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„I cannot find any explanation!“
Ein frustrierter Weltmeister sucht nach Erklärungen für seinen Blackout
28.11.2006 - „Da hat sich jemand einen dummen Scherz erlaubt!“ war der erste Kommentar, der in der RAG Lounge in der Bundeskunsthalle in Bonn zu hören war, als der Bildschirm die Züge 34...De3 und 35.Dh7 anzeigt. „Das ist ein Übertragungsfehler!“ meint ein anwesender Großmeister, gerade von der Live-Kommentierung der Partie zurück. „Das kann nicht stimmen!“ Innerhalb von wenigen Sekunden ist die VIP Lounge leer, da alle in den Saal drängen, um festzustellen, was auf der Bühne wirklich passiert ist. Wenn die Stellung auf den Schirmen mit der Live-Übertragung wirklich korrekt ist, warum zeigen die Schirme den 35. Zug von Fritz als „Dh7“ und nicht als „Dh7#“ an?

Offizielle Turnierseite "Mensch gegen Maschine"
Homepage Kramnik

Schnell wird klar, dass Kramnik wirklich 34...De3 gespielt hat, und das einzügige Matt Dh7# übersehen hat. Natürlich ist die Enttäuschung riesengroß, dass eine spannende und hochinteressante Partie durch einen krassen Blackout endet. Im Pressezentrum herrscht ungläubiges Schweigen, die Frage liegt in der Luft, ob es nach diesem Debakel überhaupt eine Pressekonferenz geben wird, ob der Weltmeister nach diesem Blackout bereit ist, sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Aber Kramnik erscheint pünktlich zur Pressekonferenz, begleitet von seinem Manager Carsten Hensel, vom Organisator des Matches, Josef Resch, und von Mathias Feist.

Natürlich kommt als erstes die Frage nach dem Blackout: „What happened during your last move?“ und Kramnik wirkt, als kenne er selbst die Antwort auf diese Frage nicht. „It was not only about the last move, I calculated this line long in advance. I don’t know, it is actually very strange to me, some kind of blackout” versucht Kramnik eine Erklärung. “I was feeling well, I was playing well, I think I was better, and I calculated this line many many times, re-checking myself. When I played Qa7, I was already calculating this line ... it is the first time this happened to me. And I cannot really find any explanation. I was not really tired, I was feeling well. It is just very strange, I cannot explain it”. Trotz seines professionellen Auftritts ist dem Weltmeister deutlich anzusehen, dass ihn diese Niederlage mitgenommen hat.

Carsten Hensel, Vladmir Kramnik: "... it is actually very strange to me."

Weltmeister Kramnik: "... some kind of blackout"

Glücklich scheint aber auch beim „Team ChessBase“ niemand über diesen Sieg der Maschine zu sein, auch dort nur lange Gesichter über den Ausgang der Partie. Insbesondere Mathias Feist, der auch in dieser Partie den Computer bediente, sieht alles andere als glücklich aus. Der Computerschach-Profi, selbst ein starker Club-Spieler mit einer DWZ oberhalb von 1900 berichtet später: „Ich war völlig überrascht, weil ich das Matt auch nicht gesehen habe. Plötzlich öffnet Fritz eine Dialogbox und zeigt ein Matt an. Ich war völlig überrascht, dachte an einen Programmfehler, und wusste erst mal nicht, was ich tun soll.“

"...I was feeling well, I was playing well..."

"Das kann nicht stimmen... ". Die VIP-Lounge unmittelbar nach 35.Dh7#

Kann sich Kramnik von diesem Rückschlag erholen? Prof. Eckhard Freise, der die gesamte Partie vor Ort verfolgte, meint: „Diese Niederlage kann Kramnik psychologisch besser verarbeiten, als eine Partie, in der er strategisch von Fritz überspielt wird und nach langer aber vergeblicher Gegenwehr verliert.“ Wir hoffen, dass Professor Freise recht behält!

Mark Vogelgesang

Published by Mark Vogelgesang

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