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Aronian will es wissen
07.03.2006 - Bis auf eine Ausnahme wurde auch in der elften Runde des XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament in jeder Begegnung fast bis zum letzten Blutstropfen gekämpft. Doch den vollen Punkt konnte letzten Endes nur einer der Topstars für sich verbuchen. Levon Aronian beweist in diesen Tagen, dass er - entgegen eigenen Aussagen - die ELO von über 2750 durchaus wert und noch lange nicht am Ende seine Potentials ist. Er hat nun die besten Aussichten aller Verfolger, Spitzenreiter Leko auf der Zielgeraden noch abzufangen.

XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament

 

Keine Chance hatte Francisco Vallejo heute mit den schwarzen Steinen gegen den prächtig aufgelegten Levon Aronian. Untypisch, dass zwei Türme einen Turm nebst zweier Leichtfiguren überlegen sind, aber ein starker weißer Freibauer und ein geschwächter schwarzer König rechtfertigten diese Konstellation vollauf. Als Weiß schließlich den Springer des Schwarzen einfing, war der Spuk nach wenigen Zügen vorbei und Aronian um einen vollen Punkt reicher.

Unbekümmert und erfolgreich - Levon Aronian

Wie schwer es als Schwarzer ist, gegen einen Gegner zu spielen, der kein Interesse daran hat mehr zu tun, als unbedingt nötig, um die Stellung im Gleichgewicht zu halten, musste Veselin Topalov heute wieder erfahren. Teimur Radjabov legte seinen Spanier sehr zurückhaltend an und nur auf Ausgleich bedacht an und nach 26. Zügen hatte der Weltmeister genug gesehen, um ins Remis einzuwilligen. Was für Radjabov natürlich ein Erfolg ist, musste am heutigen Tag auch für den Weltmeister reichen. Nach drei Siegen in Folge wird ihm sicherlich niemand verübeln, dass er heute mal nicht volles Risiko gegangen ist.

Klangvoller Name doch noch ohne den ganz großen Erfolg - Francisco Vallejo Pons

Wirkliche Hochspannung schien in der Begegnung zwischen Etienne Bacrot und Peter Svidler ebenfalls nicht aufzukommen. In dem Moment, indem der Franzose mehr hätte versuchen können, bot er Svidler scheinbar eine Zugwiederholung an, welcher der Russe nur mit einem gewagten Damenopfer entkommen konnte. Problematisch war für ihn, dass Bacrot nicht zu dem Remis durch Zugwiederholung gezwungen war und vielleicht lediglich plante, ein einziges Mal die Stellung zu wiederholen, bevor er dann ausweicht. Und tatsächlich schlug der Chess960 Weltmeister lieber selbst zu und opferte seine stärkste Figur gegen einen Turm und einen Läufer. Die erhoffte Initiative fiel dabei allerdings geringer aus, als er es sich vermutlich erhofft hatte. Die weiße Dame schlug nämlich auf h7 ein und zerrupfte die schwarze Königsstellung beträchtlich. Zu seinem Glück hatte Schwarz so viel Gegenspiel, dass die Dame zunächst alleine arbeiten musste, da der verbliebene weiße Turm Deckungsarbeiten zu verrichten hatte. So recht wusste Bacrot jedoch auch nichts, mit der Situation anzufangen, so dass die schwarzen Figuren sich immer näher an seinen König heranpirschten. Doch sie kamen nicht nahe genug, um ein Mattnetz zu knüpfen und so forcierte Svidler nach einer doch noch aufregenden Partie das Remis per Dauerschach.

Sehr viel Zeit in der Eröffnung ließ sich mal wieder Vassily Ivanchuk mit Weiß gegen Peter Leko und man musste befürchten, dass er wieder in eine dramatische Zeitnot geraten würde. Doch heute schaffte er die erste Zeitkontrolle nach 40 Zügen und hatte sich dabei ein aussichtsreiches Leichtfigurenendspiel erarbeitet, in der Leko ein langer Kampf um das Remis bevorstand. Doch er bewies mal wieder seine bekannte Zähigkeit und rettete den halben Punkt und damit die knappe Führung vor Aronian.

 

Tabelle nach der 10. Runde

Rang

Name (ELO)

Punkte

Leistung

ELO neu

+ / -

1. Leko (2740) 7 2822 2751 +11
2. Aronian (2752) 6,5 2791 2758 +6
3. Topalov (2801) 6 2759 2794 -7
  Radjabov (2700) 6 2776 2712 +12
5. Svidler (2765) 5,5 2727 2759 -6
6. Bacrot (2717) 4,5 2670 2710 -7
  Ivanchuk (2729) 4,5 2665 2719 -10
8. Vallejo Pons (2650) 4 2644 2649 -1

Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006

 

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 2 1 1 25
2 2 1 1 25
3 0 0 4 100
4 2 1 1 25
5 1 1 2 50
6 2 1 1 25
7 0 1 3 75
8 1 1 2 50
9 0 1 3 75
10 1 2 1 25
11 1 0 3 75
Total: 12 10 22 50

 

 

Paarungen der zweiten Turnierhälfte in Linares

Runde 8 - Freitag, 03. März 2006

P. Leko - F. Vallejo Pons 1/2
V. Topalov - P. Svidler 1-0
V. Ivanchuk - E. Bacrot 0-1
T. Radjabov - L. Aronian 1/2

Runde 9 - Samstag, 04. März 2006

T. Radjabov - P. Leko 1/2
L. Aronian - V. Ivanchuk 1/2
E. Bacrot - V. Topalov 0-1
P. Svidler - F. Vallejo Pons 1/2

Runde 10 - Sonntag, 05. März 2006

P. Leko - P. Svidler 1/2
F. Vallejo Pons - E. Bacrot 0-1
V. Topalov - L. Aronian 1-0
I. Ivanchuk - T. Radjabov 0-1

Runde 11 - Dienstag, 07. März 2006

V. Ivanchuk - P. Leko 1/2
T. Radjabov - V. Topalov 1/2
L. Aronian - F. Vallejo Pons 1-0
E. Bacrot - P. Svidler 1/2

Runde 12 - Mittwoch, 08. März 2006

P. Leko - E. Bacrot  
P. Svidler - L. Aronian  
F. Vallejo Pons - T. Radjabov  
V. Topalov - V. Ivanchuk  

Runde 13 - Freitag, 10. März 2006

P. Leko - L. Aronian  
E. Bacrot - T. Radjabov  
P. Svidler - V. Ivanchuk  
F. Vallejo Pons - V. Topalov  

Runde 14 - Samstag, 11. März 2006

V. Topalov - P. Leko  
V. Ivanchuk - F. Vallejo Pons  
T. Radjabov - P. Svidler  
L. Aronian - E. Bacrot  

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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