baden spielt. Der sympathische Weltklassespieler wird zudem bei der kommenden Chess Classic Mainz zusammen mit Hikaru Nakamura und Viktor Bologan versuchen, Levon Aronian bei der 6. Chess960 Rapid World Championship dessen Weltmeistertitel zu entreißen. Seine aktuellen Gegner lauten jedoch: Wang Hao (2696), Pavel Eljanov (2693), Pentala Harikrishna (2686), Ivan Sokolov (2669) und Borki Predojevic (2652)
Nach nun schon acht von zehn Runden zeigt sich besonders der frisch vermählte Ukrainer Eljanov in Topform. Er führt das Feld mit 6 Zählern an und hat damit den Turniersieg schon so gut wie unter Dach und Fach. Denn sowohl Movsesian als auch Predojevic liegen zwar gemeinsam auf dem zweiten Rang, doch da sie bereits 1,5 Punkte Rückstand auf Eljanov haben, müsste schon ein mittelschweres Wunder geschehen, um diesen noch zu stürzen und ihm die €3.000 Siegpräme zu entreißen. Alle weiteren Infos, Bilder und Partien finden Sie auf der offiziellen Turnierseite: Grandmaster Tournament "Bosna 2009"
Rogaska Slatina - Seit dem 09. Mai findet der traditionelle Mitropa Cup statt. Ein Länderturnier mit Nationen aus Mitteleuropa, welches von absoluten Weltklassespielern gemieden und eher zum Testen der neuen Hoffnungsträger genutzt wird. Gespielt wird immer in 4er-Teams, wobei jede Mannschaft aus fünf möglichen Spielern besteht, damit man auch mal pausieren kann. Deutschland hat in diesem Jahr eine gesunde Mischung aus Jugend und Erfahrung nach Slowenien entsandt, welche zumindest laut ELO-Schnitt Favorit auf den Gesamtsieg sein sollte. Neben Jan Gustafsson, Michael Prusikin und dem Bundestrainer Uwe Bönsch persönlich, der als "Joker" bisher aber nur zwei Mal spielte, hat man den Deutschen Meister Arik Braun und David Baramidze ins Rennen geschickt. Nachdem der deutsche Kader erwartungsgemäß früh die Gesamtführung übernommen hatte, folgte jedoch ein kleines Tief, welches man heute aber entgültig überwunden hat. Mit 3:1 schlug man die Tschechen und hat es nun in der morgigen Schlussrunde gegen die Italiener wieder selbst in der Hand.
Mittelprächtig läuft es dagegen bei unseren Damen. Die holde Weiblichkeit spielt in 2er-Teams, doch während es für Melanie Ohme mit 4,5/7 ordentlich läuft, sind die 2,5/7 von Judith Fuchs natürlich nicht für mehr als einen aktuell 5. Rang gut. Alle weiteren Ergebnisse, Statistiken und jede Menge Bilder finden Sie auf der offiziellen Turnierseite: Mitropa Cup 2009
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