Chess960 „Schach-Sponsoring ist ein Geschäft“ Interview: Wolfgang Grenke sieht Engagement bei den Chess Classic Mainz als lohnende Investition für seine Leasing AG
04.08.2005 - Keiner gibt in Deutschland mehr für den Schachsport aus als die Grenke Leasing AG. Die Baden-Badener Firma sieht für die rund eine Viertelmillion Euro an Sponsorengeldern pro Jahr einen konkreten Nutzen. Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Grenke unterstützt nach dem Bundesliga-Spitzenteam OSC Baden-Baden nun auch die Chess Classic Mainz. Der nationale Marktführer im Leasing-Bereich bis 25.000 Euro fungiert als neuer Titelsponsor der Schnellschach-WM zwischen Viswanathan Anand (Indien) und Herausforderer Alexander Grischuk (Russland). Hartmut Metz unterhielt sich mit Wolfgang Grenke über Schach-Sponsoring und erkundigte sich, welche Stars noch kommen müssen, damit der OSC Baden-Baden auch endlich Meister bei den Herren wird.
Frage: Herr Grenke,
kein deutsches Unternehmen steckt mehr Geld ins Schach als Ihre Grenke
Leasing AG. Gibt es, außer dass Sie selbst ein guter Vereinsspieler
sind, dafür weitere Gründe?
Strategische Verbindung:
Schach als Thema für den Geschäftsbericht
Grenke: Mit meiner
eigenen Vorliebe für das Schach hat das nur am Rande zu tun. Sponsoring
ist für Grenke Leasing ein Geschäft. Wir fördern Schach und erhalten im
Gegenzug die Unterstützung der Spieler für unser Marketing, wie etwa bei
der Gestaltung unserer Geschäftsberichte – und natürlich auch eine
zusätzliche Publizität.
Frage: Allein Ihr
Stammverein OSC Baden-Baden soll rund 200.000 Euro im Jahr erhalten.
Dazu kommen noch weitere Engagements wie für den an der französischen
Grenze beheimateten elsässischen Klub Bischwiller oder für das
baden-württembergische Schulschach und das Baden-Badener
Karpow-Schachzentrum. Amortisieren sich diese Summen überhaupt für die
Grenke Leasing AG?
Grenke: Der OSC und
das Karpow-Schachzentrum müssen zusammen mit weniger als 200.000 Euro
auskommen. Es ist richtig, dass unsere französische Tochtergesellschaft
zusätzlich die elsässischen Schachfreunde in Bischwiller unterstützt.
Investitionen ins Marketing sind zwar nur schwer zu rechnen, wir sind
aber nach wie vor davon überzeugt, dass sich das Sponsoring lohnt.
Frage: Erstmals
sind Sie auch bei den Chess Classic Mainz als Titelsponsor mit von der
Partie. Dank der Verbindung zum weltbesten Schachspieler, Viswanathan
Anand, der auch das Spitzenbrett beim OSC besetzt?
Grenke: Die
Chess Classic Mainz sind zweifellos eine sehr interessante
Schachveranstaltung und haben eine gute Resonanz in der
Öffentlichkeit. Unsere Unterstützung ist auf eine Initiative von
Organisator Hans-Walter Schmitt zurückzuführen, der den OSC bei
den Bundesligatreffen regelmäßig besucht.
Frage: Der Inder
wird diesmal in den acht Partien um die Schnellschach-WM, die Grenke
Leasing Championship, von Alexander Grischuk herausgefordert. Der Russe
gewann zwar zweimal das Ordix Open in Mainz – aber hat er gegen Ihren
Topmann eine Chance?
Grenke: Als neue
Nr. 1 der Weltrangliste und aufgrund seiner Schnellschach-Stärke ist
Vishy wohl favorisiert. Ich tippe auf ein 5:3.
Frage: In der
Rheingoldhalle finden sich zahllose Top-Großmeister, die Sie kennen und
mit denen Sie auch schon in Simultans die Klingen gekreuzt haben. Ich
denke etwa an die Legenden Anatoli Karpow und Viktor Kortschnoi. Der
80-jährige Wolfgang Unzicker war ebenso schon in Baden-Baden zu Gast.
Welches Ass hat Sie am meisten beeindruckt und inwiefern?
Grenke: Ohne andere
zurücksetzen zu wollen: Als ich Schach spielen lernte, war Wolfgang
Unzicker der beste deutsche Spieler. Seine Partien wurden natürlich alle
nachgespielt. Besonders beeindruckt hat mich, dass er stets auch
menschlich ein Vorbild war.
Frage: Würden Sie
einem Topspieler blind eine leitende Position bei Grenke Leasing
anvertrauen, wenn er das Metier wechseln wollte?
Grenke: Nein – gut
Schach zu spielen, reicht nicht aus. Außerdem sind die Schachspieler
menschlich doch zu unterschiedlich. Wir legen bei Grenke Leasing viel
Wert auf Teamfähigkeit, was beim Schachspiel selten trainiert wird.
Frage: In Mainz
spielt neben Anand auch Ihr zweiter Top-Ten-Großmeister, der noch nie
eine Partie bei OSC-Einsätzen verloren hat: Peter Swidler. Verteidigt
der Russe seinen Titel als Chess960-Weltmeister gegen den Ungarn Zoltan
Almasi?
Grenke: Peter
Swidler ist natürlich für den OSC sehr wichtig. Ich würde mich über
seine Titelverteidigung sehr freuen.
Frage: Sie haben
Ende der 70er Jahre die Möglichkeiten von Leasing erkannt und aus der
heimischen Stube heraus ein Unternehmen aufgebaut, das rund eine halbe
Milliarde Euro wert ist. Wie schätzen Sie als Firmenchef mit Weitblick
die Zukunftsaussichten von Chess960 ein, bei dem im Gegensatz zum
herkömmlichen Schach die Grundstellung der Figuren ausgelost wird?
Grenke: Dazu
verstehe ich zu wenig von Chess960. Allerdings habe ich mir sagen
lassen, dass bestimmte ausgeloste Stellungen sofort zu Nachteil führen.
Vielleicht sollte man diese Stellungen ausschließen, was zu größerer
Attraktivität führen könnte. Ich selbst werde aber dem traditionellen
Schach treu bleiben.
Guess who? Etienne Bacrot
Frage:
Nachdem die Baden-Badener Damenmannschaft seit ihrer Gründung vor
fünf Jahren kein einziges Spiel auf nationaler Ebene verloren hat
und dreimal in Folge deutscher Meister wurde, haben Sie dort den
Etat gekappt. Stattdessen wurde das Herrenteam mit dem
Top-Ten-Spieler Etienne Bacrot (Frankreich) und dem Dänen Peter
Heine Nielsen weiter aufgerüstet. Das sollte doch endlich für den
Titel reichen nach Platz drei in der vergangenen Saison.
Grenke: Zum Glück
für unseren Sport gibt es immer wieder Überraschungen. Auf dem Papier
hätte Bremen gegen Porz eigentlich nichts zu bestellen gehabt. Dennoch
gewannen die Bremer gleich zweimal. Aber natürlich hoffe ich, dass der
OSC besser abschneidet als im letzten Jahr.
Frage: Und wenn’s
wieder nicht klappt? Topalow, Leko, Iwantschuk und Kramnik spielen
bisher nicht in der Bundesliga …
Grenke: Da zieht
das Budget dem Verein Grenzen. Zudem: Zwar ist Schach kein
Mannschaftssport im eigentlichen Sinne, das Team sollte dennoch homogen
sein. Nicht alle guten Spieler passen in eine Mannschaft.