TopTurniere Corus Chess 2007 Rd. 8 - Führungswechsel in Wijk aan Zee
21.01.2007 - Ungläubiges Kopfschütteln nach gut 2½ Stunden der achten Runde, denn sowohl die offizielle Turnierseite als auch die Live-Übertragung bei ChessBase vermeldete, dass Vishy Anand soeben gegen Veselin Topalov aufgegeben habe. Jeder sah die Stellung vor sich und wohl auch, dass der Bulgare durchaus Vorteil hatte, aber war dieser bereits so groß, dass es keine reale Hoffnung mehr für Anand gab? Jedenfalls heißt der neue Führende in Wijk aan Zee jetzt Topalov, denn gleichzeitig verlor Teimour Radjabov gegen Levon Aronian. Die weiteren Gewinner des Tages sind Peter Svidler und Sergey Karjakin, wobei Letzterer heute gegen David Navara sprichwörtlich den Papst in der Tasche hatte. Morgen ist der zweite Ruhetag, bevor es dann am Dienstag mit der 9. Runde weiter geht.
Alexei Shirov war in dieser Runde so nahe an seinem ersten Sieg wie
nie zuvor in diesem Turnier, doch Sergei Tiviakov hatte dagegen etwas
einzuwenden und trotzte dem Letten doch noch ein Remis ab. Ähnlich
machte es Ruslan Ponomariov als Schwarzer mit Loek van Wely. Trotz
Minusbauer steckte er nicht auf und erarbeitete sich nach 57 Zügen einen
halben Punkt. Vladimir Kramnik erreichte gegen Magnus Carlsen aus der
Eröffnung heraus nicht viel und nachdem sich nach 28 Zügen bereits das
meiste Material abgetauscht hatte, rauchten Weltmeister und Jungstar die
Friedenspfeife.
Das
beherrschende Thema dieser sonntäglichen Runde war natürlich die Partie
Topalov gegen Anand. Die Frage, die im Internet am Häufigsten gestellt
aber leider nicht beantwortet werden konnte war: "Warum gab Anand so
früh auf?" Schauen wir uns die bewusste Schlussstellung an:
Nach Topalovs
35.Se1-d3 gab Anand überraschend auf.
Schwarz ist arg in die Verteidigung gedrängt und die weißen Aussichten sind
glänzend, doch noch ist nicht wirklich ersichtlich, wie genau Weiß seinen Vorteil
in einen Gewinn ummünzen kann. Mag sein, dass Schwarz im berühmten
höheren Sinne tatsächlich verloren ist, aber Anand wäre nicht der Erste
gewesen, der sich aus so einer Lage noch befreit hat. Alles in Allem
erneut eine überzeugende Vorstellung der Nr. 1 der Weltrangliste, was
zugleich auch den Sturm an die Tabellenspitze bedeutet.
Denn trotz heroischer Gegenwehr setzte es für Teimour Radjabov die erste
Niederlage im Turnier. Der Chess960-Weltmeister persönlich beendete den
bisherigen Alleingang des Aserbaidschaners. Erst nahm er ihm einen Bauer
ab und nach 65 Zügen auch den ganzen Punkt. Damit musste Radjabov seinen bis
dahin ärgsten Verfolger an sich vorbei lassen, aber seine
Sieg-Hoffnungen wird er ganz sicher noch nicht begraben haben.
"Na, was machst Du jetzt?" - Chess960-Weltmeister Levon Aronian
Einen blitzsauberen Schwarz-Sieg fuhr Peter Svidler gegen Landsmann
Alexander Motylev in seiner Leib und Magen-Eröffnung ein. Obwohl Motylev
im Grünfelder mit 3.f3 eine seltener gespielte Variante wählte, konnte
er Svidler nicht überraschen und erhielt eine 28-zügige
Gratis-Lehrstunde vom St. Petersburger.
Gar Wunderliches geschah in der Begegnung zwischen Sergey Karjakin und
David Navara. Mit leichter Hand erspielte sich Letzterer eine
Beinahe-Gewinnstellung, doch trotz Mehrqualität fand er nicht den Weg
zum Sieg. Ganz im Gegenteil verflog der schwarze Vorteil zusehends und
dann drehte Karjakin nochmals auf und drehte die Partie vollends um. Aus
einer beinahe hoffnungslosen Lage heraus gewann er nach 56 Zügen die
abwechslungsreichste Partie des Tages