Nachrichten Schach plus Twain gleich Post Eine etwas andere Einladung zur Frankfurter Stadtmeisterschaft 2016
08.02.2016 - Wenn man Hans-Dieter Post sieht, wagt man gar nicht, ihn mit dem wohlwollend gemeinten Urgestein zu betiteln, aber wer rund 30 Jahre hoch offiziell Turniere leitet, veranstaltet und organisiert, darf, nein, MUSS als solches bezeichnet werden. Einst ließ er sich den Pinsel, Farbe und einen altersschwachen Gartenzaun á la Mark Twain andrehen. Besagter Zaun ist die alljährliche Frankfurter Stadtmeisterschaft, deren Latten Post bis heute unverdrossen weißt - weißer als je einer vor ihm. Statt einen neuen "Dummen" zu suchen (geschweige denn zu finden), der für ihn streicht, ließ er sein Schach-Baby zu ungeahnten Höhen gedeihen, und er ist es noch nicht müde, weitere Rekorde zu jagen. 200+ Teilnehmer, das würde ihm auf jeden Fall gefallen, und warum sollte das nicht in diesem Jahr geschehen? Führen Sie sich die folgenden Worte des Turnierleiters direkt an Sie zu Gemüte, und melden Sie sich dann doch einfach zu einer der größten, offenen Stadtmeisterschaften Deutschlands an!
weiß zufällig noch jemand, was er in den Abendstunden am 27. April 1987 unternommen hat? Nehmt Euch ruhig Zeit, die Antwort muss nicht gleich kommen.
Nun, einige der Leser werden diese Frage trotzdem sehr schnell beantworten können, da sie noch gar nicht geboren waren.
Bei mir waren die Wochen davor entscheidend, denn aus Mangel an Alternativen war man im Vorstand des Bezirks Frankfurt gezwungen, einen neuen Turnierleiter zu wählen. Die Eingeweihten und Älteren wussten sich damals vornehm zurückzuhalten, denn man kannte durchaus den Umfang an Arbeit, den so ein Amt mit sich bringt.
Da aber einer der anwesenden Kassenprüfer seine zweijährige Schuld gerade abgeleistet hatte, stand er nun ja für neue Aufgaben zur Verfügung, und unerfahren wie er war, nahm er die Wahl zum nächsten Amt einfach an. Sind ja auch nur zwei Jahre.
Was er nicht wusste, war, dass anders als bei einem Kassenprüfer nach maximal zweimaliger Berufung (auch so ein Irrtum) eben nicht ein anderer den Job weitermachen würde.
Nur wenige Jahre später hatte er, der die Abenteuer von Tom Sawyer auswendig kannte und sich besonders an jene listige Szene erinnert, wo der junge Titelheld durch allzu fröhliches Streichen des ihm verhassten Lattenzaunes anderen den Gedanken einhauchte, diesen Spaß unbedingt auch können zu müssen, nein, dürfen zu können.
Im Übergeben von Pokalen - wie hier 2015 an GM Igor Khenkin - ist Hans-Dieter Post nach 30 Jahren extrem geübt. Zum Glück gilt das Gleiche nicht für Ämter...
Tja, ziemlich genau 30 Frankfurter Stadtmeisterschaften später sitze ich nun hier, streiche immer noch den gleichen siebenrundigen Lattenzaun, ohne dass jemand den Versuch gemacht hätte, mir den Pinsel aus der Hand zu reißen und schreibe an dieser Mail. Was sagt uns das?
Auch listiges Fröhlichsein will gelernt sein, und: Gehe immer davon aus, dass Bestseller von mehr als einem gelesen werden!
Die Ausschreibungen des Emporkömmlings im Bezirksvorstand wurden seither bis heute trotzdem wohlwollend von gut 11-Hundert, an dieser Stelle sei ein Helau eingestreut, Teilnehmern zur Kenntnis genommen, die absoluten Teilnehmerzahlen eines jeden Turniers der letzten 3 Dekaden addiert ergeben gar den dreifachen Wert. Die Idee dahinter ist klar: Wer das Turnier spielen will, kann es nicht leiten!
Wie auch immer, man darf gar nicht anfangen, noch weiter in die Zahlenwelt abzutauchen, die solche Zeitspannen mit sich bringen, vielleicht so viel noch: Eine Runde der Frankfurter Stadtmeisterschaft sind für den Turnierleiter einfach ein kompletter Arbeitstag. Bestehend aus Anreise, Aufbau, Leitung, Abbau und Nachbereitung - macht in Summe 8 Stunden.
Bei 30 Jahren und 7 Runden sind das weit über 200 Tage, und zieht man von 365 Tagen die Wochenenden ab und Urlaubstage, und krank ist man auch ein bisschen, dann bleiben genau diese ca. 200+ Tage pro Jahr übrig. Ein Netto-Projektjahr der Frankfurter Stadtmeisterschaft! Wieviel Spaß kann man sonst in ein Jahr packen?!
Zugegeben, 2002 war man doch noch etwas knackiger...
...und mancher begann gerade erst, grau zu tragen.
Nun, um dieses Projektjahr voll zu kriegen, sind die 7 Runden in diesem Jahr aber schon noch zu leisten. Und alleine macht das natürlich keinen Spaß. Also:
Bevor ich also vielleicht auch noch dazu komme, wieviel Lattenzaun man in so einem Projektjahr streichen könnte, weise ich doch lieber mal darauf hin, dass die soeben genannten Zahlen nur ein Zwischenstand sind, kein Endergebnis!
Und es ist Februar und damit bald März, und schon folgt der April. Und damit weiß der erfahrene FSM'ler, es geht wieder los!
Am 25. April 2016 stellt uns die Stadt Frankfurt bzw. die Saalbau wieder das Bildungs- und Kulturzentrum, kurz BiKuZ, in Frankfurt Höchst zur Verfügung. Und wer sich noch als Erster anmelden möchte, hat diesen Zug leider schon lange verpasst. Aber es gibt genügend freie Plätze im großen Saal, und auch das Catering hat eine große und stets prall gefüllte Theke für alle Gäste bereit.
Ob wir dieses Jahr zum ersten Male 200 Teilnehmer oder sogar noch mehr bei einer Frankfurter Stadtmeisterschaft sehen? Keine Ahnung!
Bisher musste noch kein Anmeldestopp oder gar eine Warteliste bei einer Bezirksmeisterschaft verkündet werden.
Aber, wenn ich hier so an meinem Lattenzaun sitze und hochkonzentriert vor mich hinstreiche, dann würde ich vielleicht doch schon mal einen Tag früher als sonst das Anmeldeformular ausfüllen. Denn eines ist sicher: