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Jussupow: Ich spiele Chess960, weil ich wieder Schach spielen möchte...
03.08.2005 - Wenig andere aktive Schachspieler können auf eine solch breite theoretische, publizistische und aktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Schachspiels verweisen, als es GM Artur Jussupow kann. Als Aktiver gewann er letztes Jahr die Deutsche Einzel-Schachmeisterschaft, als Autor verfasste er das Standardwerk "Die russische Verteidigung" und als "Schachprofessor" unterrichtet er ambitionierte Spieler in Brissago (Schweiz) und in Deutschland. Woher kommt nun seine Vorliebe für Chess960?

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Artur Jussupow hat fast alles erlebt, was im Wettkampfschach an der Tagesordnung ist. Glanzvolle Siege, verblüffende Niederlagen, Erfolge mit der deutschen Nationalmannschaft und Triumphe als Einzelspieler.

Viele Jahre gehörte Artur Jussupow als Juniorenweltmeister von 1977 zur Weltspitze im Schach. Zehn Jahre nach dem Gewinn der Juniorenweltmeisterschaft erreichte 1987 ein anderer Jung-Star diese Auszeichnung, als der Inder Vishy Anand den Titel holte.

GM Artur Jussupow und Sohn Alexander (2004)
Foto: Gerhard Kenk

Jussupow war in den 1990er Jahren ein heißer Anwärter für die WM-Kandidaten-Qualifikation (damals wurden von der FIDE noch regelmässig und geordnet Ausscheidungskämpfe zur Qualifikation des WM-Herausforderers organisiert). Im Jahre 1991 traf er in Brüssel im WM-Kandidaten-Viertelfinale auf den Ukrainer Wassili Iwantschuk. Der Zweikampf musste in einer Tiebreak-Partie mit 60 Minuten Bedenkzeit entschieden werden. In dieser Partie spielte Iwantschuk am Damenflügel konsequent auf Angriff und damit auf Sieg. Doch nach dem 22. Zug von Weiss zog Schwarz seine Dame auf h5 - in den blauen Augen von GM Artur Jussupow blitzte der Killer-Instinkt des russischen Bären auf. Wie dieses Match ausging? Spielen Sie >>>hier diese denkwürdige Partie nach.

Doch Abseits vom Schachbrett nahmen Artur Jussupows Leben und Schachkarriere einen dramatischen Verlauf: Als Jussupow 1990 bei einem Raubüberfall in seiner Moskauer Wohnung niedergeschossen wurde, trat er nach seiner Genesung den Weg in den Westen an. 1991 kam er im Rahmen eines Engagements bei Bayern München nach Deutschland und machte sich daraufhin in Süddeutschland seßhaft.

Er spielte in der Deutschen Nationalmannschaft und in der Schach-Bundesliga für die SG 1868 Aljechin Solingen, seine Frau Nadia im heimischen SK Krumbach (Bezirk Mittelschwaben). Auch die Kinder Alexander und Ekaterina treten in die Fußstapfen des berühmten Vaters und spielten zuletzt bei den Chess Classic Mainz 2004 mit, wo die damals 13-jährige Ekaterina wie schon im Vorjahr einen Jugendpreis gewann. Neben seiner aktiven Wettkampftätigkeit gilt Jussupow als einer der wichtigsten deutschsprachigen Schach-Pädagogen und er veranstaltet regelmässig Schachseminare. Sein Buch über die Russische Verteidigung gilt mittlerweile als Klassiker für diese Eröffnung, zuletzt sind seine Kommentare des Weltmeisterschafts-Kampfes zwischen Kramnik und Leko in Brissago 2004 auf englisch erschienen: "Kramnik vs Leko. World Chess Championship 2004 Centro Dannemann".

So ist es kein Wunder, daß Jussupow zu den Wurzeln des Schachspiels zurückkehren möchte - und Chess960 verschafft ihm die Gelegenheit, die ursprünglichen Fähigkeiten des Schachspielers - analysieren, kombinieren, taktieren, spielen, einzusetzen. Dann kann er darauf verzichten, schon vom ersten Zug an die gängigen Varianten der verästelten Eröffnungstheorie aus dem Gedächtnis herunterzuspulen.

Besondere Freude macht es ihm auch, bei Simultan-Veranstaltungen nach den Chess960-Regeln anzutreten. Dann ist er in seinem Element. „Und bei Chess960 denke ich einfach länger nach als bei normalem Schach. Da haben Laien dann so gut wie gar keine Chance.“

"Weil jede Position völlig neu und ungewöhnlich ist, denke ich intensiver über meinen nächsten Zug nach - dabei hat der Chess960-Spieler (lächelnd) vielleicht schlechtere Chancen."

Gerhard Kenk

Published by Gerhard Kenk

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