20.07.2005 - Ich spiele gerne Chess960, weil ich dabei am liebsten auf Bobby Fischer als Gegner treffen möchte. In einem Interview mit Hartmut Metz äußerte sich Ex-Weltmeister Anatoly Karpov über Fragen des Weltschachs, der FIDE und den besonderen Reiz von Chess960.
Anatoly Karpov Foto: Joara Chaves
Frage: Sie waren sogar enttäuscht, als Sie von
Chess-Classic-Organisator Hans-Walter Schmitt hörten, dass bei der
Unzicker-Gala kein Chess960, sondern normales Schach ohne
Auslosung der Grundstellung gespielt wird. Klappt es vielleicht
mit einem Match im Chess960 gegen Fischer, das der Amerikaner
entwickelte?
Karpov: Ich würde gerne mit Fischer Chess960 spielen. Für
diese Art von Schach muss man sich nicht ewig vorbereiten, weil es
keine Eröffnungstheorie gibt. Am wichtigsten ist es, in guter
Verfassung zu sein und einen klaren Kopf zu haben. Dann kann man
Chess960 spielen und Fischer dabei schlagen! Dass sich ein Match
mit Fischer ergibt, bezweifele ich indes. Es käme wohl nur zu
Stande, wenn Fischer dringend Geld bräuchte.
Über Anatoly Karpov
Karpov gewann die Jugendweltmeisterschaft 1969 und
qualifizierte sich danach in mehreren Wettkämpfen als
Herausforderer des WeltmeistersBobby Fischer. Als dieser zur
Titelverteidigung 1975 nicht antrat, gewann Karpov den
Weltmeistertitel kampflos.
Bobby Fischer
Anatoly Karpov
In den folgenden Jahren spielte er sehr viele Turniere,
um seinen Anspruch als bester Schachspieler der Welt zu
untermauern. Seinen Titel verteidigte er zweimal (1978 und 1981)
erfolgreich gegen Wiktor Lwowotsch Kortschnoi. Diese
Wettkämpfe fanden in einer sehr angespannten Atmosphäre statt, da
Karpov als linientreuer Vertreter der Sowjetunion galt,
während Kortschnoi als Dissident in den Westen emigriert
war.
1985 verlor Karpov seinen Titel an Garri Kasparov und konnte
ihn auch in drei späteren Wettkämpfen nicht zurückerobern. Erst
als Kasparov mit der Weltschachorganisation FIDE brach und
als Weltmeister disqualifiziert wurde, konnte Karpov 1993 den
Weltmeistertitel zurückerobern und behielt ihn bis 1999. Von 1985
bis Mitte der1990er war Karpov die unangefochtene Nummer
zwei im Schach. Er gilt als einer der besten Positionsspieler
aller Zeiten. Den Schach-Oscar als bester Spieler eines Jahres
gewann er insgesamt neun Mal.
Aktuell (Juli 2005) belegt er mit einer Elo-Zahl von 2672
den 31. Platz der Weltrangliste.
Karpov schrieb mehrere Schachbücher, die auch ins Deutsche
übersetzt wurden, unter anderem Meine besten Partien (1997,
ISBN 3-86155-074-1) und Karpovs Schachschule (2002,
ISBN 3-88805-289-0).
In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Philatelie und baute
eine bedeutende Sammlung auf.