Chess960 GM Svidler: Ich spiele Chess960, weil....
08.07.2005 - "Ich spiele Chess960, weil es mir erlaubt, meine Fähigkeiten besser zur Geltung zu bringen. Ich habe immer komplexe Spiele bevorzugt, die Imagination verlangen, und Chess960 ist perfekt dafür geeignet. Ich freue mich das ganze Jahr auf meine Teilnahme an den Chess Classic und natürlich auf meine Titelverteidigung als Weltmeister in Chess960" (Foto von Carla Amse).
GM Peter Svidler ist der Gewinner der Russischen Schachmeisterschaft
2003.
Peter Svidler, der derzeitige Weltmeister im Chess960,
verteidigt seinen Titel zum zweitenmal hintereinander - diesmal
gegen Zoltan Almasi.
Der Ungar Almasi qualifizierte sich als Herausforderer von
Svidler, weil er das letztjährige FiNet-Open Turnier gewann,
welches derzeit das grösste und am besten besetzte Chess960
Schnellschach Open Turnier ist. Dieses Turnier wird jährlich im
Rahmen der Chess Classic Mainz veranstaltet.
Der 29jährige Zoltan Almasi belegt derzeit den Ranglistenplatz
Nr. 4 in Ungarn, welches die viertstärkste Schach-Nation der Welt
ist, dort spielen bekannte Großmeister wie Peter Leko oder Judit
Polgar in der Nationalmannschaft des Landes. Sowohl Polgar als
auch Leko haben regelmässig bei den Chess Classic Mainz gespielt.
Peter Svidler, der kürzlich am 17. Juni seinen 29. Geburtstag
feierte, ist zurzeit die Nummer 7 in der FIDE TOP-10
Weltrangliste. Seine gegenwärtige Spielstärke von 2738 ELO Punkten
ist nur knapp unter seiner persönlichen Allzeit-Bestmarkte von
2747, die er im Januar 2004 erreichte. Peter Svidler spielt im
Bundesliga-Team des OSC Baden-Baden.
Peter Svidler: FIDE Rating seit Januar
2000
Zeitraum
ELO Rating
+ / -
Jan00
2672
Jul00
2689
17
Oct00
2695
6
Jan01
2695
0
Apr01
2695
0
Jul01
2695
0
Oct01
2686
-9
Jan02
2688
2
Apr02
2688
0
Jul02
2690
2
Oct02
2690
0
Jan03
2693
3
Apr03
2713
20
Jul03
2723
10
Oct03
2723
0
Jan04
2747
24
Apr04
2733
-14
Jul04
2727
-6
Oct04
2735
8
Jan05
2735
0
Apr05
2725
-10
Jul05
2738
13
Peter Svidler (Пётр Свидлер)
wurde am 17. Juni 1976 in St. Petersburg (Russland) geboren. Er
erlernte das Schachspiel im Alter von 6 Jahren. 1994 wurde er
Großmeister und ist derzeit vierfacher Russischer Meister. Im Jahr
2001 erreichte er das Halbfinale der FIDE Weltmeisterschaft.
Eines der ersten Chess960 Turniere wurde in Jugoslawien im
Frühling 1996 veranstaltet, welches von Großmeister Peter Leko
gewonnen wurde. Im Jahr 2001 wurde Leko Chess960 Weltmeister, als
er gegen GM Michael Adams in einem Match über 8 Runden bei den
Chess Classic Mainz gewann. Im Januar 2001 waren beide Spieler
unter den TOP 5 der Weltrangliste im klassischen Schach. Leko
wurde zum Ausscheidungskampf um den
Chess960-Weltmeisterschaftstitel eingeladen, weil er viele
Neuigkeiten in der Schach-Theorie eingeführt hatte und weil er
auch das vorangegangene Turnier gewonnen hatte. Darüber hinaus war
Peter Leko ein Chess960-Spieler der ersten Stunde, denn er spielte
einige Chess960 (oder Fischer Random Chess) Partien gegen
Ex-Weltmeister Bobby Fischer, der als Erfinder von Chess960 gilt.
Adams wurde zum Titelkampf eingeladen weil er die Nummer 1 der
Welt im Blitz-Schach (Rapid-Schach) war und als ausserordentlich
starker Spieler in ungewohnten Positionen gilt. Leko gewann das
Match ganz knapp mit 4.5 zu 3.5 Punkten.
Bei dem Chess960 Turnier in Mainz im Jahre 2002 nahmen 131
Spieler teil. Dieses Turnier wurde von Peter Svidler gewonnen. Im
darauf folgenden Jahr schlug Svidler den Titelverteidiger Peter
Leko in einem 8-Runden-Match mit 4.5 zu 3.5 Punkten. Dieses Open
Chess960-Turnier wurde von 179 Spielern, 50 davon Großmeistern,
bestritten. Als Sieger ging Levon Aronian hervor, der im jahre
2002 den Junioren-Weltmeister-Titel gewinnen konnten. Aronian
forderte Peter Svidler bei den Mainz Chess Classic 2004 im
Weltmeisterschafts-Match heraus, doch Peter Svidler konnte seinen
Titel zum zweiten Mal verteidigen.
Zu den Höhepunkten in Peter Svidlers Schachkarriere zählen
FIDE Weltmeisterschaft:
Halbfinalist 2001.
Russischer Meister: 1994,
95, 97 & 2003
Sieger der
Schach-Olympiade: 1994,
96, 98, 2000 & 2002
Silber-Medaillist bei
der 36. Schach-Olympiade 2004
Co-Sieger in Tilburg
1997 und Dortmund 1998
In einem Interview mit Hartmut Metz äusserte sich Svidler zur
Frage, ober er im klassischen Schach auch von den Erfahrungen in
Chess960 profitieren könne: "Bisher habe ich noch nicht genügend
Chess960-Partien gespielt, um zu einer entgültigen
Schlussfolgerung zu gelangen. Aber Chess960 kann sicherlich
helfen, eine bessere Intuition und taktische Aufmerksamkeit zu
entwickeln - denn beim Chess960 kann man sich nicht allzu sehr auf
Eröffnungswissen stützen und muß in jedem Spiel improvisieren.
Vom Schach und vom Leben des Peter Svidler
Peter Svidler und seine Frau Olga in Monaco 2005
Peter Svidler wurde stolzer Papa von Zwillingen.
Zwei Baby-Chesstigers erinnern an diesen glücklichen Moment.
Verteidigung: Peter Svidler als Torwart in einem
Hobby-Hallenfussball-Spiel mit anderen Schach-Spielern in Russland.
Peter Leko (rechts) erläuterte die besonderen
Variationen ihres Chess960-Weltmeisterschaftsmatches im Rahmen der
Pressekonferenz der Chess Classic Mainz.
Schaut her, Ich bin der Champion
Ich hab's wieder geschafft - Peter Svidler
verteidigte seinen Chess960-Weltmeisterschaftstitel gegen Levon
Aronian (links).
Chess960 Weltmeister Svidler trifft auf den
Herausforderer Zoltan Almasi (rechts)