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Wenn´s lichterloh brennt - richtig löschen ...
Die große Fähigkeit des Inders Anand, nach empfindlichen Genickschlägen die Kontrolle über das eigene Handeln wiederzugewinnen.
19.11.2014 - Wenn Schachblindheit und Unverständnis, Hilflosigkeit und gar Furcht vor Fehlern der uneingeschränkten Selbstbeschuldigung Raum geben, wenn berechtigte Selbstzweifel einsetzen, die den Mangel an fachlichen Resourcen mit zusätzlichem Pech subsummieren einhergehend mit übertriebenem Glück des Gegners, dann heißt das Gebot der Stunde, die Geschwindigkeit der Talfahrt in positiven Schwung für noch höhere Ziele als vorher gesetzt, wie auf einer Achterbahn zu verwandeln. Das bewirken kann nur ein starkes homogenes Team, welches die Momentaufnahme nach Pressekonferenz und Heimfahrt zum Teamtreffen im Radisson Blu in Sochis erster Hotel-Adresse direkt gelegen am "Schwarzen Meer" in positive Energie umwandelt. "Jetzt erst recht!". Die Auffahrt von der Lobby bis zum 8. Stock müssen genügen, um zu symbolisieren, was geschehen soll. Wer einmal zurückkommen kann wie Anand nach der 2. Partie, dem ist auch zuzutrauen, nach der 6. Partie mit Schwarz zurückzukommen - an Rocky Balboa denken und glauben! Allein schon, dass kein Schachexperte auf der Welt behaupten könnte, dass es ungerecht wäre, wenn nach 6 Partien Anand mit mindestens 3,5:2,5 führen könnte - oder gar bei Optimismus und optimaler Chancenverwertung ein 4:2 möglich gewesen wäre - das sagt doch schon alles! Alle behaupten, dass Carlsen weit unter seinem Niveau spielt, es könnte aber auch sein, dass Anand zu seinem alten 2008er Niveau in Bonn gegen Vladimir Kramnik zurückgekehrt ist. Waren in Bonn die Ergebnisse optimal für Anand in der ersten Hälfte des Matches, so ist es hier in Sochi genau umgekehrt. Eine kleine wahre Geschichte, die das Verständnis der Aufgabenstellung von Viswanathan Anand jetzt symbolisiert, möchte ich erzählen. Sie ist ganz privat und der erste und zweite Schritt wurde mit der siebten und achten Partie bereits erledigt.

Offizielle WM-Seite Prof. Samy Molcho: nonverbale Kommunikation & Körpersprache!

NEU!!! Am 01. November hat ein neuer Jahrgang der Chess Tigers Universität mit 3 neuen Kursen begonnen!

Kostenlose Probelektionen und weitere Informationen:
Chess Tigers Universität - Jahrgang 2014



Name NAT ELO 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Total Perf. +/-
V. Anand IND 2792 ½ 0 1 ½ ½ 0 ½ ½ - - - - 3.5 2812 +3
M. Carlsen NOR 2863 ½ 1 0 ½ ½ 1 ½ ½ - - - - 4.5 2843 -3

Einsam werden die Entscheidungen hier getroffen!

Wenn die Spieler sich um 15:00 Uhr Ortszeit Sochi, 13:00 Uhr (MEZ) zur geistigen Auseinandersetzung im Fachgebiet "Schach" auf allerhöchstem Niveau treffen, dann sind viele Begleiter mit ihnen, die sie kritisch beobachten, die sie emotional unterstützen, die mitfiebern und sie lautlos anfeuern. Aber auch die Kritiker sind unsichtbar da, die ihr Handeln ständig mit starken Computern kontrollieren, und es gibt sogar jene ehrbaren Zeitgenossen, die ohne das Hilfsmittel Computer versuchen, eine menschliche Bewertung der Gladiatoren in der nur auf dieses eine Spiel fokussierten Sichtweise. Hier finden sich die ewig Zweifelnden, wie auch die leidenschaftlich Bewundernden ihren Platz. Aber auch die penetrant und undifferenziert Besserwissenden - mittlerweile natürlich mit den stärksten Programmen und umfangreichsten Datenbanken ausgestattet - sie finden anonym und ohne jeglichen Respekt vor den handelnden Akteuren, Gehör, Stimme und brutalstmögliche Offenheit beim Urteil. Sollten sie wirklich einmal in die Lage kommen, in ihrem Leben eines dieser WM-Spiele absolvieren zu dürfen, wären sie sicher mit Demut und Anerkennung für die hohe Leistung an diesem Spieltisch eher empfänglich. Gladiatorenkämpfe dienten im alten Rom zur Unterhaltung des Kaisers mit Gefolge und des gemeinen Volkes mit dem kleinen Unterschied zu heute: "Hier geht es nicht mehr um Leben und Tod". Trotzdem bewirkt der Wettstreit der Gehirne, um wirklich mehr als nur ein "Goldiges Plätzchen" für die zwei hier auf der Bühne. "Ja es geht um die Wahrheit im Schach", wenn man die Schaffenskraft von Kasparov und Kramnik im Jahre 2000 einstufen will. Hier im Wettkampf Carlsen gegen Anand geht es um noch viel mehr: Jung oder Alt, Kraft oder Erfahrung, Asien oder Europa, Mahatma Gandhi oder James Dean in blauen Jeans und der W. A. Mozart? Es geht darum, wer ist der Beste im Schachspielen - der Weltmeister aller Klassen!

Im Jahre 1958 am 22.Dezember erlebt

Nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema "Was ist zu tun... " und einer sehr unruhigen Nacht, bildete sich als analoges Beispiel zu Anands Situation bei mir heraus, was damals zwei Tage vor Heiligabend in einem kleinen Dorf in der Nähe von Trier passierte. Die Hauptperson in dieser wahren vierstündigen Geschichte spielte mein Vater mit seinen Verhalten und den einsamen, aber wie sich erst später herausstellte, richtigen Entscheidungen, die ich hautnah als 6-jähriger Junge erlebte. Die Geschichte hatte ich eigentlich schon gut verarbeitet, beziehungsweise voll verdrängt, jetzt aber bildeten sich die Handlungsmuster der vollen Dramaturgie wieder vollends ab und waren beim Wachwerden klar wie der helle Morgen in Sochi.

Situationsbeschreibung "Familie" & Dreschtag"

Mein Vater heiratete 1947 in eine Familie ein, deren Schicksal es war, alle drei Söhne in Russland verloren zu haben: der eine gefallen, der andere vermisst und der dritte schwerverletzt, der spät ohne Bein nach Hause kam. Mein Vater kam vom "Schuttershof" und meine Mutter war das einzige Mädchen vom "Kirschenhof". So gab es zwischen den beiden Höfen (Familien) nach dem 2.Weltkrieg eine prosperierende Entwicklung, es wurde repariert, aufgebaut und das Zusammenleben begann nach zehn Jahren wieder natürlicher zu funktionieren. Das Leid der Großeltern über den Verlust ihrer Söhne konnten wir fünf Kinder, zwischen 10 Jahren und 2 Monaten alt, nicht wirklich lindern, aber wir gaben unser Bestes und ich als ältester Sohn ging ja auch schon in die Schule. Dann kam der Tag "X", der 22.Dezember 1958 und es sollten wichtige Entscheidungen anstehen. Es war Dreschtag. Das Getreide wurde im August in Garben geerntet, eingelagert in die Scheune und, wenn Zeit war, im Winter gedroschen, sodass sich das Korn vom Stroh trennte. Das Stroh kam in die Scheune zurück und das Korn auf den Speicher und das natürlich alles mit menschlicher Muskelkraft. Am Kirschenhof waren alle verfügbaren Leute eingespannt. Die Nachrichten und Kommandos meines Vaters ständig von einem Hof zum anderen zu bringen, war meine Aufgabe und das war "wichtig"! Alles lief wie immer, systematisch und ohne Reibungsverluste bis auf eine Situation, die mit unserem Knecht "Ed'chen" zusammenhing. Ich bekam mit, dass er wohl zu tief ins Glas geschaut hatte und bei laufender Dreschmaschine mit brennender Zigarette herumfuchtelte und daraufhin von meinem Vater freigestellt wurde. Er solle doch jetzt schon zu seiner Freundin nach Saarlouis fahren. Ed'chen bedankte sich, war aber natürlich geschockt über die Großzügigkeit meines sonst direkten und strengen Vaters. Verdutzt trollte er sich. Mit Großzügigkeit abstrafen, war eines der Handlungsmuster meines Vaters Johann Peter, welches ich auch später als Erwachsener gerne anwendete.

Dramatischer Projektablauf und die Entscheidungen

Wir hatten bei Einbruch der Dunkelheit um 18:30 Uhr den Hauptprozess erledigt und es ging nur noch ums Abbauen und Aufräumen, bis dann helles Licht am Himmel und ein durchdringender Schrei alles in Aufregung setzte. "Es brennt, es brennt der Schuttershof". Feuerwehr und Polizei wurden alamiert, mein Vater lief so schnell er konnte die 300 Meter mit einigen Männern zum eigenen Hof, ich hinterher was die Füße hergaben. Hier war ungefähr das Fünffache an Getreide und Heu eingelagert, hier standen auch alle unsere Tiere im Stall, außer den Pferden, die waren am Kirschenhof. "Vieh abbinden im Stall, alles rausjagen", kam das Kommando. Es brannte bereits lichterloh, wie Zunder Heu und Garben. Drei Leute fehlten, meine Schwester, der Knecht und der einbeinige Onkel. Vater stürzte ins Wohn- und Gasthaus, direkt verbunden mit den brennender Scheune, durchkämmte alle Zimmer. "Wasser marsch" die erste Feuerwehr begann zu löschen aus dem nahe gelegenen Bach wurde gepumpt. Vater kam zurück: "Haltet das Feuer vom Wohnhaus", lasst das andere brennen, mittlerweile waren fünf Feuerwehren eingetroffen "Rettet das Wohn- und Gasthaus" und eilte zum Kirschenhof zurück, um die fehlenden Leute zu suchen. Der Knecht war beim Löschen zum Helfen aufgetaucht, der Onkel kümmerte sich um die kleinen Geschwister, nur unser Christkind fehlte unauffindbar - sie hat an Heiligabend Geburtstag, aber die Großmutter brachte sie dann aus der nahegelegenen Kirche, wo sie oft mit der Oma betete. Sie wollte doch einfach nur, dass der liebe Gott "jetzt" helfen sollte. Meine Eltern trafen sich in der kleinen dunklen Stube und ich hörte, wie meine Mutter völlig verzweifelt nach Fassung ring: "Jetzt ist alles vorbei, die ganze Arbeit, das ganze Geld, wir haben alles verloren". "Wir haben viel verloren, aber Maria es geht weiter". Meine Mutter hatte immer die Haltung: "Was sollten die anderen Leute denken, der liebe Gott wirds schon richten" und mein Vater lehrte mich: "Das ist völlig egal, was die Leute denken, nur was Du denkst und Dein bester Freund, ist wichtig". Wo sind die Versicherungsunterlagen, wo haben wir die Papiere. Die Polizei stand da mit dem Versicherungsvertreter, der aber in gegenseitigem Einverständnis erst die Verträge "Zwischen den Jahren" machen wollte und forderte die Policen. Die hätte doch der Rudi von der Provinzial unterschrieben mitbringen können, nein so generös kann keine Versicherung sein. Der neu angebaute Teil des Schuttershof war noch nicht versichert! Es war jetzt ungefähr 23:30 Uhr, dass Wohn- und Gasthaus war gerettet und der Brandstifter hatte sich der Polizei gestellt - es war der Knecht! An fünf verschiedenen Stellen hatte er den Hof angezündet.

Wie ging das weiter ...

Was wird der nächste Morgen bringen? Das Leben ging weiter. Das Aufräumen begann, überall dampfte es noch aus den verbrannt nassen Heuhaufen, gespenstig war das alles. Das Vieh war irgendwie in anderen Ställen untergekommen. Es war der 23.Dezember, einen Tag vor "Heiligabend" und die Bauern aus der Umgebung von Nah und Fern brachten wie die "Heiligen drei Könige" seiner Zeit in Bethlehem Gaben, Futter und Hilfsmittel, trockenes Stroh und Heu, soviel sie entbehren konnten, manche brachten mehr, hatte ich das Gefühl! Mein Vater traf eine weitere wichtige Entscheidung: "Die Fehler bei der Konstruktion des neuen Gebäudes wurden korrigiert. Der Bau wird 1,20 Meter höher gezogen, damit der Abladegreifer mehr Platz hat im First des Satteldaches! Der Restart war von Entbehrungen und Finanzlücken geprägt, doch meine Eltern gewannen neue Perspektiven. Meine Mutter sah ein, dass es weiter gehen muss und zwar sogar besser wurde als vorher!

Projekt WM-Sochi - was Vishy jetzt macht?

Ja, den ersten Schritt hat Anand gestern bereits mit Bravour erledigt und gegen die Experten- und Computermeinung eine große Leistung vollbracht. Dass er ein Weltklassespieler ist von großer Leidenschaft und umfassenden tiefen Schachkenntnissen ist unbestritten. Very-Deep-Vishy ist auch psychologisch gereift und lässt sich von der unweltmeisterlichen Herangehensweise seines jungen Nachfolgers beim Test der beidseitigen Theoriekenntnisse im Endspiel Turm & Springer gegen Turm, nicht beeindrucken. Er wird seine beste Leistung abrufen können, er denkt nicht an die drei Weisen: "Hätte Ich, Wäre Ich, Könnte Ich", sondern an die Säulen des Erfolges beim positiven Denken: "Du kannst das, Du schaffst das, Du machst das"! Heute soll die Erholung im zweiten Schritt abgeschlossen werden, dann kommt der Ruhetag und in den letzten vier regulären Partien muss ein Sieg her - kann auch mit Schwarz sein.

Symbolik pur ... !
Diese Haltung steht für den Weltmeister Carlsen - Demut, Unterwürfigkeit oder maximal große Anspannung! Beim Wiener Professor Samy Molcho können Sie alles gut nachlesen und selbst herausfinden was der Unterschied zwischen verbaler und nonverbaler Kommnikation ist. Kurz zusammengefasst: "Die Zunge kann lügen – aber der Körper lügt nie!"

Sekundäre Veränderungen unterstützen den Prozess
Nach unendlich langer Sonnenzeit, war gestern die Terrasse nicht wegen Regenwetters sinnvoll zu nutzen. Wie geil ist das denn, ich dachte an Bern: "Es ist Fritz Walter Wetter" oder doch "Vishy Anand Wetter"?

Chess Tigers on Tour

Published by HWS

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