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Der Charme und die Klasse von Wijk aan Zee
Die große Schach-Tradition lässt sich mit dem Innovations-Image von Corus verbinden
01.02.2006 - Corus Chess 2006 setzt Emotionen frei. Das unverwechselbare Rot mit den vor dem unendlich weiten Sternenhimmel im Weltraum schachspielenden Astronauten und die Springerballons mit dem energiespendenden Feuer passen hervorragend zu einem international agierenden, innovativem Stahl- und Aluminiumkonzern. Und trotzdem kann die Bewahrung der Tradition mit dem besonderen Charme der engagierten Region, kombiniert von den selbstbewussten, aber gleichermassen bescheiden und freundlich wirkenden Machern, Präsident Dolf Vos und Turnierdirektor Jeroen van der Berg, gewährleistet werden. Die Spieler lieben Wijk aan Zee abgöttisch und die weltweit konkurrierenden Veranstalter respektieren den immerwährenden Jahresbeginn der Schachsaison ehrfurchtsvoll als die "Mutter aller Turniere".

Was ist der Unterschied zwischen der Weltmeisterschaft in San Luis und dem Corus Chess 2006 Festival in Wijk aan Zee: "Wijk ist stärker besetzt", lautet die Antwort der bescheidenen Veranstalter. In der Tat, vergleicht man die Elo-Zahlen der Teilnehmer von San Luis mit denen der ersten Acht in Wijk aan Zee könnte so rein rechnerisch argumentiert werden. Elo 2745 : Elo 2738 zu Gunsten vom Corus Chess 2006 Festival / A-Gruppe lautet das Verhältnis und wenn man dann noch bedenkt, dass nach der kurzfristigen Absage des an Arthritis erkrankten 14.Weltmeister alter Zählart, Vladimir Kramnik, kein einziger Russe im Feld war kann man den weltweiten Wandel im Schach nach dem Niedergang der großen UDSSR für ein äußerst positives Zeichen mit dem Fokus Wettbewerb nehmen. Unsere russischen Schachfreunde Svidler, Kramnik, Morozevich, Grischuk, Bareev und Dreev mögen uns verzeihen, dass wir Befürworter der Entmonopolisierung der übermächtigen alten Schachnation UDSSR sind und wie es scheint, haben die niederländischen Veranstalter begriffen, dass in der Nach-Kasparov-Karpov-Aera wieder Turniere möglich sind, die an die spannende Zeit des aufsteigenden Robert James "Bobby" Fischer erinnern - allerdings rein sportlich geprägt, ohne politische Scharmützel und Ideologien.

Turnier-Profile von fünf Weltklasseveranstaltungen

Weltklasseturniere wie Wijk aan Zee, Linares, Sofia, Dortmund oder auch Mainz werden in der Öffentlichkeit meist unter der Turnier-Kategorie, das heisst der Stärke der Teilnehmer, wahrgenommen. Doch mittlerweile spielen auch andere Faktoren, die das Image eines Turniers prägen, eine Rolle. Wir haben die wichtigsten Kriterien einmal definiert und Experten nach ihrer subjektiven Einschätzung befragt.

Corus Chess 2006 in Wijk aan Zee mit klarem 1.Platz in der Bewertung

Vier profunde Kenner der Schachwelt haben fünf Turniere im abgelaufenen Jahr bewertet. Das Corus Chess 2006 Festival in Wijk aan Zee erreichte mit 562 von 600 möglichen Punkten die höchste Wertung. Im Vergleich zu den teilweise sehr viel jüngeren Turnieren, wie der Chess Classic Mainz (505), dem Sparkassen-Chess-Meeting in Dortmund (423), dem Ciudad de Linares (437) und dem neuen M-Tel Masters in Sofia (444) zeigt das niederländische Turnier seine Stärken vor allem im allgemeinen Image (100), Finanz-Konzept (100) und in der sportlichen Qualität (99). In den Kategorien Allgemeines Image, Finanz-Konzept, Services, Organisation, Sportliche Qualität und Innovation waren maximal je 100 Punkte zu erreichen. Im Chart werden die Punkte von Innen (0 Punkte) nach Außen (100 Punkte) dargestellt.

Die Konkurrenten aus Spanien, Bulgarien und Deutschland bieten allesamt viel mehr Zuschauerservices, Geräumigkeit und Bequemlichkeit, trotzdem können sie aber erstaunlicher Weise nicht die Urtümlichkeit des Corus Turniers wettmachen. Bei näherer Betrachtung ist das sogar gerecht, bis man die 48 Faktoren in den 6 Kategorien anders gewichten muss, weil die Standards sich geändert haben. Wir sind der Meinung, dass es richtig und wichtig war, dass die Bewertung der Turniere nur durch Personen durchgeführt wurde, die bei allen Turnieren mehrmals, aber wenigstens einmal vor Ort waren, um den "Hören/Sagen-Effekt" ganz auszuschließen. Die Bewertung erhebt keinen Anspruch auf vollkommene Präzision, weil sie einfach von wenigen Testern als subjektive "Stichprobe" durchgeführt wurde, aber vielleicht kümmert sich ja irgendwann die Stiftung Warentest darum. Eine innovative Idee für die Schachverantwortlichen wäre vielleicht, nicht nur den Oscar für den besten Spieler des Jahres zu vergeben, sondern auch die beste Spielerin, den Aufsteiger des Jahres, die beste Veranstaltung, beste Innovation, beste Lebensleistung, bester Journalist, bestes Buch usw. zu küren, um daraus dann eine internationale Veranstaltung zu kreieren, damit Schach wieder sichtbarer in den Medien wird. Unsere Stimme würden wir Wijk für die beste Turnier-Veranstaltung geben.

The Global Hero Concept


Die Sieger: GM Viswanathan Anand (Elo 2802) & GM Veselin Topalov (Elo 2809)

Zur Kenntnis nehmen muss man auch, dass es den gemeinen Schachfreund glücklich macht, dass an der Spitze der Ratingliste mit Fide-Weltmeister Veselin Topalov ein furchtloser Bulgare steht, gefolgt von dem indischen Schachgenie Viswanathan Anand. Der beste Schnellschachspieler aller Zeiten hat wohl endgültig begriffen, dass der Wettlauf um die Weltspitze nur mit "Fighting Spirit" zu bestehen ist. Er hat in der letzten Runde gezeigt, dass er nicht nur genial spielen kann, sondern auch bis zur letzten Minute kämpfen kann. Der Lohn ist süss: neben der imposanten Trophäe - bei Punktgleichheit war seine Wertung deutlich besser -, konnte er jetzt zum fünften Mal die A-Gruppe gewinnen und damit zum erfolgreichsten Spieler des Traditionsturnieres aufsteigen. So ganz nebenbei gelang es ihm auch, als vierter Spieler nach Kasparov, Kramnik und Topalov die magische Elo 2800 Schwelle zu überschreiten. 2001 war er mit 2797 schon nahe dran, jetzt wird es mit 2802 perfekt sein, denn bis zum 1.April 2006 wird er kein Turnier mit klassisches Bedenkzeit mehr spielen. In der Bundesliga werden wir ihn aber hoffentlich sehen und beim Melody-Amber in Monaco ist er eingeladen. Aber auch Veselin Topalov wird sehr glücklich sein, sich bei der 10.Teilnahme in Wijk aan Zee endlich in die Siegerlisten eintragen zu dürfen. Die Besten sind vorne und sie haben auch das beste Schach gezeigt, Publikumspreise en masse abgeräumt, auch hier hatte letztlich unser Königstiger mit 4:3 die Nase vorn.

The National Hero Concept


Die niederländischen Großmeister Loek van Wely und Ivan Sokolov sind fester Bestandteil des Erfolgskonzepts: global - national - regional

Jeweils 14 Spieler starteten in der A-Gruppe, der B-Gruppe und der C-Gruppe, jeder gegen jeden, dass heisst mit 13 Runden und 3 Ruhetagen in 17 Tagen war das ganze Festival abzuwickeln. Die Einladungsliste für jede Gruppe ist mit den Allerbesten, den Etablierten, den Besonderen und den Aufsteigern international so gespickt, dass den Schachfreunden aus der ganzen Welt das Herz höher schlägt. Bei aller Abwechslung der jährlichen Besetzungen bleiben zwei Regeln unabänderlich: der Gruppensieger steigt in die höhere Gruppe auf, das fängt bei der Gruppe 9a-d an und geht bis in die A-Gruppe und es werden immer reichlich einheimische etablierte Spieler und Talente für jedes Turnier eingeladen. Hier spürt man fern jeder Kategorienhatz die Verantwortung, national und regional ambitionierte Spieler zu fördern. Daß der gemeine Amateur und die Weltklassespieler in einem Raum spielen ist genauso zur Gewohnheit geworden wie die Erbsensuppe und die weichen Brötchen. Alle Partien beginnen um 13:30 Uhr mit dem etwas hohl und blechern klingenden Gongschlag das schachliches Tagwerk. Wer hier noch nie ein Tienkampen, Dagvierkampen oder Weekendvierkampen Turnier mitgespielt hat, hat wirklich etwas Einmaliges verpasst.

Das richtige Outfit


GM Baadur Jobava richtig gekleidet - die Schiedsrichter sowieso!

Der absolute Liebling der Holländer, der Inder Viswanthan Anand, trägt zum ersten Mal in seinem Leben einen roten Pullover, eine möglicherweise unterbewusste Verneigung des zur Zeit mit Veselin Topalov um die Führung in der Weltrangliste ringenden Superstars vor den professionellen Organisatoren und letztendlich vor dem Rot des Sponsors Corus. Der Inder versteht die Anforderungen der Sponsoren, wenn Sie ihr gutes Geld geben - und er belohnt das mit Anerkennung und handelt danach, auch mit kleinen Gesten. Viele, vor allem aus dem Osten kommende Schachprofis ignorieren die Wünsche der Sponsoren und wundern sich am Ende des Tages, dass so wenig Geld für Schach da sei. Sie wollen einfach noch nicht begreifen, dass sie nur ein Teil des ganzen Projektes Schach neben Sponsoren, Organisatoren, Zuschauern und Medien sind und handeln manchmal kontraproduktiv. Wenn sie zu spät zur Partie kommen, um damit den Journalisten nicht das Foto zu ermöglichen, das diese dringend brauchen. Oder wenn sie schnell remis machen oder nach guten Partien die Analyse im Presseraum verweigern, weil sie den Publikumspreis nicht bekommen haben. Neuerdings haben die Veranstalter die Entscheidung bei der Vergabe des beliebten Publikumspreises nicht nur in den Vorort-Analyse-Raum gelegt, sondern lassen alle Internetbesucher bei den jeweils 4 Vorschlägen mitabstimmen - bis zu 5000 Votes wurden pro Tag abgegeben. Dabei war festzustellen, dass bei den täglichen Puzzle-Problemen, welche zur Lösung bei attraktiven Preis für die Gewinner angeboten wurde, sich lediglich 60-80 Schachliebhaber beteiligten. Für Veranstalter und Sponsor Corus ist der Trend klar, wie man Kundenbindung herstellt.

Der georgische GM Baadur Jobava passt, sicher zufällig, auch ganz gut ins Gesamtbild. Generell ist zu sagen, dass jeder Teilnehmer seinen eigenen Stil pflegt, was das eigene Outfit betrifft. Von sehr elegant bis sportlich, von leger bis praktisch, manchmal wirken die jugendlichen Weltklassespieler, wie Karjakin und Navara, in ihren neuen Jacketts mit fetter Kravatte ein bisschen aufgestylt, wobei Magnus Carlsen als nicht mehr ganz kleiner Junge in seinem Sportsware-Outfit eher natürlich wirkt, aber das Gehampel, das er mit seinen Utensilien vor Beginn jeder Partie aufführt, kann einem schon ziemlich auf den Keks gehen.

Den Teilnehmern ist es natürlich im Schach vorbehalten sich so zu kleiden, wie sie das für richtig halten. Da kann der Veranstalter einfach nicht verlangen, dass die Spieler angemessen auftreten. Aber die Macher legen großen Wert drauf, dass die Schiedsrichter, bzw. die komplette Veranstaltungscrew einheitliche Anzüge oder Kostüme mit roten Kravatten oder Halstüchern trägt und dies in zwei Ausführungen zum Wechseln. Für alle Beteiligten ist das nur von Vorteil, weil man im Gewimmel sofort erkennt wer zu den Offiziellen gehört. Dieser sehr gute Einfall, wird von einem Bekleidungshaus maßgeschneidert und natural gesponsert - und wenn nach Ablauf der Veranstaltung die teils ehrenamtlichen Helfer diese vornehmen Outfits mit nach Hause nehmen dürfen, haben sie nicht nur eine schönes Erinnerungsstück sondern sogar einen praktischen Nutzen.

Die rote Arena


Innovatives Design der Corus Group: Leerer und voller Spielsaal

"De Moriaan Community Centre" heisst die genaue Bezeichnung des Veranstaltungsortes. Ein Komplex aus einem guten Dutzend Verwaltungs- und Tagungsräumen, einer eher kleinen Turnhalle mit etlichen Umkleidekabinen, einer gut funktionierenden Kneipe, einer schönen Bibliothek und neuerdings etwa 100 Meter entfernt ein Veranstaltungszelt, welches vor allem den täglichen Erklärungsbedarf der Besucher und Teilnehmer durch Analyse der laufenden Partien durch prominente Großmeister stillt. Die Bestuhlung ist auf 500 Zuhörer ausgerichtet und an den Wochenende waren lediglich nur noch Stehplätze zu erhaschen. Was dieses Jahr besonders auffiel, war das konsequent durchgezogene Design in der Dekoration des kompletten Events durch den Sponsor Corus. Vor allem die Turnhalle, in der sich die niederländischen Amateure genauso wie die Weltklasse um 13:30 Uhr ihrem Tagwerk zuwendeteten, hatte das biedere Sporthallenflair vollkommen zur "Roten Arena" verwandelt. Zwei Austronauten spielen in den unendlichen Weiten des Alls vor sternenklarem Hintergrund das traditionalle Schachspiel. Riesige, in den Farben von Corus gestaltete Springerballons, steigen scheinbar feuergetrieben in die Höhe. Die Innovationslust der Corus Group, einer der führenden Stahl-und Aluminium Hersteller der Welt, wird von der niederländischen Vorstandsvorsitzenden der Corus Devision Niederlande stringent umgesetzt und das wandelt die eher provinzielle Ausstattung der Vergangenheit in eine hochprofessionell aussehende Umgebung für 5 Jahre traditionelle Schachzukunft um. Seit 1994 besuche ich jährlich dieses Turnier, früher Hoogovens jetzt Corus, und ich meine, dass hier den Veranstaltern neben den jedes Jahr excellent besetzten Turnieren ein weiterer Quantensprung in der Aussenwirkung gelungen ist - € 150.000,- soll der Spass gekostet haben, wenn man diese Investition für 5 Jahre ansetzt, 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010 sind gesichert, dann sinkt der jährlich aufzuwendende Betrag auf € 30.000,- und dies sollen ungefähr 2,0-2,5% vom Gesamtetat sein, den der Hauptsponsor Corus und die 61 regionalen Sponsoren "Friends and Suppliers" für das schönste aller Spiele aufbringen und sie scheinen sehr zufrieden mit dem "Return of Invest" - welcher Veranstalter kann schon eine Sponsoringgarantie für 5 Jahre vorweisen?

Die Hotels


Die Hotels in Wijk - wo man die Weltklasse trifft.

Das Hotel Zeeduin ist das Spielerhotel, welches den meisten Weltklassespielern Unterkunft anbietet. Die geräumigen Appartments bieten alles, was man zum Leben, Schlafen und Vorbereiten braucht. In zwei Minuten ist man am Strand der rauhen Nordsee und kann sich herrlich ablenken mit gesundheitsfördernden Strandspaziergängen und reichlich frischer Luft inklusive der Garantie, mit roten Backen wieder ins Hotel zurück zu kommen. Wer hier einmal mit den Spielern das Hotel teilen will und sich ein bisschen mehr für das Leben eines echten Profis interessiert, sollte rechtzeitig buchen, denn sonst geht nichts mehr. Das gilt auch für die Buchungen der Turnierteilnehmer, denn jedes Jahr sind die Plätze schon Anfang November vergeben. Das Hotel de Klughte ist mehr ein kultiges Hotel mit leichtem Rokoko-Touch, aber gemütlich und nur 100 Meter vom Schachcafé Sonnevank entfernt. Auch ein Tagesbesuch oder Übernachtbesuch, wie es die FM Zude und Schaak aus der Rhein-Main-Taunus-Region praktizierten, lohnt sich allemal und ist ein Erlebnis..

Die Restaurants


Die kultigsten Restaurants sorgen für Abwechselung im Speiseplan

Der Rhythmus ist vorgegeben beim Ablauf des Tagesgeschehen, wichtig ist nur eines, dass man am Abend ein Tisch im Restaurant bekommt. Die Auswahl beschränkt sich für viele Spieler und Besucher auf das Restaurant im Hotel Zeeduin, den Italianer Ristorante Tarantella und die Brasserie Kleinzwitserland. Natürlich kann man in den Kultkneipen De Zon und Sonnevank auch etwas bekommen, aber hier trifft man nicht die Stars beim Abendessen, sondern viele gute Schachspieler in vorgerückten Abendstunde. Das Lamentieren nach Niederlagen über vergebenen Chancen, die diebische Freude nach geglückter Umsetzung der Vorbereitung ist bei den Profis keinen Deut anders als in Amateurkreisen. Besser ist natürlich die Stimmung, wenn man mit Siegern am Tisch sitzt, die Atmosphäre in den engen Restaurants ist mit kürzester Anlaufzeit knuffig bis vertraut. Die Bedienungen sind gastfreundlich, vor allem schnell, sehr hilfsbereit und das Essen ist excellent. Wem das lukullisch nicht ausreicht kann in das benachbarte Städtchen Beverwijk fahren, mit dem Auto 5 Minuten entfernt. Das große Amsterdam mit seinem glitzerndem Nachtleben und seiner vielseitigen internationalen Küche ist auch nur eine halbe Stunde entfernt und ist sicher für den Ruhetag geeignet, aber am Spieltag Wijk verlassen ist reiner Frevel.

Die Kultkneipen


Die Kultkneipen in Wijk aan Zee sind ein absolutes Muss!

Und wo geht man nach dem Abendessen hin? Das Schachcafé Sonnevank mit Live-Musik und Schachbrettern auf den Tischen ist für jeden Schachspieler ein absolutes Muss. Da trifft man die holländischen Koryphäen Sokolov, van Wely und Timman beim Bier oder Rotwein über Schach philosophierend. Aber auch die jungen Niederländer wie Smeets und L'Ami zusammen mit Fressinet, Katharina Lahno und dem deutschen Arkardij Naiditsch, der gerade nach vier Nullen hintereinnader erstaunlich lustig war. Mit dem in Frankfurt lebenden GM Klaus Bischoff, dem Hofheimer FM Eric Zude und den Karl-Chefredakteur Harry Schaak verbrachten mein Vorstandskollege Mark und ich einen wunderschönen Abend. Wo erlebt man noch, wie die nette Ukrainerin Katharina Lahno (Elo 2500) nacheinander die Chauvi-Jung-Großmeister von Naiditsch bis Fressinet unter lautem Gegröhle des drumherum stehenden Fachpublikums unter gelegentlichen unzitierbaren Sprüchen im 3-Minuten-Blitz auseinander nimmt - dass ist Kaffeehaus-Schach pur, die reine Freude am Spiel erlebt man noch hier. Keine verbitterten Kämpfer, sondern lachende Spieler und begeisterte Zuschauer. Wenn sich dann gegen Feierabend FM Eric Zude ans Klavier setzt und seine unbekannten musikalischen Fähigkeiten präsentiert, mit anderen zufällig anwesenden Musikenthusiasten loslegt und "My way" von Frank Sinatra zum Besten gibt, dann fühlen die staunenden Gäste im Sonnevank, dass sie einen perfekten Tag gehabt haben. Es ist doch erstaunlich und erfrischend zu sehen, dass Schachspieler nicht nur Schachspielen können! Aber Schach ist das Wichtigste, es ist wunderbar, immer wieder in Wijk zu sein.

Die Zukunft ist rot und heisst Corus


Der Sponsor Corus segelt hart am Wind für das Schach in Wijk aan Zee - da gibt es überhaupt keinen Grund, ins Wasser zu gehen!

Die Zukunft des Corus Chess Festivals in Wijk aan Zee ist rosig, besser gesagt sieht rot aus. Nein, nein, das heisst nicht Stop, sondern Vollgas in neue Galaxien. Die Crew ist Top, der Hauptsponsor Corus und die 61 Friends and Suppliers harmonieren exzellent, die Amateure lieben Wijk aan Zee gläubig und treu und die erfahrenen sowie aufstrebenden Profis verstehen jede Einladung als große Ehre, aber auch als willkommene Einkommensquelle. Es geht fair und demokratisch zu und die Schachspieler fühlen, dass sie wichtig sind und geschätzt werden. Wie anders sollte es zu verstehen sein, dass der Dortmund Gewinner 2005 beim Corus Chess 2006, knapp ein halbes Jahr später, ohne Murren in der B-Gruppe startet. Natürlich mit der klaren Regelung, dass er nächstes Jahr 2007 im A-Turnier starten darf, wenn er die B-Gruppe gewinnt. Der Moskowiter Alexander Motylev und wahrscheinlich auch der Norweger Magnus Carlsen bekommen sicher nächstes Jahr eine Einladung für die A-Gruppe, die Titelverteidiger ohnehin, wenn sie denn nicht zu gierig bei der Startgeldforderung werden, wie es der große Garry Kasparov immer wieder demonstriert hat. Für jeden Amateur kann ich nur soviel sagen, dass dies kein Schwäbisch-Gmünd, Deizisau oder Bad Wiessee ist - das ist Wijk aan Zee, das ist Kult und Erlebnis pur - das gilt es für jeden kleinen und großen Veranstalter zu erreichen. Verbesserungspotential gibt es überall, aber hier in Wijk nur auf einem sehr hohen Niveau. Einmal im Leben sollte jeder gute Schachspieler sich das antun, vor allem mal die Tienkampen mitzuspielen, wo jeder in einem Rundenturnier auf 9 gleichwertige Gegner trifft in den Leistungsstufen der Gruppe 9 a-d bis 1 a-d. Auf Wiedersehen im Januar 2007 in Wijk.

Wijk aan Zee - Lageplan für 2007


Die genaue Lage des kleinen Küstenorts zur Information - auch für den Sommer ein Urlaubstipp, allerdings ohne Schach!

Hans-Walter Schmitt

Published by Hans-Walter Schmitt

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