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Chess960
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Schach ist Bestandteil der Hochkultur und unterstützt eine Kommune in ihrem Alleinstellungsmerkmal durch innovative Netzwerke
01.10.2005 - Wer gedacht hätte, daß die Pressekonferenz zum Auftakt des 1. Main-Taunus-Cup in Bad Soden sich auf die reine Chess960-Nabelschau und ihrer initiativen Akteure beschränkt, wurde nach den einleitenden Worten der Veranstalter und Organisatoren schnell eines anderen belehrt. Als der schachbegeisterte Bürgermeister Norbert Altenkamp, gleichzeitig Schirmherr der Veranstaltung und Bindeglied zu regionalen Sponsoren, das Wort ergriff, begann die Reise nach Zielen jenseits der 64 Quadrate.

Das Pressegespräch: Roland Bettenbühl, Hans-Walter Schmitt, Bürgermeister Norbert Altenkamp und Philipp Herzberger vom Main-Taunus-Schach-Bezirk (von links) im Gespräch mit Medienvertretern der Region Rhein-Main.

Altenkamp berichtete aus dem politischen Alltag und dem Interessenausgleich der Rhein-Main-Kommunen zur gerechten Finanzierung der Kulturausgaben und seinen Diskussionen mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.

Dabei stellte er den Zusammenhang zwischen Standortvorteilen, Alleinstellungsmerkmalen und Netzwerk-Initiativen dar.

Am Beispiel des neuen, innovativen Chess960, eingebettet in einen neutralen Förderverein der Frankfurt Chess Tigers und unterstützt von klassischen Vereinsstrukturen in der Region wurde deutlich, daß Schach ein wesentlicher Bestandteil der Hochkultur ist und das "Spiel der Könige" keine Grenzen hinsichtlich Alter, Geschlecht, Nationalität oder gar Religion kennt. Während die Weltpolitik unter dem Eindruck des "Kampf der Kulturen" steht, bilden informelle Netzwerke wie es im organisierten und individuellen Schach praktiziert wird, ein Gegengewicht.

Turnierdirekter Hans-Walter Schmitt dankte bei der Eröffnung des 1. Main-Taunus-Cup der Stadt Bad Soden und den Sponsoren für die Unterstützung.

So erläuterte auch Chesstiger-Mitglied und Professor für Mediävistik, Dr. Eckhard Freise, ein Protagonist des Chess960 und klassischer Wenigzeitinhaber, wie individuelle Netzwerke der Schachspieler in oft jungen Jahren entstehen und über lange Zeiträume und trotz geographisch-beruflich bedingten Wandels doch stabil bleiben.

Speziell für Bad Soden macht sich die  Einbettung in einen starken Schachverband des Main-Taunus-Bezirks bemerkbar, erläuterte Philipp Herzberger vom Main-Taunus-Bezirk.

Dank der Unterstützung von regionalen Sponsoren wie Mainova oder der Taunus-Sparkasse sowie ähnlich innovativer Vereine mit jungen Vereinsvorsitzenden wie Markus Busche vom Schachclub Frankfurt-West, Rainer Rauschenbach vom Schachclub Hattersheim oder dem ausrichtenden Schachclub Bad Soden mit seinem Vorsitzenden Roland Bettenbühl können Initiativen gefördert und Netzwerke unterstützt werden. Und wenn dann noch Bad Soden als Sommer-Trainings-Camp und Wahlheimat des derzeit besten Schnellschachspielers der Welt, dem indischen Großmeister Viswanathan Anand dient, wirft es ein positives Licht auf die Stadt im Vordertaunus, die mit dem Konzept des "Premium Living" eine neue Qualität im Standortwettbewerb der Regionen und Kommunen schafftt.

Längst sind diese Konzepte in das Selbstverständnis der Kommunal-Politiker eingebettet - Bürgermeister Altenkamp musste den Schachspielern keine Steilvorlage in Sachen Regionalpolitik geben. Dafür hat Professor Dr. Josef Esser vom Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main als Herausgeber des Buchs "Metropolitane Region der Vernetzung" die soziologisch-wirtschaftlichen Grundlagen zusammengefasst. "Netzwerke", schreibt Monica Falger in ihrem Buchbeitrag, "sind auf enge, vertrauensvolle und stabile Beziehungen unter ihren Akteuren angewiesen, um funktionsfähig zu sein. Allerdings können hierin auch Risiken liegen: Enge "ingroup"-Beziehungen gehen oft mit freundlichen "outgroup"-Beziehungen einher. Netzwerke können dazu neigen, sich abzuschotten, Aussschlussmechanismen zu entwickeln und Innovationen, die an das Netzwerk herangetragen werden, abzublocken. Einerseits bedroht eine zu lose Kopplung die Kommunikation der Akteure und die Netzwerkstabilität, andererseits liegt gerade in der losen Kopplung der Akteure eine entscheidende Voraussetzung für Flexibilität und Innovation von Netzwerken".

Feng-Shui und Chess960: Präzise Anordnung einer Random-Startposition: Sven Meisgeier, Eduard Koculak, GM Viesturs Meijers, IM Leonid Milov, Sebastian Lukas, Ralf Gutfleisch und Michail Ivanov (von vorn) an den Top-Brettern der ersten Runde.

Auch für das neue, innovative Chess960 gelten die Erkenntnisse der Netzwerk-Theorie - denn nicht immer werden neue Ideen mit offenen Armen empfangen und es ist ein längerer, anfangs steiniger Weg zur Anerkennung und Umsetzung.

Mit dem 1. Main-Taunus-Cup im Chess960 wird insbesondere der regionale Aspekt der "Vernetzung" betont, der gleichzeitig auch ein tragfähiges Netzwerk der gesellschaftlichen Aspekte unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen kombiniert.

Doch als die nahezu 80 Teilnehmer des Schachturniers das Kommando "Die Bretter sind freigegeben" von Turnierdirektor Hans-Dieter Post hörten, dachten sie nicht über Alleinstellungsmerkmale der Kommunen im Standortwettbewerb oder über die "outgroup"-Beziehungen der Netzwerk-Teilnehmer nach - ab jetzt ging es nur noch um die kreative Frage, wie denn die ausgeloste Eröffnungsposition 836 am besten zu spielen sei...

Gerhard Kenk

Published by Gerhard Kenk

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