TopTurniere Corus Chess 2007 - Teimour Radjabov gibt den Ton an Königsindische Renaissance in Wijk aan Zee?
15.01.2007 - Mangelndes Selbstbewusstsein gehört nun wirklich nicht zu den Schwächen von Teimour Radjabov und so ist es nicht verwunderlich, dass er keinen Zweifel daran lässt, es seinem großen Bruder aus Baku in nicht allzu ferner Zukunft gleichtun und Weltmeister werden zu wollen. Beim Corus Chess 2007 greift er nun sogar zu einer der einstigen Lieblingswaffen von Garri Kasparov, der Königsindischen Verteidigung. Und wie sein potentieller Vorgänger hat er damit Erfolg! Bereits zwei königsindische Siege kann er sich nach dem heutigen Triumph über einen unglücklichen Alexei Shirov gutschreiben lassen. Nebenbei übernimmt Radjabov damit auch wieder die alleinige Führung in der Gesamtwertung.
Die erste
beendete Partie war die zwischen Sergei Tiviakov und Vladimir Kramnik.
Erst worden 20 Züge Russisch-Theorie runtergespult und nach nur 28 Zügen
ward das Material bereits remislich genug reduziert, um den Punkt zu
teilen. Etwas länger hielten Vishy Anand und Levon Aronian durch.
Letzterer prüfte seinen Gegner im Marshall-Angriff, doch das Resultat
sprach eher für den Inder. Doch der Vorteil schien Vishy nicht
ausreichend für ernsthafte Gewinnbemühungen zu sein und so erlaubte er
Aronian eine nette Remiskombination.
Zuletzt hat Anand
30.De4-e3?! gespielt und möglicherweise dabei die starke Antwort
30...Lxg3! übersehen. Nach 31.Kxg3 folgte 31...Te8! 32.Dxe8 nebst
Remis, denn nun kann Schwarz auf g1 und h1 Dauerschach geben.
Bereits
nach knapp 15 Zügen stand Magnus Carlsen gegen Ruslan Ponomariov mehr
als bedenklich, nach 25 Zügen praktisch platt und nach 30 Zügen hatte
Norwegens Weltmeisterhoffnung genug gesehen. Bei 0.5 aus 3 kann man
schon getrost mal von einem klassischen Fehlstart reden und so wird sich Magnus nun
mächtig strecken müssen, wenn er von den Großen nicht überrannt werden
will.
Mit 16.Sc8 drang
Ponomariov zuletzt in das feindliche Lager ein. Schwarz verliert
darauf zwingend Material, denn bringt sich der Turm auf a7 in
Sicherheit, schlägt Weiß mit dem Springer den Läufer auf d6 und
lässt dann Lb4+- folgen. Daher bevorzugte es
Carlsen, mit 16...Dxc8!? noch für etwas Verwirrung zu sorgen, doch
letzten Endes half auch das nicht mehr.
Die nächsten, die ihre Partie
beendeten, waren David Navara und Peter Svidler. Nach wechselhaftem
Verlauf und 27 Zügen trennte man sich friedlich. Mit 2/3 kann ganz
besonders Navara bei seinem Debüt in der Königsklasse glücklich sein.
Man soll das Turnier zwar nicht vor dem Ende loben, aber die 21-jährige
Nr. 15 der Weltrangliste könnte ein echter Geheimtipp auf den Gesamtsieg
sein!
In der Partie zwischen Loek van
Wely und Alexander Motylev, konnte der Niederländer nach einigen
Irrungen und Wirrungen einen Bauer einkassieren, aber der reichte
letztlich doch nur zum Remis.
Während sich
Verschwörungstheoretiker Silvio Danailov mal wieder mit einem offenen
Beschwerde-Brief an FIDE-Präsident Kirsan Ilyumzhinov gewendet hat (nachzulesen bei Chessbase.com), da der
Weltschachverband die erbrachte Bankgarantie für ein WM-Rematch der
Bulgaren nicht akzeptieren will, musste sein Schützling gegen Sergey
Karjakin besonders lange schwitzen. Der gerade 17 Jahre alt gewordene
Ukrainer erarbeitete sich gegen Topalov eine aussichtsreiche Stellung, gewann auch
einen Bauer, aber für einen Sieg gegen die Nr. 1 der Weltrangliste
reichte es dann dennoch nicht.