Chess960 Hart umkämpfte Chess960-Partien beim Main-Taunus Cup Runde 3 - 5
03.10.2005 - Nach dem zweiten Spieltag des Main-Taunus-Cup in Bad Soden können sich noch 10 Spieler Hoffnungen auf den Gesamtsieg machen. Jedoch müssten die beiden punktgleich mit 4.5 Punkten aus 6 Spielen führenden IM Leonid Milov und IM Yuri Boidman schon noch etwas helfen - diese Samariter-Hilfe darf in dem bisher hart umkämpften Spielen nicht unbedingt erwartet werden. So musste in der sechsten Runde FM Ryhor Isserman bis ins "nakte" Endspiel gegen Hans-Walter Schmitt kämpfen, ehe er seinen einzigen verbliebenen Freibauern zum Sieg führen konnte.
FM Ryhor Issermann
In dieser hart umkämpften Partie demonstrierte
Isserman sein positionelles Verständnis und nötigte Schmitt über 15
Minuten Bedenkzeit für einen einzigen Zug ab, um die optimale Antwort in einem komplexen
Mittelspiel zu finden. Doch es gab keine, und so musste Schmitt mit
einem Bauernverlust vorlieb nehmen, das reichte Issermann letztlich dann
zum Sieg.
In der Spitzen-Paarung zwischen Leonid Kunin von
TEC Darmstadt und GM Viesturs Meijers hatte der für Nickelhütte Aue
spielende lettische Grossmeister in einem komplexen Endspiel (Turm und
Läufer gegen Turm) kaum eine Siegchance. Kunin suchte intensiv und lange
nach dem Gralsweg zum Sieg, doch Meijers verteidigte geschickt,
forcierte ein ums andere Mal einen Turm abzutauschen, doch Kunin wollte
kein theoretisches Remis sondern den Sieg.
Valerio Belle vom Schachclub Bad Soden
"Endspiel-Papst" Mark Dvoreckij gibt für dieses
komplexe Endspiel eine kleine Hilfestellung:
"In der Turnierpartie
gelingt es oft, der Gefahr zu entkommen, indem man sich an der "Cochrane-Position"
orientiert oder die Verteidigung auf der 7. Reihe benutzt. Die Gefahren,
die auf die schwächere Seite bei der Abdrängung des Königs an den
Brettrand lauer, sind tückisch, doch Lösungen sind schon seit dem 18.
Jahrhundert bekannt." Und als Resümee:" Die Grenze zwischen einer Remis-
und einer verlorenen Position ist aber hauchdünn."
Letztlich fand Kunin nicht den korrekten Weg
und musste sich notgedrungen in eine Remis gegen Grenzgänger Meijers
einlassen.
In den unteren Tabellenrängen sind die Kinder
und Jugendliche des ausrichtenden Schachclub Bad Soden zu finden.
Der
junge Valerio Bello steht zwar noch ohne Punktgewinn am Ende, doch er
hatte auch mit Professor Dr. Eckhard Freise einen formidablen Gegner in
den vorherigen Runden. Freise bestätigte dem ambitionierten Jungtalent
dann auch eine erfrischende und forsche Spielweise, die Valerio Bello
ohne allzu langes Nachdenken aufs Brett brachte. Doch am Ende sprangen
dann keine Punkte sondern nur lobende Worte seines erfahrenen Gegner
heraus.