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Die cineastische Symbolik des Schachs: Kino-Club neu im Rahmenprogramm bei den Chess Classic Mainz
06.08.2005 - "Schade" sagte Schachweltmeister Czentovic großmütig, "Der Angriff war gar nicht so übel disponiert. Für einen Dilettanten ist dieser Herr eigentlich ungewöhnlich begabt". Mit diesen Worten beendete Stefan Zweig seine berühmte "Schachnovelle", eine Erzählung über das Aufeinandertreffen eines ehemaligen Gestapo-Häftlings und dem amtierenden Schachweltmeister auf einem Passagierdampfer unterwegs von New York nach Buenos Aires. Die "Schachnovelle" begründete den literarischen Ruf des Schriftstellers, der 1940 von Wien nach Brasilien emigrierte und 1942 in Petropolis (Brasilien) freiwillig aus dem Leben schied. Dieses Werk der Weltliteratur positionierte das Thema "Schach" und den darum rankenden Persönlichkeitsdramen in den Mittelpunkt der Literatur - so war es auch nur eine Frage der Zeit, bis das Thema auch von Cineasten entdeckt wurde.

Die Schachnovelle:Mario Adorf (links) und Curd Jürgens (rechts)

Immer länger wird die Liste der Filme, in dessen Handlungsmittelpunkt das Schachspiel und das Drama der schachspielenden Personen steht. Doch nur wenige Film-Produzenten verschaffen sich das notwendige schachliche Know-How, um Brett und Figuren regelgetreu ins Bild zu setzen - heraus kommt dabei manche Lachnummer für die Schachfreunde, das breite Publikum bleibt unwissend und staunt.

So zeigt das ZDF mit seinem Trickfilm "Das Mainzelmännchen-Matt", dass es ein lustig gestaltetes Erstickungsmatt gibt, nur ist leider die Zugfolge nicht ganz genau dargestellt, wie der geneigte Betrachter und Schachfan zweifellos sofort erkennt. Eigentlich hätten die ZDF-Produzenten keine langen Weg zurückzulegen, um sich während der Chess Classic Mainz vor Ort in der Rheingoldhalle umzuschauen und von zufälligerweise anwesenden Schachgrossmeistern in die grundlegenden Regelwerke des klassischen Schachs eingewiesen zu werden.

Etwas genauer haben es die Filmemacher von Pixar in den USA genommen, als sie den preisgekrönten Trickfilm "Geri's  Game" in Szene setzten. Und als die Produzenten des Schach-Krimis "Der Fuchs - schachmatt" mit den Dreharbeiten begannen, sicherten sie sich das notwendige Schach-Know-How und ließen einige veritable Mitglieder des Chesstigers Teams am Set als Berater mitwirken.

Ben Kingsley

Doch noch gibt es Hoffnung auf gutes Cinema mit korrekten und plausiblen Darstellungen des Schachspiels, wie eine Liste der gut produzierten Filme rund um das Schachspiel, persönliche Dramen inbegriffen, offenbart.

"In Search of Bobby Fischer" aus dem Jahre 1993 gilt eigentlich als bester Film zum Thema Schach, der in Hollywood mit namhaften Schauspielern wie z.B. Ben Kingsley ("Ghandi") gedreht wurde.

• The Luzhin Defence" basiert auf der Novelle von Vladimir Nabokov und handelt von einem Schachmeister am Rande des Wahnsinns.

• Knight Moves"  (1992).mit den Titelhelden Christopher Lambert, Diane Lane und Tom Skerritt handelt von einer melodramatische Geschichte eines Schach-Grossmeisters und einer geheimnisvollen Mord-Serie.

Großmeister Kronsteen:
Liebe Grüsse aus Moskau

Im  James-Bond-Klassiker "Liebesgrüsse aus Moskau" gab es auch eine Szene mit einer Schach-Partie, in der Großmeister Kronsteen eine Partie auf  brillante Art und Weise gewann. Kein Wunder, war die Szene doch nach einer tatsächlichen Partie zwischen den Großmeistern Boris Spasski und David Bronstein (Königsgambit Leningrad 1960) nachgestellt.

Schachlegende Boris Spassky: zu Gast bei den Chess Classic Mainz

Vielleicht erinnert sich Boris Spassky nicht mehr an diese Partie, wenn er als einer der vier  Legenden an der Unzicker-Gala gemeinsam mit dem 80jährigen Wolfgang Unzicker, mit Anatoli Karpov und Victor Kortchnoi teilnimmt.

Mit Sicherheit werden bei den Beteiligten alte Erinnerungen wach gerufen, standen sie doch jahrzehntelang im Mittelpunkt des Weltschachgeschehens. Reykjavik und Baguio sind nur die geographischen Kürzel dieser Dramen der Schach-Geschichte.

Ganz so weit wie echte Schach-Großmeister musste der Schauspieler Dieter Landuris nicht reisen, als er für die Außenaufnahmen des Films "Der Fuchs -Schachmatt" in Frankfurt am Main weilte.

Hier spielte er er in dem SAT.1-Fernsehfilm der U5-Produktion einen Schachgroßmeister spielte, der den korrupten Computer-Spielehändler Krix austrickste.

Schauspieler Dieter Landuris (rechts) und Schachberater Hans-Walter Schmitt

So bleiben zwei Hoffnungen für die kommenden Chess Classic: Mögen die Computer-Weltmeisterschaften im Chess960 unter den nahezu 20 Teilnehmern ohne Tricks und Schiebereien mit Bits und Bytes über die Bühne gehen - und möge der von Chesstiger Mark Vogelgesang organisierte Kino-Club im Rahmenprogramm der Chess Classic den Zuschauern einige Filme rund um das Thema "Schach" Phantasie und Unterhaltung vermitteln.

Der Film- und Vorführplan wird im Informations-Center im Foyer der Rheingoldhalle bekannt gegeben.

Gerhard Kenk

Published by Gerhard Kenk

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