TopTurniere Anand: Erfahrung, Vorbereitung, Strategie besser - aber die Kraft fehlte! Dienstag, den 25.November ist die Abschluss-Zermonie angesetzt - mit dem Russischen Präsidenten Vladimir Putin, dem Fide-Präsidenten Kirsan Ilyumshinov und Hauptsponsor Andrey Filatov
25.11.2014 - "Unsere Mannschaft war in der Vorbereitung - auch nach Meinung von Carlsen besser, in der Strategie ebenso - 1.d4 contra 1.e4, aber in der Umsetzung am Brett war Viswanathan Anand einfach dann nicht frisch genug, um in der vierten Stunde standzuhalten, beziehungsweise etwas gegen die roboterhafte Dynamik nach dem Motto eines 400 Meter Schwimmers dagegen zusetzen: "Stark anfangen, dann langsam steigern und rechtzeitig den Schlussspurt anziehen". Die heutige Schachphilosophie im Weltklasseschach bekommt eine neue Expertise: "Der Partieverlauf hängt nicht mehr nur von Genialität, Intuition und absolutem Schachwissen ab, sondern von "Neuronengeschwindigkeit, Datenvolumenmanagement und auch der streng-chaotischen Lagerhaltung und dergleichen". Dazu braucht ein Schachspieler immer mehr Fähigkeiten im übertragenen Sinne von Athletik, Kondition und pysischer Virtualität.
Allerdings, da die Energiespeicher endlich sind, muss die ausgeglichene Balance stimmen auf den Teilgebieten der Leistungsanforderungen und folgende empirische Bilanz sei gestattet: "Am Brett ist Carlsen einfach stärker gewesen, aber viele Experten kolportieren: "Zwei vergebene Chancen in Partie 1 und 5, ein fataler Verlust in der 2. und ein Blackout in der 6. ist einfach zu viel gegen einen Weltmeister wie Magnus Carlsen. Beide Spieler können Sie vom 2.-9. Februar 2015 in Baden-Baden wieder spielen sehen. Freuen Sie sich in Deutschland auf zwei Spieler der "ewigen" Schachextraklasse und vielleicht auf weitere Spieler aus der Bundesligamannschaft der OSG Baden-Baden: Aronian, Caruana, Adams, Bacrot, Naiditsch, Vallejo Pons, Nisipeanu, ...
Viswanathan Anand hat jetzt 11 WM-Kämpfe (bzw. Turniere) gespielt und ich durfte acht mal dabei sein. Die Bilanz ist gut in den letzten sieben Jahren: Sieg in Mexiko vor Kramnik und Gelfand mit 9/14, Sieg in Bonn gegen Kramnik 6,5:4,5, Sieg in Sofia gegen Topalov 6,5:5,5, Sieg in Moskau gegen Gelfand 6:6, Tiebreak 2,5:1,5, Niederlage in Chennai gegen Carlsen 3,5:6,5 und Niederlage in Sochi gegen 4,5:6,5. Vorher hat er noch 1995 in New York gegen Kasparov 6,5:8,5 verloren, in Groningen/Lausanne gegen Karpov 3:3 nach 25-tägigem Ko-Turnier gespielt und im Tiebreak 2:0 verloren, dann in New Delhi/Teheran das Finale 3,5:0,5 gegen Shirov gewonnen und 2002 in Moskau im Halbfinale mit 2,5:1,5 gescheitert an Ivanchuk! Unglaubliche Rekorde für die Schachgeschichte. Meine persönliche Bilanz ist 5:3, wenn ich anwesend sein durfte. Vielleicht werde ich jetzt das Buch fertig schreiben: 11 Siege bei der Chess Classic - 11 Teilnahmen bei Weltmeisterschaften. Oder kommt da noch was? Auf der Pressekonferenz gab er unter großem Applaus auf die Frage: "Ob er jetzt aufs Altenteil gehe", bekannt: "No"!!
Er hat die Fahnen für Indien und Deutschland hochgehalten, bei den Klicks auf der Fide-Webseite waren diese beiden Nationen mit großem Abstand die Nr.1 und die Nr.2 im Ranking, aber nicht genug damit - die dramatische 11.Partie hier in Sochi und die 9. in Chennai - das sind nicht nur fantastische Live-Erlebnisse, sondern wertvolle Musterpartien, die für jeden Schüler und Studenten ein "Must know" sind, obwohl sie vom scheinbar besseren Spieler verloren gingen!
Jetzt hätte er, so sagen die Experten und Computer vier Möglichkeiten gehabt zu spielen. Le7, Lg7, Tab8 und Tdb8. Er entschied sich für letztere, die auch gut genug war, wenn er später nicht die Qualität auf b4 geopfert hätte, sondern ganz nachhaltig Le7 gespielt hätte, welches dem weißen König es nicht so leicht möglich macht auf das Paradefeld e4 zu kommen.
Magnus Carlsen mit hoher Aufmerksamkeit!
Magnus Carlsen schätzte die Gefahr in der er sich befand nicht ganz so hoch ein, hatte die bessere Zeit und rechnete ein bisschen nach dem Lehrbuch-Bauernopfer von Anand auf b5 und auch noch mit dem Qualitätsopfer auf b4. Nahm zuerst nicht das Bauernopfer an und spielte stattdessen sehr gut Lc3 und das Qualitätsopfer nahm er recht zügig an, in der sicheren Gewissheit, dass nur er Gewinnchancen hat. Gleichwohl sah er nur geringe Chancen für Schwarz ab diesem Zeitpunkt zum Remis zu entkommen. Damit wäre die letzte und 12.Partie dann zum Showdown gekommen und Anand hätte mit Weiß gewinnen müssen. Das Risiko mit Schwarz in der 11.Partie einen neue Variante zu spielen und mit guter Vorbereitung eventuell zum Plattschuss zu kommen, hat sich für Vishy nicht gelohnt. Trotzdem hoher Respekt von den Schachexperten.
Pressekonferenz Viswanathan Anand mit Veranstalter Arkady Dvorkovich
Vishy war sehr kritisch mit sich selbst: 1. dass er gegambled hat in der Situation und 2. das er unnötigerweise das Remis aufs Spiel gesetzt hat und damit seine allerletzte Chance wegwarf. Auf die dreiste Journalistefrage, ob er denn nun endlich aufhöre Turnierschach zu spielen sagte er einfach "No".
Ruheraum 1 und kleines Wunschbüffet
Die Spieler haben keine getrennte Ruheräume benutzt, so wie es eigentlich vorgesehen war. Aber sie waren nur in diesem einen Raum. Vielleicht hatten sie vergessen, dass jeder einen hatte!
Ruheraum 2 und kleines Wunschbüffet
Den teilten sich nun herzlich gerne die Schiedsrichter und hatten genauso ihr Auskommen im Spielsaal, sowie in der Lobby des Radisson Blu
Kommentatoren Peter Svidler & Jan Nepomnichtchi
Der beiden Großmeister verstehen einiges vom Schach und hatten sofort Vishys Spiel als zu risikovoll vermutet, was dann nachher Carlsen in vollem Umfang bestätigte.
Weltmeister Boris Spassky
Sitzt seit einiger Zeit im Rollstuhl und wird hier von seinem chilenischen Schüler Daniel Yugar herzlich begruesst. Das Königsgambit hat er bei Boris gelernt, ok, dann wollen wir das mal heute Abend überprüfen.
Daniel Yugar Elsaca mit Tochter
Er ist Unternehmer und Schachliebhaber und sie ebenfalls Vishy-Fan, Sängerin und Konzertpianistin.
Künstlername "Juga" - 29 Jahre jung
Nicht nur in der Spielhalle erregte Sie mit ihrem Hut Aufmerksamkeit, sondern auch in der Hotellobby gab Sie einege Lieder zum Besten, worauf Küchenchef Andy Triller ankündigte, das das Hotel ein Speiseraum zur Karaokebar umbauen möchte.
Natalia Saliy mit den Fide-Schiedsrichtern
Überraschend sind sie früher fertig als geplant, aber morgen um 18:00 Uhr muss der Hauptschiedrichter den Ausgang des Matches bestätigen. Natalia hat im Hotel die Organisation der Taxis und aller anderen Wünsch der Gäste erfüllt!
Vladimir Potkin beim Simultan
Links sieht man eifrig beim Zuschauen die norwegische Delegation kurz vor Beginn der 11.Partie im Match Carlsen-Anand
Sergey Karjakin beim Simultan
Der frühere Ukrainer, jetzt für die russische Schachföderation spielende jüngste Großmeister aller Zeiten stammt aus dem gleichen Jahrgang wie Magnus Carlsen. Alle Experten gehen davon aus, dass Carlsen, Karjakin, Nakamura und Caruana die Zukunft der Weltmeisterschaftskämpfe ausspielen werden. Ist es schon wirklich Zeit, die Aronians, Kramniks und Anands nicht mehr auf der Liste zu haben.
Das Schwarze Meer mit Wellengang
Ja richtig hoch waren die ja nicht, aber es tat sich was, wenn die Schiffchen schaukelten und keiner Baden ging!
Radisson Blue - gibt's ein Unwetter?
Heute machten die Hotelleute das Tor zur Promenade nicht auf, wegen Wind und Wetter. Zum ersten Mal nach 20 Tagen sah es so dunkel aus!