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Black is okay!
Weltmeister Topalov zieht gleich mit Anand
17.01.2006 - Was geschieht in diesen Tagen im sonst so beschaulichen Wijk aan Zee in der Gemeinde Beverwijk? Die heutige 4. Runde des A-Turniers beim Corus Chess Tournament brachte zwar nicht unbedingt die überraschendsten Einzel-Ergebnisse, aber mit den Farben scheint etwas nicht zu stimmen. Das Verhältnis von Schwarz-Siegen zu Weiß-Siegen spricht eine deutliche Sprache: "Black is okay!" Kein Sieg sollte den Anziehenden an diesem Tag gelingen. Bester Beweis dafür, dass man mit Schwarz durchaus etwas reißen kann, sind Vishy Anand und Vassily Ivanchuk, die jeweils schon zwei Siege mit den schwarzen Steinen für sich verbuchen können. Mit 7:7 ist die Bilanz nach vier Runden ausgeglichen, aber noch so eine Runde und es würde schon anders aussehen.

zum Corus Chess Turnier

Wieder on Top - Weltmeister Veselin Topalov

Dass der amtierende Weltmeister Nehmerqualitäten besitzt, wissen wir nicht zuletzt seit der Niederlage gegen Michael Adams aus Runde 2, der er gestern direkt einen Sieg folgen ließ. Heute wartete mit Loek van Wely ein Lokalmatador, der in den ersten Runden dieses Turniers durch eher fragwürdige Eröffnungsvarianten aufgefallen war, sich aber dennoch mit 50% achtbar gehalten hatte. Heute sollte er die weißen Steine gegen die Nr. 1 der Setzliste führen und wieder schien sein Spiel gegen Topalov's Slawen nicht gut vorbereitet. Wie gestern schon gegen Tiviakov kam er nicht zur Rochade und zog den König ein Feld vor. Vermutlich hoffte er, dass ihn die zuvor vom Bulgaren geopferte Qualität entschädigen würde, doch tatsächlich hatte er fortan größte Probleme, seinen Läufer auf f1 und den Turm auf h1 ins Spiel zu bringen. Dagegen konnte Topalov sämtliche Kräfte mobilisieren und als er mit 21...e5!! brillant die Stellung öffnete, geriet van Wely unter mächtigen Druck und damit in Zeitnot. Er wehrte sich tapfer, doch dann übersah er die gegnerische Mattkonstruktion. Gerade hatten besonders treue Fans des Niederländers noch phantastische Remisgedanken, da war es auch schon um Loek "Lucky Luke" van Wely geschehen. Insgesamt ein bärenstarker Auftritt von Veselin Topalov, der mal wieder für seinen erfrischend angriffslustigen Stil belohnt wurde.

Will ein Spieler mit den weißen Steinen nicht mehr als ein Remis, ist es in einem Turnier dieser Kategorie sehr schwer, sich dem ohne allzu großes Risiko zu entziehen. Wer will es Ivan Sokolov verübeln, dass er als Träger der roten Laterne gegen den Führenden Vishy mit einer Teilung des Punkte zufrieden war? Im Angenommenen Damengambit glich Anand, der zuvor bereits zweimal mit Schwarz gewonnen hat in diesem Turnier, mühelos aus und so gönnten sich die Kontrahenten bereits nach 15 Zügen einen hoffentlich geruhsamen Nachmittag.

Heute ohne Glück - Loek "Lucky Luke" van Wely

Die Favoriten haben sich an der Spitze gefunden und einer scheint da mit aller Macht dabei sein zu wollen. Boris Gelfand schlug - natürlich mit Schwarz - in einer langen und schweren Partie Etienne Bacrot. Aus einer sehr komplizierten Slawischen Stellung heraus erlangte der Israeli eine überlegene Position und nahm seinem Gegner eine Qualität ab. Doch ab da verteidigte sich der Franzose äußerst zäh und Gelfand tauschte zur falschen Zeit die Damen. Bei Bacrot keimte wieder Hoffnung auf und ein Remis schien im Bereich des Möglichen. Als er aber seinen Springer unglücklich ins Abseits manövrierte, konnte er ihn nicht mehr halten und gab in technischer Verluststellung auf. Damit schiebt sich Boris Gelfand auf den 2. Platz vor, den er momentan nur mit Vassily Ivanchuk teilen muss.

Und noch jemand kam endlich zu seinem ersten echten Erfolgserlebnis. Etwas holprig in das Event gestartet, setzte Levon Aronian heute gegen Gata Kamsky ein Ausrufezeichen. Der Amerikaner kann es sich nach wie vor nicht verkneifen, anrüchige bzw. seltene Systeme zu spielen. Vielleicht wollte er auch etwas Humor beweisen, als er im Spanier zur "Steenwijker Variante" griff. Besonders beeindrucken konnte er den nächsten Herausforderer von Chess960-Weltmeister Peter Svidler jedoch nicht wirklich. Aronian erspielte sich erst einen Mehrbauer und bearbeitete dann den Gegner in einem unübersichtlichen Endspiel. Als sich nur noch jeweils die Dame nebst einem Läufer und diverser Bauern auf dem Brett befanden, drohte die Partie in die Remisbreite abzudriften, doch dann war es urplötzlich vorbei. Zu mutig hatte sich der weiße König nach f4 gewagt und zappelte mit einem Mal in einem Netz aus Mattdrohungen und Damenverlusten. Kamsky findet sich nun auf dem letzten Platz wieder und wird vielleicht einsehen müssen, dass ihm noch einiges bis zur Weltspitze fehlt.

Scheinbar spannend sah es zunächst bei Michael Adams gegen den Vorjahressieger des B-Turniers Sergey Karjakin aus. Letzterer opferte im Najdorf einen Bauer für etwas besseres Spiel, doch der Brite klebte nicht am Mehrmaterial und gab den Bauer für eine ausgeglichene Stellung zurück. Remis nach 24 Zügen.

Nichts anbrennen ließen auch Peter Leko und Vassily Ivanchuk in ihrer Partie. Der Ukrainer verteidigte sich Französisch und nach 27 Zügen hatte sich das Material bereits so sehr reduziert, dass ein Remis die logische Konsequenz war. Nach wie vor findet der ambitionierte Ungar kein Mittel, seine Gegner in Bedrängnis zu bringen.

Zufrieden dürfte Sergey Tiviakov heute Abend bestimmt nicht in die Kissen sinken. Hatte sich Shakhriyar Mamedyarov in ausgeglichener Stellung bei seinem Angriff auf den schwarzen König doch schon arg verrechnet und seinem Gegner eine Mehrfigur beschert. Die beiden Bauern, die er für den Springer hatte, konnten wohl kaum als echte Kompensation gelten, doch Tiviakov fand einfach nicht die richtigen Züge und erlaubte dem Jugendweltmeister ein Dauerschach.

Erfolgreich die Tabellenspitze verteidigt hat Arkadij Naiditsch im B-Turnier. Mit einem Remis gegen Giovanni Vescovi hat er weiterhin die besten Aussichten aller Teilnehmenden auf den Turniersieg.

Tabelle nach der 4. Runde

Rang

Name (ELO) Punkte Ø Gegner Leistung + / -
1. Anand (2792) 3 2708 2899 +5
Topalov (2801) 3 2689 2880 +4
3. Ivanchuk (2729) 2,5 2743 2833 +6
Gelfand (2723) 2,5 2713 2803 +4
5. Mamedyarov (2709) 2 2681 2681 -1
Karjakin (2660) 2 2731 2731 +4
Aronian (2752) 2 2737 2737 -1
Leko (2740) 2 2716 2716 -1
Adams (2707) 2 2713 2713 0
10. van Wely (2647) 1,5 2717 2627 -1
Tiviakov (2669) 1,5 2695 2605 -4
Bacrot (2717) 1,5 2726 2636 -4
Sokolov (2689) 1,5 2719 2629 -3
14. Kamsky (2686) 1 2734 2543 -7

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 1 2 4 57
2 3 1 3 43
3 3 1 3 43
4 0 3 4 57
Total: 7 7 14 50

Paarungen

Runde 1 - Samstag, 14. Januar 2006

L. van Wely - I. Sokolov 1/2
S. Mamedyarov - E. Bacrot 1/2
S. Tiviakov - M. Adams 1/2
V. Topalov - G. Kamsky 1-0
B. Gelfand - P. Leko 1/2
S. Karjakin - V. Anand 0-1
L. Aronian - V. Ivanchuk 0-1

Runde 2 - Sonntag, 15. Januar 2006

I. Sokolov - V. Ivanchuk 0-1
V. Anand - L. Aronian 1/2
P. Leko - S. Karjakin 1/2
G. Kamsky - B. Gelfand 1-0
M. Adams - V. Topalov 1-0
E. Bacrot - S. Tiviakov 1-0
L. van Wely - S. Mamedyarov 1/2

Runde 3 - Montag, 16. Januar 2006

S. Mamedyarov - I. Sokolov 1/2
S. Tiviakov - L. van Wely 1/2
V. Topalov - E. Bacrot 1-0
B. Gelfand - M. Adams 1-0
S. Karjakin - G. Kamsky 1-0
L. Aronian - P. Leko 1/2
V. Ivanchuk - V. Anand 0-1

Runde 4 - Dienstag, 17. Januar 2006

I. Sokolov - V. Anand 1/2
P. Leko - V. Ivanchuk 1/2
G. Kamsky - L. Aronian 0-1
M. Adams - S. Karjakin 1/2
E. Bacrot - B. Gelfand 0-1
L. van Wely - V. Topalov 0-1
S. Mamedyarov - S. Tiviakov 1/2

Runde 5 - Donnerstag, 19. Januar 2006

S. Tiviakov - I. Sokolov
V. Topalov - S. Mamedyarov
B. Gelfand - L. van Wely
S. Karjakin - E. Bacrot
L. Aronian - M. Adams
V. Ivanchuk - G. Kamsky
V. Anand - P. Leko

Runde 6 - Freitag, 20. Januar 2006

I. Sokolov - P. Leko
G. Kamsky - V. Anand
M. Adams - V. Ivanchuk
E. Bacrot - L. Aronian
L. van Wely - S. Karjakin
S. Mamedyarov - B. Gelfand
S. Tiviakov - V. Topalov

Runde 7 - Samstag, 21. Januar 2006

V. Topalov - I. Sokolov
B. Gelfand - S. Tiviakov
S. Karjakin - S. Mamedyarov
L. Aronian - L. van Wely
V. Ivanchuk - E. Bacrot
V. Anand - M. Adams
P. Leko - G. Kamsky

Runde 8 - Sonntag, 22. Januar 2006

I. Sokolov - G. Kamsky
M. Adams - P. Leko
E. Bacrot - V. Anand
L. van Wely - V. Ivanchuk
S. Mamedyarov - L. Aronian
S. Tiviakov - S. Karjakin
V. Topalov - B. Gelfand

Runde 9 - Dienstag, 24. Januar 2006

B. Gelfand - I. Sokolov
S. Karjakin - V. Topalov
L. Aronian - S. Tiviakov
V. Ivanchuk - S. Mamedyarov
V. Anand - L. van Wely
P. Leko - E. Bacrot
G. Kamsky - M. Adams

Runde 10 - Mittwoch, 25. Januar 2006

I. Sokolov - M. Adams
E. Bacrot - G. Kamsky
L. van Wely - P. Leko
S. Mamedyarov - V. Anand
S. Tiviakov - V. Ivanchuk
V. Topalov - L. Aronian
B. Gelfand - S. Karjakin

Runde 11 - Freitag, 27. Januar 2006

S. Karjakin - I. Sokolov
L. Aronian - B. Gelfand
V. Ivanchuk - V. Topalov
V. Anand - S. Tiviakov
P. Leko - S. Mamedyarov
G. Kamsky - L. van Wely
M. Adams - E. Bacrot

Runde 12 - Samstag, 28. Januar 2006

I. Sokolov - E. Bacrot
L. van Wely - M. Adams
S. Mamedyarov - G. Kamsky
S. Tiviakov - P. Leko
V. Topalov - V. Anand
B. Gelfand - V. Ivanchuk
S. Karjakin - L. Aronian

Runde 13 - Sonntag, 29. Januar 2006

L. Aronian - I. Sokolov
V. Ivanchuk - S. Karjakin
V. Anand - B. Gelfand
P. Leko - V. Topalov
G. Kamsky - S. Tiviakov
M. Adams - S. Mamedyarov
E. Bacrot - L. van Wely

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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