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Est! Est! Est! - Simply the Best....
19.04.2005 - Zu allen Zeiten sehnte sich die Menschheit nach Klarheit und dem Wissen um den ein und alles überragenden Besten. In der Märchenwelt haben die Gebrüder Grimm in ihrem "Schneewittchen" den Maßstab auf die kurze und prägnante Formel gebracht: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" Und auch die Schach-Profis suchen nach dem Besten.
 

Vernaccia di San Gimignano
DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) für trockenen Weißwein in der italienischen Region Toskana. Die Zone umfasst die guten Hügellagen nicht über 500 Meter Seehöhe in der Gemeinde San Gimignano in der Provinz Siena.

Sie erhielt als erste in Italien im Jahre 1966 die DOC-Klassifikation und wurde im Jahre 1983 zur DOCG erhoben. Hier werden schon seit dem 13. Jahrhundert Weißweine gekeltert. Ein Vernaccia-Weißwein war auch der Lieblingswein des berühmten Malers und Bildhauers Michelangelo Buonarroti (1475-1564). Von ihm ist folgender Ausspruch aus dem Jahre 1543 schriftlich verbürgt: Er küsst, schmeichelt, beißt und schmeißt! Der Wein wird aus einer speziellen und nur hier kultivierten Varietät der Rebsorte Vernaccia – der Vernaccia di San Gimignano (90-100%) - sowie andern zugelassenen weißen Sorten (bis 10%) gekeltert und hat einen Alkohol-Gehalt von zumindest 11% vol. Mit 14 Monaten Alterung und weiteren vier Monaten Flaschen-Reifung darf er sich Riserva nennen. Rot- und Roséweine aus diesem Bereich sind als DOC San Gimignano klassifiziert.

 
 
 
 

Auch Papst Martin IV hatte sich diesem Auswahl-Kriterium (Das Beste ist gerade gut genug für mich) unterworfen, als er seine Lieblingspeise, Bolsena-Aal mariniert in Weißwein verzehrte.

Diese päpstliche Essgewohnheit war über die Grenzen des Vatikans bekannt und fand schon in Dante Alighieri's "Göttliche Kommödie", der Trilogie über Hölle, Fegefeuer und Paradies, im Kapitel über das Fasten Einklang in die Weltliteratur:

"Der hier ist der Lucchese Bunagiunta; jenseits das Antlitz, abgezehrter als die andren, die heil'ge Kirche hielt's in seinen Armen. Er war von Tours und büßt hier durch Entbehren den edlen Wein und die Bolsener Aale".

Der edle Wein war "est! est!! est!!!", ein Vernaccia di San Gimignano. Der eigenwillige Name geht auf den Mundschenk des Bischofs Giovanni Defuk zurück, der im Jahre 1110 Heinrich V. auf dessen Weg nach Rom begleitete.

Der Mundschenk war der Vorkoster und benachrichtigte den Bischof, der ihm im Abstand von einigen Tagen folgte, mit einem einfachen Hinweis! Wenn er einen ausgezeichneten Wein gefunden hatte ließ er er das lateinische Verb est! (ist) an die Tür des Gasthauses schreiben.

Seither gilt der Weißwein Est! Est! Est! nicht nur in der historischen Überlieferung, sondern auch in den Regalen der Weinhändler und Enotecas als ein Qualitäts-Produkt, einfach als der Beste seiner Art.

Auch die Wissenschaften sind immer auf der Suche nach ihren Besten.  So kann die ehrwürdige Stiftung von Alfred Nobel auf die Rituale der Preis-Träger-Verleihung nicht verzichten: Alljährlich werden in Stockholm nach fest eingefahrenem Zeremoniell die Besten der Wissenschaften gekürt.

Nipplegate: Halbzeitunterhaltung bei der Super Bowl

Etwas lockerer geht es bei bei den Fernsehübertragungen der "Super Bowl", der ur-amerikanischen Suche nach dem besten Football-Team der Saison zu. In der letzten Show entglitt die Nabelschau zum Spektakel des "Nippelgate", als der Sänger Justin Timberlake seiner Duett-Partnerin Janet Jackson an die Wäsche ging. Später entschuldigte er diesen Fehlgriff und bezeichnete es als eine "Fehlfunktion der Bühnengarderobe". Diese Ausrede schaffte es alsbald in alle Gazetten der Regenbogenpresse und sorgte bei den TV-Verantwortlichen für Aufregung - denn von nun an werden sie die Live-Übertragungen um einige Sekunden verzögern, damit wachsame Zensoren noch rechtzeitig eingreifen können.

Von solchen Risiken ist die eher introvertierte Szene der Schach-Profis noch weit entfernt, falls sich nicht einige der attraktiven weiblichen Grossmeister jenseits der 64 Felder gekonnt in Szene setzen wollen. Und von der Chuzpe, der Dreistigkeit eines Justin Timberlake, könnten auch fehlgreifende Großmeister lernen, wenn sie einmal mehr eine entscheidende Partie - wie neulich beim Bundesliga-Final-Kampf geschehen - vergeigen. Dann brauchen sie nicht lange entgeistert auf und ab zu tigern, sondern können einfach von einer "Fehlfunktion der Ausrüstungsgegenstände" sprechen, die zum Fehlgriff und zur unerwarteten Niederlage führten. Schon der große Aron Nimzowitsch wusste darum und postulierte seine Grundregel "Die Figuren sind dankbar, wenn sie auf das richtige Feld gestellt werden".

In der Schachwelt hat sich ebenfalls der Gedanke eines Oscar-Preisträgers breit gemacht und so wählen internationale Grossmeister alljährlich ihren "Besten" unter den Schachspielern. Das russische Schach-Magazin "64" und sein Chefredakteur Alexander  Roshal führen die alljährliche Wahl des "Schach-Oscars" durch. Diese internationale Auszeichnung wird an den besten Schachspieler des vergangenen Jahres verliehen. Die Wahl fand nun zum 10. Mal statt. 445 Schach-Experten, darunter 74 Großmeister,  aus 75 Ländern haben ihr Votum abgegeben.

Der indische Großmeister Viswanathan Anand, der insgesamt 5205 Punkte auf sich vereinigen konnte, gewann den Schach-Oscar. Der "Tiger von Madras" erreichte eine einzigartige Sammlung von ersten Plätzen bei den Spitzen-Turnieren der Schachsaison.

 

Attacke! Anand (links) - Shirov (rechts)

Anand hat diese Trophäe zum zweiten Mal in Folge gewonnen, zuvor war er im Jahre 1997 und 1998 siegreich. Auf dem zweiten Platz landete Garry Kasparow, gefolgt von Peter Leko. Die Liste der Kandidaten für den Schach-Oscar umfasste 69 Namen, darunter waren fünf Frauen: die Frauen-Weltmeisterin Antoaneta Stefanova, die Europäische Frauen-Meisterin Alexandra Kosteniuk, Judit und Susan Polgar sowie Almira Skripchenko.

Noch ist unklar, bei welcher publikumsträchtigen Veranstaltung der diesjährige Schach-Oscar an den indischen Superstar Anand übergeben werden soll.

 

Alexander Roshal und Alexandra Kosteniuk
Foto: Pufichek

Hans-Walter Schmitt, Organisator der Chess Classic Mainz 2005 und Gastgeber der Schach-Weltelite, hält sich momentan noch bedeckt, ob eine Preisübergabe durch den Chef-Redakteur Alexander Roshal geplant ist.

Unklar ist auch, ob der Chef-Sommelier des gastgebenden Hilton-Hotels  einen "Vernaggio di San Gimiano Est! Est! Est!" oder einen Champagner von Moet & Chandon zur Siegesfeier kredenzen wird.

Gerhard Kenk

Published by Gerhard Kenk

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