TopTurniere Corus Chess 2007 Rd. 6 - Kramnik und Topalov hinter Radjabov
19.01.2007 - Während sich Teimour Radjabov beim Corus Chess 2007 in Wijk aan Zee heute mit einem schnellen Remis gegen Ruslan Ponomariov quasi eine Auszeit beim Sturm auf den Gipfel gönnte, floss im Verfolger-Duell zwischen Vladimir Kramnik und Vishy Anand Blut. Der amtierende Weltmeister gewann die spannende Partie in überzeugende Manier und zog so mit Veselin Topalov gleich auf den zweiten Platz. Zum Showdown zwischen den beiden wird es übrigens in der zwölften Runde kommen. Den zweiten Sieg der sechsten Runde fuhr Sergey Karjakin gegen Alexei Shirov ein.
Nach seinem
gestrigen Triumph über Alexei Shirov wirkte Loek van Wely gegen Sergei
Tiviakov heute recht satt und auch seinem Landsmann mit russischen
Wurzeln war nach den 51 Zügen gegen Topalov nicht nach einem spannendem
Kampf. Die logische Folge: Erstes Remis der 6. Runde nach schlappen 22
Zügen. Und kaum hatten sich die beiden von ihren Stühlen erhoben,
reichten sich auch Teimour Radjabov und Ruslan Ponomariov nach 17 Zügen
zum Friedensschluss die Hände. Weiß stand etwas besser, doch Radjabov
wollte seine tolle Strähne nicht überstrapazieren und Ponomariov ist in
diesen Tagen nicht gerade für seinen unbedingten Siegeswillen bekannt.
Betont lässig
erklärt Radjabov, wie einfach Schach sein kann, wenn man gewinnt.
Im Duell
der Chess960-Weltmeister erspielte sich Peter Svidler gegen Levon
Aronian einen Mehrbauer, doch recht bald war klar, dass der in
Deutschland lebende Armenier wusste, wie er die Stellung zu behandeln
hatte. In einem für Amateuraugen unklaren Endspiel einigte man sich nach
32 Zügen auf ein gerechtes Remis. Auch "nur" ein Remis erreichte Veselin
Topalov gegen David Navara. Natürlich wollte der Bulgare wie immer mehr,
doch wie schon gegen Kramnik hielt der Tscheche auch gegen Topalov das
Turmendspiel remis.
Gäbe es ein Preis für den aggressivsten Spieler, käme man rasch zu dem
Schluss, dass dieser an den schwer angeschlagenen Alexei Shirov gehen
sollte, doch ab heute scheint ihm ein junger Norweger Konkurrenz machen
zu wollen. Magnus Carlsen brachte im achten Zug des Vierspringerspiels
ein fast vergessenes Springeropfer, und hätte Alexander Motylev den Mut
aufgebracht, die Figur zu nehmen, wie es Nigel Short auf dem Fritzserver
von ChessBase vehement forderte, wäre bestimmt eine historische Partie
entstanden. Irgendwas muss Magnus in seiner Vorbereitung ausbaldowert
haben, und genau das befürchtete wohl auch sein russischer Gegner. Der
psychologische Vorteil im weiteren Partieverlauf lag deutlich auf Seiten
von Carlsen und so ist das Remis nach 44 Zügen eher ein Erfolg für
Motylev als für den Jungstar, der heute offenbar einen Satz nach Vorne
in der Tabelle geplant hatte.
Das Top-Duell des Tages war natürlich die Begegnung
zwischen Vladimir Kramnik und Vishy Anand. Während einige besonders
prophetisch veranlagte Kiebitze im Internet noch ein frühes Remis
predigten, kündigte sich auf dem Brett ein interessantes Theorieduell
an. Vishy versuchte sich als Nachziehender in der gleichen
Katalanisch-Variante wie schon in der ersten Runde gegen Ponomariov,
doch im sechzehnten Zug brachte der amtierende Weltmeister eine Neuerung
und machte damit klar, dass er nicht an einem schnellen Remis
interessiert war. Als er dann auch noch im 19. Zug seinen Läufer auf a5
mit b4 abzuklemmen schien, rümpften einige Experten die Nase, doch wie
auch sie bewertete Anand die Stellung nicht korrekt und geriet in der
Folge in die Position des Verteidigers. Bald war klar, heute ging es ums
Überleben und mal nicht um einen Sieg. Doch Kramnik spielte heute mit
voller Kraft und Konzentration und fand letzten Endes den Übergang in
ein gewonnenes Endspiel, welches Anand im 53. Zug aufgab.