Nachrichten Viswanathan Anand feiert seinen 39.Geburtstag Der Inder, jetzt auf Augenhöhe mit Capablanca, Aljechin, Fischer und Kasparov
11.12.2008 - "Viswanathan Anand, Großmeister aus Madras, ist zur Zeit der geheimnisvollste Stern am internationalen Schachhimmel" titelte der renommierte "Zeit"-Journalist Wolfram Runkel in einem vielgelesenen Artikel im Jahre 1992. "Wie der große Capablanca" setzte er seine Einschätzung mit Nachdruck ins grelle Licht der schachlichen Zukunft des jungen Mannes aus dem Mutterland des Schachs. Die Prophezeiung ist im Bonner Herbst 2008 Wirklichkeit geworden. Vor über 15 Jahren inspirierte dieser Artikel den Vorsitzenden der Chess Tigers dermassen, dass im Bestreben ein ordentliches Schnellschachturnier mit der Chess Classic in Frankfurt und ab 2001 in Mainz aufzubauen, Vishy zum wichtigsten Eckpfeiler werden könnte. Freundschaft, Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitige Unterstützung wurden zu überragenden Bindegliedern, die zuletzt in Bonn am 29.Oktober 2008 zum vorerst finalen Triumph für das Ehrenmitglied der Chess Tigers wurde. Mit Ausdauer, Willen, Demut, Fleiß und Genie war es dem wohlerzogenen Brahmanensohn aus Madras in den letzten 15 Jahren gelungen alle wichtigen Titel zu gewinnen: Schachweltmeister im Modus "Knockout", "Tournament" und "Match", Blitzschachweltmeister, Schnellschachweltmeister, Weltranglistenerster ohnehin. Alle wichtigen Super-Turniere der Welt hat er gewonnen und das Wimbledon des Schnellschachs "Chess Classic" bereits 11 mal. Zum 39.Geburtstag wünschen Dir und Deiner Familie die Chess Tigers alles Gute, viel Gesundheit und Tatkraft weiterhin.
"Das Match der Matches" - ein hochklassiger Kampf um die Schachkrone ohne jegliche Mätzchen und Winkelzüge sollte es geben - eine knallharte Auseinandersetzung unter Gentlemen, schachlich, physisch und psychologisch gesehen. Jeder der Kontrahenten wollte natürlich "seine" Stellungen aufs Brett bekommen, um den Rhythmus zu diktieren und am Ende die Nase vorn zu haben. Die Bilanz der gewonnenen Partien vor dem Wettkampf war 6:4 für Vladimir Kramnik. Sechsmal hatte er mit den weißen Steinen gewonnen, wobei Viswanathan Anand je zweimal mit Schwarz und mit Weiß gewonnen hatte. Dies war der erste Fingerzeig auf die Taktik des Matches. Wenn Kramnik mit Weiß so schwer beizukommen ist, dann muss man es doch logischer Weise mit Schwarz probieren! Entscheidend für den Ausgang des Matches waren die Partien 3 und 5, das Meraner System des Damengambit, genauer gesagt der Läuferzug 14. ... b7. Beide Spieler spielten schachlich auf höchstem Niveau, aber es waren Vishys Stellungen: dynamisch, taktisch brisant und hochkompliziert, demnach war auch das Ergebnis: zwei Schwarzsiege. Nach der 5.Partie und dem fantastischen 34. ... Se3!! stockte den Zuschauern im Spielsaal der Atem, niemals hörte ich in einen deutschen Spielsaal, frenetisch aufbrandender und bewundernder Beifall zugleich. "Solch eine Keule fällt den stärksten Baum", hörte ich hinter mir einen begeisterten Enthusiasten sagen, haargenauso wie Anands Damenzug f3 in Monaco diesen Jahres gegen den gleichen Gegner. Nach Anands Gewinn der sechsten Partie war der Kampf bei Halbzeit quasi vorbei, daran änderte auch der feine strategische Gewinn der 10.Partie von Kramnik nichts mehr, hier hatte er Anand düpiert mit dem unscheinbaren Zug 18.Te1 und seine Stellung aufs Brett bekommen. 6,5:4,5 hatte der beste Turnierspieler der Welt, Viswanathan Anand, den besten Match-Player der Welt, Vladimir Kramnik, in einem WM-Match geschlagen und alle Zweifel der Fachwelt inklusive der russischen Schachschule völlig beseitigt. Der Universal-Weltmeister heisst: Anand!
Weltmeister Viswanathan "Vishy" Anand geboren 11.
Dezember 1969 in Madras Abschlusspressekonferenz am 29.Oktober in Bonn
Siegerehrung für Weltmeister Viswanathan Anand Veranstalter UEP Josef Resch & Fide-Ehrenpräsident Florencio Campomanes Vladimir Kramnik bekam die kleine Trophae
Der Chef der Bonner Bundeskunsthalle Andrea zeigt das T-Shirt des Schachjahres € 24,95 Kommentator Dr. Helmut Pfleger beäugt und bestätigt
Großes Presseinteresse bei der Siegerehrung Die Bonner Ausstellungs- und Kunsthalle gut gefüllt
Das Anand-Team v.l.n.r: Viswanathan Anand, Rustam Kasimdzhanov, Surya Ganguly Hans-Walter Schmitt, Radoslav Wojtaszek, Peter Heine Nielsen, Aruna Anand
Lehrjahre sind keine Herrenjahre ...
Wie in Wolfram Runkels Aufsatz in der "Zeit" angedeutet, sollte der junge Vishy Anand schon viel früher den höchsten Thron des Schachs erklimmen, aber er musste mehrmals den bitteren Wein nach Niederlagen genießen. So wie im Jahre 1994 in Shangi Nagar gegen den Russen Gata Kamsky nach 4:2 Führung verlor er noch im Stechen und das vor einheimischer Kulisse. Im Jahre 1998 musste er in Lausanne gegen den ausgeruhten Anatoly Karpov nach unmittelbar vorhergehendem 4-wöchigem Knockout-Qualifikationsmarathon in Groningen antreten, gestaltete durch den Sieg in der 6.Partie das Match 3:3, um dann völlig ausgebrannt im Stechen zusammenzubrechen. Die größte Chance, früh Weltmeister zu werden, ließ er allerdings im New Yorker World Trade Center gegen den "Allmächtigen" Garry Kasparov aus, obwohl er nach der 9.Partie mit 5:4 führte und dann dem Psychoterror des Russen Tribut zollen musste. Allerdings sicher in der Erkenntnis, dass intensivste Vorbereitung nichts nutzt, wenn das Team während des Wettkampfs nicht so, wie jetzt in Bonn funktioniert. Der beste Wettkämpfer der Welt braucht zum Siegen, genauso wie in anderen Feldern des Lebens, ein Optimum an Power, Effizienz, Willen und Know How. Wenn dann Einigkeit und Gemeinsamkeit, gepaart mit Selbstbewusstsein stark macht, werden oft Raul José Capablancas Worte wahr: "Der gute Spieler hat immer Glück".
Der junge, gelassene Vishy Anand im Pressegetümmel nach der Weltuntergangsstimmung 1994 in Indien.
1995 dann schaute die Welt
gebannt nach New York, wo sich Weltmeister Garri Kasparov und sein
Herausforderer Anand Viswanathan um die Schachkrone stritten. Doch es
sollte noch nicht sein - Vishy verlor mit 7.5:10.5 gegen einen
Kasparov in Topform.
Kasparov und Anand bei einer
Schaupartie auf dem World Trade Center in New York 1995 vor ihrem
WM-Match
Die Freundschaft beginnt mit der Chess Classic 1994
Alles begann 1994 in der Stadthalle Frankfurt-Zeilsheim mit zwei 40iger Simultans am 8. und 9.Juli. Dem Vorsitzenden, Hans-Walter Schmitt, vom Veranstalter SC Frankfurt-West war es gelungen, den geheimnisvollen Inder Viswanathan Anand zu verpflichten. Der Nobody in Sachen Schachorganisation hatte sich 1992 durch einen "Zeit"Artikel von Wolfram Runkel animiert gefühlt, den geheimnisvollen, charismatischen und schnellen Mann aus dem Mutterland des Schachs für den 70-jährigen Geburtstag seines Clubs zu holen. Man wollte es so richtig krachen lassen mit einem Simultan der besonderen Art. Großmeister Vishy Anand (Elo 2716) hatte noch nie eineVorstellung in Deutschland gegeben, zudem wird er bestimmt in absehbarer Zukunft Weltmeister oder zumindestent Schnellschachweltmeister werden? Die Westler hatten wirklich einen Volltreffer gelandet, denn über 160 Interessenten wollten am Simultan teilnehmen gegen ein angekündigtes Entgelt von DM 50,-, ziemlich viel damals". 183 Teilnehmer bestritten denn am 9. und 10.Juli das 1.ORDIX Open, ebenso ein Schuss ins Schwarze. Die Gesamtveranstaltung bekam den schönen Namen "Frankfurt-West Chess-Classic", heute ist es "das" führende Schnellschachfestival geworden mit dem Namen "Chess Classic Mainz". Die große Nachfrage beim Simultanandrang konnten wir mit der Unterstützung von Anand lösen, der sich großzügig erklärte, ein zweites 40iger Simultan freitagabends zu geben. Telefonisch wurden wir uns schnell einig über die zusätzliche Kosten - Angebot von mir, Forderung von ihm, also einigen wir uns in der Mitte, gebont! Als ich ihn vom Flughafen abholte und nach Bad Soden ins Parkhotel brachte, lief im Autoradio von Queen "Break thru" - volle Interessensgleichheit, wie sich später heraustellte, genauso wie bei "Go West" von den Pet Shop Boys. Beim ersten Simultan am Freitag Abend, nach der offiziellen Eröffnung durch unseren Schirmherrn, dem damaligen Forschungsminister Dr. Heinz Riesenhuber , hatte ich mir natürlich auch ein Brett geangelt. Und zwar das mit der Nummer 1, aber mit der Registrierung 39! Als Vishy mit seinem Lieblingszug an meinem Brett mit 1.e4 eröffnete, und nicht das 1.d4, 1.c4 oder 1.Sf3, welches er im Wechsel an allen anderen Brettern spielte, war ich schon mal freudig erregt. Mit Skandinavisch wollte ich dem jungen Mann aus Indien auf den Zahn fühlen. Zu meiner Überraschung, ich glaube sogar zu meiner Verärgerung, zog er nach 1. ... d5 den weißen Bauern nach 2.e5 vorbei. Was für ein "Hosenscheißer", dachte ich! Er wusste halt damals schon in der Eröffnung zu überraschen, nach interessanter Partie musste ich nach dem 52.Zug aufgeben. Das wir jetzt schon fast 15 Jahre zusammen beim Schach unsere Freundschaft entwickeln und leben konnten, unsere Frauen natürlich nicht nur beim Schach, erachte ich als große Ehre und als noch größeres Geschenk.
Frederic Friedel war beim ersten Kontakt das Bindeglied IM Bernd Schneider musste als erstkontaktierte Person passen (Rochadeanzeige: vermittele jeden Simultanspieler), aber er leitete den Wunsch an den ChessBase-Gesellschafter und PCA-Präsident weiter.
Gut schmecken lassen haben wir es uns immer Hans-Walter Schmitt, Viswanathan Anand, Dr. Gerd Karl Schnorr
Ankündigung vor dem 1.Simultan Hans-Walter Schmitt erwartungsfrohe Teilnehmer, interessierte Zuschauer, Ehrenmitglied Ferdinand Niebling und der junge Großmeister Vishy Anand
Anand gegen Hans-Walter aufsteigender indischer Schach-Stern und Veranstaltungsleiter Chess Classic Es sollte eine tiefe und intensive Freundschaft werden
Ein bisschen Privates zum Genießen
1996 heiratete er gemäß den
familiären Traditionen Aruna, die ihn fortan auf seinen Reisen rund um
den Globus begleitete und so nicht nur zu seiner Frau sondern auch zu
seiner Managerin wurde. Aruna wusste nichts über Schach: "Als ich Anand
das erste Mal traf, konnte ich nicht glauben, dass jemand so berühmt und
doch so einfach sein konnte. Als wir das Reisen begannen, hatte ich
keinen Schimmer von Schach. Aber heute, wenn ich ihm Stellungen
beschreibe, beginnt er zu lachen. Ich bin so glücklich für Anand. Er hat
immer versucht, nach den Regeln zu spielen, auch dann, wenn das Verzicht
bedeutete. Für ihn ist sein Gewissen das Wichtigste, und sein Erfolg
kommt nur von harter Arbeit."
Anand und Aruna beim Champions'
Dinner der Chess Classic Mainz
Anand und Aruna bei einer Kutschfahrt in Baden-Baden, mit Rössern, Pferden und Springern kennt er sich ja gut aus!
Anand und Aruna bei ihren Lieblingstieren in Indien ... das ist doch ein feiner Kerl oder? ... und Elefanten sollen das beste Gedächtnis (Festplatte) haben - gut für Schachspieler!
Anand und Aruna beim Bilder machen der Tiger ist die stärkste Katze der Welt intelligent, schnell und bissig ... auch gut bei Schachspielern!