TopTurniere Kramnik gegen Deep Fritz - Spannendes Remis in Partie 5 Wieder kein Sieg für Kramnik
03.12.2006 - Zwar hatte sich Vladimir Kramnik für die heutige Partie etwas anderes einfallen lassen als seinen soliden Katalanen, doch auch in der Nimzoindischen Verteidigung von Deep Fritz fand der Weltmeister keinen Weg, den kühlen Rechner aus dem Hause ChessBase in ernste Verlegenheit zu bringen. Immerhin, er nötigte Deep Fritz am Ende, von sich aus das Remis zu forcieren und erntete anschließend den berechtigten Applaus der anwesenden Zuschauer in der Bundeskunsthalle zu Bonn.
Okay, wenn man ehrlich
ist, nötigte Deep Fritz mit einer Mattdrohung Vladimir Kramnik
dazu, die Zugwiederholung zu forcieren, aber dafür gab es auch
kein Zurück mehr für den Rechner. In der Diagrammstellung muss er
wieder Sf2 spielen und droht dann Sd3+. Also muss Kramnik mit dem
König nach f1 und damit drohen, nach g1 zu gehen und der
Zwickmühle zu entkommen. Das kann wiederum Fritz nur verhindern,
indem er den Springer wieder nach h3 mit Schachgebot abzieht und
zugleich das Feld g1 kontrolliert. Der König muss nach e1 zurück,
und das Remis ist unvermeidbar.
Solange sich Deep Fritz in
seinem Eröffnungsbuch befindet, darf Kramnik den Monitor von Mathias
Feist einsehen.
Nur sehr wenige (Zweck-)Optimisten
werden jetzt noch darauf beharren, dass Kramnik das Match am Dienstag
mit den schwarzen Steinen noch ausgleichen wird. Natürlich ist im Schach
so gut wie nichts ausgeschlossen, aber Hand aufs Herz, das wäre eine
faustdicke Überraschung. Man kann schwerlich sagen, dass Kramnik nicht
versucht hätte, Deep Fritz zu schlagen. Seine Eröffnungswahl war seinem
Stil entsprechend sicherlich für niemanden eine Überraschung, aber
immerhin beherrscht der Weltmeister "seine" Positionen annährend
perfekt. Könnte Fritz selbst seine Meinung zu dem Match kundtun, würde
er sicherlich jetzt schon sagen, dass Kramnik ihm ebenbürtig war, den Blackout
seines Gegners in der zweiten Partie bedauern und zusammenfassen, dass die
Maschinen noch nicht stärker sind als die besten menschlichen Vertreter
- zumindest nicht im Schach.
Wenn Kramnik Pech hat, könnte
das zum Bild des Matches werden