Universität Mit Tigersprung zur erfolgreichen Schachkarriere Artur Jussupow präsentiert: Das perfekte Trainingsmaterial für Jedermann
08.06.2009 - Seit fast 30 Jahren zählt Großmeister Artur Jussupow zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Weltschachs. Kaum ein Schachspieler, der den Namen des Deutschen mit russischen Wurzeln nicht kennt und nicht schon längst das eine oder andere Buch von ihm im Regal stehen hat. Einst selbst ein Weltklassespieler hat sich Jussupow im Besonderen durch seine Trainertätigkeiten einen weltweiten Ruf erarbeitet. Die Besten der Besten haben sich seines unglaublich tiefen Schachwissens bedient, allen voran der amtierende Weltmeister Viswanathan Anand höchstpersönlich. Mehrfach berief ihn der Inder in sein Sekundantenteam nachdem er 1994 im Halbfinale des WM-Zyklus selbst nur mit großer Mühe gegen ihn bestehen konnte. “Ich bin heute noch sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit und das von Artur für mich Geleistete.“, kann man im Vorwort des Weltmeisters in Jussupows Buch „Tigersprung auf DWZ 1500“ lesen. Exklusiv für die Chess Tigers gab einer der besten Trainer Deutschlands ein Interview und stellte zugleich seine Schachbuchreihe „Tigersprung“ vor.
10 Fragen an GM Artur Jussupow
Über seine Karriere, das aktuelle Geschehen im Weltschach und WM Anand, die Chess Tigers und seine Tätigkeiten als Trainer und Schachbuchautor
Mike Rosa: Sie sind 49 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Die ganze Familie spielt und liebt Schach und sie selbst sind sogar Profi und Trainer. Wie muss man sich da einen Familienabend bei den Jussupows vorstellen? Erst eine Trainingseinheit vom Vater und danach ein Blitzturnier, welches darüber entscheidet, wer den Abwasch machen muss?
Artur Jussupow: (lacht) Nein, so schlimm ist die Lage bei uns nicht! Zwar reden wir viel über Schach, wir haben aber durchaus auch andere Interessen. Zudem hat bei den Kindern die Schule Priorität.
MR: Sind Sie daheim ein strenger Schachlehrer, der unbedingt möchte, dass ihm seine Kinder ins Profischach folgen?
AJ: Eigentlich haben meine Kinder andere Zukunftspläne und das finde ich sehr gut. Schachprofi ist auch heute noch kein besonders guter Beruf. Ich würde mich allerdings sehr freuen, wenn meine Kinder auch weiter Schach als schönes Hobby betreiben würden.
MR: Nach einem Überfall in ihrer Moskauer Wohnung im Jahr 1990, bei welchem Sie schwer verletzt wurden, verließen Sie ihre Heimat Russland und leben seitdem in Deutschland, dessen Staatsbürgerschaft sie kurz darauf annahmen und dessen Farben Sie mehrfach bei internationalen Veranstaltungen erfolgreich vertraten. Aus heutiger Sicht, würden Sie sich wieder so entscheiden und war es schwer, sich an eine neue Heimat zu gewöhnen?
AJ: Ich und meine Familie fühlen uns sehr wohl in Deutschland. Meine beiden Kinder, Ekaterina und Alexander, sind hier geboren. Ich bin sehr dankbar, dass ich im Leben praktisch eine zweite Chance erhalten habe. Dabei eine neue Sprache zu lernen und eine große Kultur zu entdecken, war sehr reizvoll. Ich mag zudem das Reisen und habe schon viele schöne Städte in Deutschland besucht und nebenbei auch viele „kleinere“ Schätze gefunden.
Das Verhältnis zu meinen Schachkollegen in Deutschland war immer sehr gut. Besonders in den Anfangszeiten habe ich sehr viel Unterstützung erhalten. Daher war die Integration in die Gesellschaft für mich und meine Familie nicht sehr schwierig. Mit meiner Trainerarbeit in Deutschland sowie der „Tigersprung“-Reihe und dem Programm mit den Chess Tigers will ich meine Schacherfahrung aus der russischen Schachschule mit meinen deutschen Schülern teilen und mich so auch für die Unterstützung bedanken.
Ich finde es sehr wichtig, dass ich und meine Frau Nadja rasch die deutsche Sprache erlernt haben und eine aktive Position in der Gesellschaft einnehmen. Wir unterrichten viel und organisieren viele verschiedene Schachveranstaltungen. Dabei verbessern wir beständig auch unsere Sprachkenntnisse. Ich muss zugeben, dass unsere Umsiedlung nach Deutschland vielleicht einer der beste Züge meiner Karriere war.
MR: 30 Jahre Profischach – damit zählen Sie zu den erfahrensten Meisterspielern, die selbst noch aktiv sind. Sie haben zahlreiche Turniere und Titel gewonnen, waren mehrfach kurz davor, sogar um den WM-Titel zu spielen und werden bis heute von ihren Gegnern für Ihr immenses Schachwissen gefürchtet und bewundert. Was war für Sie persönlich der größte Erfolg?
AJ: Es ist sehr schwer, ein Turnier oder Match hervorzuheben. Bestimmt aber war mein Kampf gegen Jan Timman 1986 in Tilburg für meine Schachkarriere ganz wichtig. Wahrscheinlich habe ich dort auch mein bestes Schach geboten. (Anmerkung der Redaktion: Jussupow besiegte den Niederländer damals mit 6:3 (+4, -1, =4).
MR: Der Weltmeistertitel blieb Ihnen versagt, doch der amtierende Weltmeister Anand bat Sie mehrfach in sein Sekundantenteam, um von Ihrem Wissen zu profitieren. Geben Sie uns und den Lesern einen kleinen Eindruck, wie man sich das vorstellen kann! Was muss ein Sekundant für einen WM-Kandidaten leisten?
AJ: Die Aufgabe eines Sekundanten besteht darin, dass er für den „Boss“ viele verschiedene „Waffen“ vorbereiten muss. Man arbeitet heute sehr viel mit Computern und kann viele Varianten sehr weit ausanalysieren. Dennoch, der Kampf wird nicht zuhause, sondern am Brett entschieden! Dafür zu sorgen, dass der „Boss“ einfach gute Laune hat und gut Schach spielt, ist vielleicht eine der wichtigsten Aufgaben eines Sekundanten.
Jussupow - Anand, 1. Bundesliga 2006
MR: Sie waren selbst hautnah bei der letzten Weltmeisterschaft zwischen Anand und Kramnik in Bonn dabei und haben mit Dr. Helmut Pfleger und Klaus Bischoff die laufenden Partien für die Zuschauer vor Ort und im Internet kommentiert. Hat Sie die Art und Weise, wie Anand seinen Titel verteidigte, überrascht? Was war für Sie der Schlüssel zu Vishys Erfolg?
AJ: Wir haben in Bonn wahrscheinlich den besten Anand alle Zeiten gesehen. Er hat sich sehr klug auf die WM vorbereitet und konnte in fast allen Partien seinen Willen durchsetzen. Er hat in den meisten Partien Stellungen auf das Brett bekommen, die er gut und gerne spielt. Er war sehr konzentriert und verlor nur gegen Ende des Kampfes für einen kurze Moment den Fokus. Anand hat eine sehr gute Mannschaft um sich geschart. Natürlich haben auch seine Frau Aruna sowie einige enge Freunde wie Hans-Walter Schmitt und Frederic Friedel ihn noch zusätzlich motiviert und stark gemacht. Ich freue mich über Vishys Sieg, aber noch mehr über die Art und Weise seines Spiels.
Artur Jussupow in seinem Element bei der Weltmeisterschaft in Bonn
MR: Der Weltschachverband tut sich nach wie vor schwer, ein WM-System auf die Beine zu stellen und es dann auch durchzuziehen. Selbst das Stattfinden des nächsten WM-Matches zwischen Anand und Topalov ist noch lange nicht gesichert. Wie sehen Sie die aktuelle Situation bei der FIDE und im Weltschach? Was müsste sich ändern, um auch attraktiver für Sponsoren zu werden?
AJ: Leider bin ich, was die FIDE betrifft, ein Pessimist. Ich habe mir schon vor Jahren gewünscht, dass die FIDE eine demokratische Organisation wird, aber leider sind wir von diesem Ideal noch sehr weit entfernt. Die FIDE ist keine private Firma sondern ein Weltverband. Daher müsste sie mehr auf die Schachwelt hören und ihr dienen, statt nur zu regieren.
MR: Zurück zu Ihren eigenen Tätigkeiten rund ums Schach. Sie spielen zwar selbst noch aktiv, doch hauptsächlich sind Sie heute Schachtrainer und Buchautor. Dazu gründeten Sie beispielsweise auch die „Jussupow Schachakademie“ und wurden das Aushängeschild der Chess Tigers Universität. Wie kam es zu der Leidenschaft, andere Schachspieler zu trainieren?
AJ: Ich verdanke sehr viel meinem Schachtrainer und Schachmentor Mark Dvoretsky. Ohne Mark hätte ich es nie so weit geschafft. Er ist für mich der beste Trainer der Welt und damit natürlich mein Vorbild. Ich versuche lediglich, alles was ich von ihm gelernt habe, weiterzuentwickeln. Dazu verfüge ich über große Erfahrung als Spieler und nutze das auch für mein Training. Ich glaube auch, dass ich die nötigen Charakterzüge für die Trainertätigkeit habe und kann sehr gut für andere arbeiten und dabei nicht nur an die eigenen Interessen denken.
MR: Was zeichnet einen guten Trainer aus und wie erkennt man ein Talent?
AJ: Ein guter Trainer sollte seinen Schüler verstehen, seine Stärken weiterentwickeln und seine Schwächen minimieren.
Wie erkennt man ein Schachtalent? Geben Sie dem Kind eine Aufgabe und schauen Sie ihm in die Augen. Wenn sie leuchten, dann hat das Kind Talent!
MR: Nachdem Sie vier Jahrgänge an hochwertigen Schachlektionen für die Chess Tigers Universität erstellt hatten, die sich ungebrochener Beliebtheit erfreuen, haben Sie begonnen, daraus Lehrbücher zu verfassen. Erschienen sind bisher „Tigersprung auf DWZ 1500 Band I und II“, „Tigersprung auf DWZ 1800 Band I“ und „Tigersprung auf DWZ 2100 Band I“. Was ist das Besondere an diesen Büchern und wann erscheint der nächste Band?
AJ: Die Schachlektionen der Chess Tigers Universität sind eine ausgezeichnete Basis für jeden Lernwilligen. Für die Bücher musste ich natürlich Einiges überarbeiten. Es sollte ja keine Kopie der Lektionen in Buchform entstehen, sondern eine Weiterentwicklung. Besonders bei den Lösungen der vielen Aufgaben fügte ich beispielsweise mehr Erklärungen hinzu. Das Feedback meiner vielen Schüler war dabei sehr hilfreich. Ich ergänzte Varianten und Bewertungen und habe so dieses Lernprogramm noch ein bisschen verbessert und weiterentwickelt. Auch ein System zur Überprüfung des Gelernten habe ich eingeführt. Für gelöste Aufgaben erhält man Punkte und sieht so am Ende genauer, ob man alles richtig verstanden hat oder sich das Thema nochmals vornehmen sollte.
Das Ziel ist, eine Buchreihe zu schaffen, die es den Lesern ermöglicht, selbständig die notwendigen Basiskenntnisse zu erwerben und ihre Spielstärke zu verbessern. Doch auch andere Schachtrainer arbeiten gerne sowohl mit den Chess Tigers-Lektionen als auch den Tigersprung-Büchern, da sie dort praktisch fertige Unterrichtseinheiten in Händen halten. Die Tigersprung-Reihe ist noch nicht abgeschlossen. Augenblicklich arbeite ich am „Tigersprung auf DWZ 1800 Band II“. Das Buch wollen wir im August dieses Jahres auf den Markt bringen.
Vielen Dank für das Gespräch
Das Interview führte Mike Rosa
Von der Universität ins Buch zum perfekten Lehrmaterial
Als der Vorsitzende der Chess Tigers, Hans-Walter Schmitt, mir mitteilte, dass es ihm gelungen sei, den vielleicht besten Schachtrainer unseres Landes, Großmeister Artur Jussupow, für das Projekt "Chess Tigers Universität" zu gewinnen und mich zugleich fragte, ob ich mir vorstellen könne, mit ihm zusammenzuarbeiten, zögerte ich kurz. War ich mit meiner 2100er-Rating überhaupt geeignet, mit dieser Koryphäe ein hochwertiges Trainigsmaterial zu erstellen? Als ich dann erfuhr, dass es sich um Material handeln sollte, welches für Amateur-Spieler mit einer DWZ von 0 bis 2100 gedacht ist, waren alle Zweifel wie weggeblasen. Das war doch haargenau meine Kragenweite und zudem bekam ich das ganze Material auch noch auf dem Silbertablett serviert. Und so spielte ich den vielleicht besten Zug meiner Karriere und machte mich ans Werk, das einmalige Wissen von Artur Jussupow in das Format zu bringen, wie es heute viele zufriedene Studenten der Chess Tigers Universität nutzen.
Aus der äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit mit Artur Jussupow, Klaus Bischoff, Timo Schönhof, Thomas Michalzcak, Babak Sohraby und meiner Wenigkeit sind bis heute exakt 22 Schachkurse in vier Jahrgängen für den völligen Anfänger bis zum ambitionierten Vereinsspieler bis DWZ 2100 sowie 7 weltweit einmalige Chess960-Kurse hervorgegangen. Nachdem sich diese Lektionen immer größer werdender Beliebtheit erfreuten, gelangte Artur Jussupow auf vielfachen Wunsch seiner Schüler zu dem Entschluss, dass dieses hochwertige Trainingsmaterial unbedingt auch in Buchform angeboten werden müsse und so entstand die Tigersprung-Reihe. Lektion für Lektion nimmt der Meister sein Wissen nochmals in die Hände, und überarbeitet es so lange, bis es druckreif und fertig zum Binden ist. Dieser Prozess dauert bis heute an, denn Jussupow will seine Chess Tigers-Lektionen natürlich nicht einfach kopieren. Mehr Erklärungen, aktuellere Beispiele und Aufgaben und ein Punktesystem, mit welchem sich jeder leicht selbst testen kann, machen seine Bücher zur perfekten Ergänzung beziehungsweise Basis seiner Lektionen.
Ein Traum beispielsweise für jeden Jugendtrainer. Jetzt hat er, wie es sich für eine ordentliche Schule gehört, sowohl Übungsmaterial, welches er sich jederzeit und in beliebiger Anzahl ausdrucken kann und dazu dann sogar die exakt passenden Lehrbücher. Wie oft fragen Eltern nach geeigneten Büchern und wie oft erhalten diese dann Tipps wie Nimzowitschs "Mein System" oder gar Dvoretskys "Endspieluniversität". Da können Sie einem Fahrschüler zur ersten Fahrstunde auch gleich in einen Formel 1-Flitzer setzen und sagen: "Gib Gas!" Der Crash wäre vorprogrammiert. So allerdings kann das komplette Programm der Jussupow Schachakademie in Zusammenarbeit mit den Chess Tigers schon bald die Trainingsarbeit in jedem Verein, der seinen jungen aber auch alten Mitgliedern kostengünstig anspruchsvolles Lehrmaterial zur Verfügung stellen möchte, enorm erleichtern. Und das Schöne ist, das Material wird ja nie schlecht! Es lässt sich über Generationen anwenden und staubt auch nicht vor sich hin.
Mehr Bücher von Artur Jussupow ...
... und Mark Dvoretzky
Artur Jussupow ist nicht nur der Autor der Tigersprung-Reihe, er hat zudem zahlreiche Lehrbücher verfasst, welche auch bei Spielern mit einer Rating deutlich über 2100 teils Bibelstatus haben. Viele Werke stammen aus der intensiven Zusammenarbeit mit seinem Mentor Mark Dvoretzky (Bild) und tauchen sehr tief in die schier unendlichen Welten des Schachspiels ein. Dvoretzky selbst erreichte nie den Status eines Supergroßmeisters, was aber wohl eher daran liegt, dass er früh Gefallen am Trainieren von Talenten fand. Eines dieser Talente war der junge Artur Jussupow, mit welchem er später eine Schachschule gründete, aus welcher beispielsweise kein Geringerer als der heutige Weltmeister Viswanathan Anand hervorging. Zum Abschluss möchten wir Ihnen neben den Tigersprung-Büchern eine Auswahl an Büchern der beiden Ausnahmetrainer ans Herz legen, die in keinem gut sortierten Schachbuchregal fehlen dürfen. Mehr Informationen erhalten Sie per Klick auf das jeweilige Bild.