Nachrichten Shirov spricht Klartext: "Lasst uns die FIDE sperren" Offener Brief des Wahl-Spaniers zum Thema Ivanchuk
02.12.2008 - Die Flucht des ukrainischen Top-GMs Vassily Ivanchuk vor den Doping-Kontrolleuren schlägt die nächsten Wellen. In einem offenen Brief hat sich Alexei Shirov an die Schachwelt gewandt und ruft zum Boykott der FIDE auf. Grund dafür soll sein, dass Kirsan Ilyumzhinov angekündigt haben soll, Ivanchuk gemäß den Regularien hart zu bestrafen. Ein offizielles Statement des Weltschachverbandes zum Thema liegt indes bisher noch nicht vor. Ohne an dieser Stelle voreilig zu werten, veröffentlichen wir für den deutschsprachigen Schachfreund eine Übersetzung des Briefes, damit sich ein jeder selbst seine Gedanken dazu machen kann.
Ich weiß nicht, wie oft ich schon zu mir selbst gesagt habe, dass es letztlich keinen Sinn macht, in die Schachpolitik involviert zu werden, und dass ich mich einfach nur auf meine Arbeit konzentrieren sollte, etc. Aber die jüngsten "Entwicklungen" der FIDE haben vielleicht bewirkt, dass sich viele frühere großartige Champions im Grabe umgedreht haben. Das bedeutet, dass der lebende Schachspieler sprechen muss.
Laut dem russischen, absolut unfreien Schachjournalisten Yuri Vasiliev (glücklicherweise nicht einer der Glaubwürdigsten, bekannt dadurch, den Geist Alexander Chernenkos erweckt zu haben), hat Ilyumzhinov bereits verlauten lassen, dass Vassily Ivanchuk schwere Sanktionen für das Ablehnen des Dopingtests nach seiner Partie gegen Gata Kamsky erwarten könnten.
Können wir solche Neuigkeiten glauben? Ein Spieler, der mehr als 20 Jahre in der höchsten Spitze war, seitdem er Anfang 1988 das New York Open gewann, ein absoluter Rekord unter den aktuell aktiven Spielern, wird gesperrt, weil er sich nach einer verlorenen Partie erst beruhigen wollte? Boris Spassky hat zu dieser Situation bereits seine Meinung kundgetan, aber es wurde nirgends veröffentlicht. Plötzlich will Ilyumzhinov sagen, Regeln seien Regeln.
Aber leider scheinen mir die Regeln nicht legal zu sein. Das IOC (International Olympic Committee) hat niemals garantiert, dass Schach eine olympische Sportart wird, weshalb die FIDE-Methode des Lecken des Hinterteils letztlich fragwürdig ist. Nach dem Erfolg des Festivals der intellektuellen Spiele in Peking ist es Zeit, den Versuch, in die olympische Bewegung zu kommen, zu STOPPEN. Ich selbst fühle mich schuldig, an der olympischen Veranstaltung in Sydney 2000 teilgenommen zu haben, aber letztlich sah es so aus, als würden die Schachspieler mit offenen Herzen willkommen geheißen. Egal, was war, wir haben einen Weg, und wir können es uns nicht leisten auf diese Weise einen unserer besten Vertreter zu verlieren.
Boris Spassky und Vassily Ivanchuk in Bilbao
Sollte die FIDE und Ilyumzhinov nicht aufhören, unseren intellektuellen Sport zu zerstören, muss etwas getan werden. Letztlich Schritt für Schritt. Ich hoffe, Hans-Arild Runde (chess.liverating.com) macht sich keine Gedanken, Ivanchuks Resultat auszuwerten, und alle Organisatoren, die unser Spiel nach wie vor respektieren, sollten mit ihm zusammenarbeiten und die offiziellen Rating Reports nicht mehr an die FIDE geben. Tatsächlich werden die Rating Reports heutzutage automatisch erstellt, aber jemand sollte dennoch kontrollieren, dass sie nicht durch annullierte Ergebnisse verändert werden.
Der zweite Teil dieser Presseerklärung wird einige meiner Gedanken über die jüngsten Änderungen im WM-System (nichts Unübliches natürlich) beinhalten. Natürlich, mit der Sperre von Ivanchuk verliert das ganze System seinen Sinn, aber da ist noch immer eine Chance, dass sein Fall gelöst wird. Tatsächlich denke ich nicht, dass die Idee eines Kandidatenturniers so negativ ist, wie einige Leute denken. Den zweiten Platz des Grand Prix und des World Cups hinzuzufügen, ist ein netter Ersatz für das beständige Verändern des Formats, solange es für Spieler und Schachliebhaber attraktiv ist. Aber dem Verlierer des Matches Topalov - Kamsky einen direkten Platz zu geben, scheint völlig sinnlos, da sich der Spieler doch im nächsten World Cup behaupten könnte oder sich über die Rating qualifizieren kann. Er sollte meines Erachtens durch den Spieler mit der zweithöchsten Rating ersetzt werden. Leider kann diese Ansicht nichtmal theoretisch von der ACP unterstützt werden, da einer ihrer führenden Kräfte, Emil Sutovsky, der Manager von Kamsky ist, und die meisten der Anderen sind seine Kumpel.
Ok, Zeit, mit dem Schreiben aufzuhören. Lassen wir auch andere Ihre Meinung ob dieser FIDE-Neuigkeiten kund tun.