TopTurniere Anand, Shirov und Ponomariov siegen ... Alle Spitzenbegegnungen endeten mit einem Remis
23.01.2007 - Vishy Anands Ehefrau Aruna verdient den Publikumspreis des Tages zur Hälfte, weil Sie ihren Mann wieder geschickt psychologisch aufrichtete. Die andere Hälfte verdient sich aber der Russe Alexander Motylev, der dem Tiger die Inspiration im messerscharfen Db6-Najdorf-Sizilianer der 2.Runde eingab, wie denn der Bauernraub des Schwarzen auf b2 nachhaltig zu bestrafen sei. Weniger spektakulär ging es an der Spitze des Feldes in Wijk aan Zee zu, nachdem die stürmischen Spieltage 5-8 doch einige Schrammen bei den Protagonisten hinterlassen hatten. Der 9.Spieltag festigt den Anspruch der Führenden auf einen Spitzenplatz, denn mit 1,5 Punkten Rückstand ist der Schnellschachweltmeister zu weit weg - es sei denn es kommen jetzt vier Punkte aus vier Partien? Endlich siegte auch Alexei Shirov.
Einmal Wijk aan Zee sehen, erleben und dann sterben. Der einzige Klassiker unter den Weltklasseturnieren hat es auch unserem Berichterstatter Mike Rosa angetan. Heute zur 9.Runde reiste er mit seinem Kollegen Günter Drebes an die holländische Nordseeküste, nicht nur um den eigenen Horizont zu erweitern, sondern auch um seinen Vereinskollegen Vishy Anand kräftig anzufeuern - und wie man heute sieht, das System "Chess Tigers" funktioniert.
Wenn man in das "Heiligtum" des Corus Chess Festivals, den Spielort "de Moriaan" will, muss man zuerst das Zelt der Analysen und Kommentare passieren und durch das weiß-rote Fahnenmeer schreiten oder fahren bis man die schwarz-rote Arena erreicht, in der Amateure und Profis jeweils um 13:30 Uhr ihr Tagwerk beginnen. Der fein ausgekleidete Innenraum hat schon so manchem Teilnehmer oder Zuschauer gehörige Ehrfurcht eingeflösst oder dem Kenner den feinsten Schachgenuss kredenzt. Wer als Schachspieler etwas auf sich hält, der muss wenigstens einmal hier gewesen sein. Nächstes Jahr gibt es die 70.Ausgabe dieses Turniers. Eine gute Gelegenheit jetzt schon zu planen, sich und seinen Freunden ein besonderes Schacherlebnis der Extraklasse zu gönnen.
Mit einem glänzenden Sieg über den Himmelstürmer Sergey Karjakin zeigte der Weltmeister von 2002, Ruslan Ponomariov, im ukrainischen Duell seine ganze Klasse. Mit einem unwiderstehlichen Schlussangriff krönte er seine Partie. Auch den so arg gebeutelten Baden-Badener Bundesligaspielern Shirov und Anand gelangen endlich wieder Siege. Gegen Navara konnte Shirov den ersten Sieg im laufenden Corus-Turnier diesen Jahres einfahren und für Vishy Anand war es der erwartete Sieg nach den schweren Schwarzniederlagen gegen die Mitkonkurrenten um die Führung in der Weltrangliste.
In den Super-Schwergewichtsduellen Aronian gegen Topalov und Svidler gegen Kramnik, sowie der Nachwuchsstars Carlsen gegen Radjabov, kam es recht schnell zu leistungsgerechten, undramatischen Remis. Die im unteren Tabellenkeller befindlichen Tiviakov und Motylev kämpften den letzten halben Punkt des Tages aus, so dass alle nach 4 Stunden Spielzeit die Turnierarena de Moriaan verlassen konnten. Morgen beginnt um 13:30 Uhr die 10.Runde.