TopTurniere Kramnik gegen Deep Fritz - Endstand 2:4 Kramnik riskiert alles - und verliert
05.12.2006 - Mit einem Sieg in der letzten Partie hätte Vladimir Kramnik das Match lediglich ausgeglichen, und somit wird auch ihm klar gewesen sein, dass er nicht mehr die 500.000 Euro Bonus gewinnen konnte, die es für einen Gesamtsieg über Deep Fritz gegeben hätte. Doch das schien den Weltmeister nicht zu jucken - er wollte nach Kräften dem Computer Paroli bieten und ihn nach Möglichkeit endlich besiegen. Mit der Sizilianischen Verteidigung ging Kramnik ein hohes Risiko ein und wurde leider nicht belohnt. Erst gewann Fritz einen Bauer und schließlich auch die Partie. Damit ist Deep Fritz mit 4:2 Punkten der deutliche Sieger der World Chess Challenge 2006 - Herzlichen Glückwunsch an das Team von ChessBase!
Vladimir Kramnik hätte es
sich bestimmt einfacher machen können, wenn er gewohnt solide
versucht hätte, dem mit Weiß spielenden Deep Fritz zu
neutralisieren und ein Remis anzustreben. Doch man spürte, dass er
es heute unbedingt wissen wollte. Dafür ließ er eine komplizierte
sizilianische Struktur zu, sicherlich wissend, dass dies das
Terrain ist, auf dem sich ein jedes Programm sehr wohl fühlt. Doch
wie sonst hätte er Deep Fritz jemals schlagen sollen?
Von der Technik besiegt -
Weltmeister Vladimir Kramnik
Bild: Chess Tigers
Zu Kramniks Leidwesen befand
sich die Maschine heute in Topform und widerlegte den schwarzen Aufbau
Zug um Zug und mit einer schon aufreizenden Geduld. Hier ein nützlicher
Zug, da eine sinnvolle Umgruppierung, und nach und nach schmolzen
allenthalben die Hoffnungen auf ein siegreiches Finale für den
Weltmeister dahin. Deep Fritz errichtete einen gefährlichen Angriff
gegen den schwarzen Monarchen und der Weltmeister fand trotz tiefen
Grübelns keinen anderen Ausweg mehr, als einen Bauer zu opfern. Cool
strich Fritz diesen ein, tauschte danach auch gerne die Damen und begab
sich dann an die Verwertung seines Mehrmaterials. Mit großem Kampfgeist
tat Kramnik zwar alles, um die schier unvermeidliche zweite Niederlage
noch abzuwenden, doch gegen das trockene Spiel seines künstlichen
Gegners ward kein Kraut mehr gewachsen. Exakt um 19:35 Uhr reichte
Vladimir Kramnik dem Programmierer und Bediener von Deep Fritz, Mathias Feist, zum
Zeichen der Aufgabe und Gratulation zum Matchsieg die Hand.
Nimmt neben dem Matchsieg
sicherlich auch eine Menge wertvoller Erfahrungen für Fritz 11 mit auf die
Heimreise - Mathias Feist
Bild: Chess Tigers
Auch der Bodyguard (links)
vermochte nicht, das Team Kramnik & Hensel vor Deep Fritz zu
schützen