TopTurniere Corus Chess 2007 Rd. 12 - Topalov und Radjabov führen gemeinsam Kein Handschlag im Spitzenduell
27.01.2007 - Keinesfalls sollte der unschöne Zwist zwischen Vladimir Kramnik und Veselin Topalov vor dem Sportlichen stehen und so war es angenehm, dass dieses Duell heute auch unter diesem Aspekt sehr wichtig war. Es endete letztlich ausgekämpft mit einem Remis und den obligatorischen Handschlag soll es heute nicht gegeben haben, aber ansonsten sind zur Stunde keine weiteren Eklats bekannt. Da Teimour Radjabov gegen Alexander Motylev gewann, führt er nun gemeinsam mit Topalov. Ebenfalls gewinnen konnten Loek van Wely gegen Peter Svidler und David Navara gegen Ruslan Ponomariov. In der letzten Runde werden morgen die beiden Führenden direkt aufeinander treffen.
Die Partie zwischen Veselin Topalov und Vladimir
Kramnik wird bestimmt nicht wegen ihrem enormen schachlichen Wert in die
Historie eingehen, denn sie entsprach trotz Damengambit statt Slawisch
genau dem Muster, wie man es aus Elista bereits kennt. Topalov erspielte
sich einen leichten Vorteil, doch Kramnik verteidigte sich cool und
sicherte gekonnt das Remis. Da man sich nicht mehr mag, bot keiner der
Spieler das Remis an und so musste nach 49 Zügen eine theoretische
Remisstellung herhalten, um die Partie friedlich zu beenden.
Normalerweise ist selbst Caro-Kann in den Händen
von Vishy Anand eine gefährliche Waffe, aber Sergei Tiviakov zeigte sich
heute als Weißer gut vorbereitet und sicherte sich einen kleinen aber
dauerhaften Vorteil. Nach 27 Zügen sah Anand ein, dass er den
Niederländer nicht würde schlagen können und fügte sich ins Remis.
Sergey Karjakins Spanier beantwortete Magnus Carlsen im Duell der
Youngster mit der Offenen Verteidigung und hatte keine großen Probleme,
Ausgleich zu erzielen. Danach ereignete sich nicht mehr viel und nach 35
Zügen trennte man sich ebenfalls friedlich. Die längste Partie des Tages
fochten Alexei Shirov und Levon Aronian miteinander aus. Aronian
erspielte sich mit den schwarzen Steinen einen dauerhaften Vorteil und
versuchte dann, diesen irgendwie zu verwerten. Nach einigen kritischen
Augenblicken rettete Shirov den halben Punkt, wobei noch etwas
Unklarheit über den letzten Zug in der Partie herrscht. Laut der
offiziellen Turnierseite und ChessBase soll Shirovs letzter Zug 57.Ke4??
gewesen sein, doch dann hätte Aronian leicht gewinnen können.
Wahrscheinlicher ist daher, dass 57.Kc3 geschah und der König
anschließend nach e4 gestellt wurde. Sowas kann bei der
Übertragungssoftware der DGT-Bretter schonmal für leichte Verwirrung
sorgen.
Zum zweiten Mal nach der Schwarzpartie gegen Vishy Anand setzte es für
Peter Svidler eine deftige Niederlage aus der Eröffnung heraus.
Ausgerechnet in seiner geliebten Grünfeld-Verteidigung erwischte ihn
Loek van Wely eiskalt und nötigte ihm die Aufgabe nach nur 22 Zügen ab.
Ein wenig machte es den Eindruck, als wäre Svidler noch etwas berauscht
von seinem gestrigen Sieg gegen Topalov und heute nicht so recht bei der
Sache gewesen.
Dass Teimour Radjabov den Königsinder auf Weltklasseniveau wieder
hoffähig machen will, hat er in diesem Turnier bereits deutlich gezeigt,
doch so langsam fragt man sich wirklich, warum er aus der Praxis der
Weltbesten fast verschwunden ist. Radjabov jedenfalls spielt damit eine
beeindruckende Performance. Mag ja sein, dass Weiß in der Regel einen
gewissen Vorteil erhält, doch die Stellung dann auch entsprechend zu
behandeln, vermag scheinbar kaum jemand momentan. Dass sich Radjabov
diesen Umstand zu nutze gemacht hat, spricht besonders für seine
Raffinesse bei der Vorbereitung. Auch Super-Großmeister können nicht
alle Stellungstypen beliebig abrufen. Jetzt wird bestimmt der eine oder
andere nochmals die alten Datenbanken raussuchen und sich auf den
neuesten Stand bringen. Doch wer weiß, ob Radjabov dann nicht
beispielsweise das längst verschwundene Holländisch wieder in die
Königsklasse einführt.
Zwischen David Navara und Ruslan Ponomariov wurde die Französische
Verteidigung diskutiert und der Tscheche hatte die ganze Partie über die
besseren Argumente. Ponomariov hatte nicht den Hauch einer Chance und
gab nach 43 Zügen auf. Schon vor der letzten Runde kann man festhalten,
dass Navara definitiv ein Mann für die Zukunft ist. Das eine oder andere
Mal verdarb er sich gute Stellungen mit schweren Fehlern, doch wenn er
das noch abstellen kann, wird garantiert auch mal um einen Gesamtsieg
mitspielen können.