TopTurniere Kramnik gegen Deep Fritz - Matt in 1! Blackout des Weltmeisters in Partie 2
27.11.2006 - Gerade beschrieb Artur Jussupow in seinem LIVE-Kommentar zur zweiten Partie noch die Gefahren, die ein Springer in Königsnähe mit sich bringt, da entfährt es ihm: "Matt in 1! Kramnik hat Matt in 1 übersehen!" Und wirklich, Weltmeister Kramnik hatte Deep Fritz nach einer Partie auf einem ungeheuer hohen Niveau ein einzügiges Matt erlaubt und versetzte damit die Schachwelt in helle Aufregung. Keine Glanzpartie der Engine, keine lange Kombination sondern ein totaler Blackout von Vladimir Kramnik bringt dem Computer bei der World Chess Challenge in Bonn die Führung.
Es hatte so schön begonnen
für den Weltmeister. Das Angenommene Damengambit erwies sich als
richtige Waffe und nach einer spannenden Eröffnungsphase erreichte
Kramnik eine sehr ansprechende Position, die von den
Live-Kommentatoren Dr. Helmut Pfleger, Klaus Bischoff und Artur Jussupow auf Spiegel Online kontrovers diskutiert
wurde. Mit weiterer Spieldauer erkannte Deep Fritz, dass er im
Begriff stand, sich positionell von Kramnik vernaschen zu lassen
und bekam noch so halbwegs die Kurve Richtung Remishafen.
Schließlich offerierte Fritz eine Zugwiederholung, und das wird der
Moment sein, der dem Weltmeister als markant in Erinnerung bleiben
wird, denn er lehnte das Remis ab. Was dann folgte, ist Tragik
pur. Artur Jussupow sah es in seiner Analyse schon kommen und
versuchte, Kramnik telepatisch zur Vorsicht zu mahnen, aber der
konnte ihn nicht hören...
Vladimir Kramnik und Mathias
Feist (Programmierer und Bediener von Deep Fritz) in der
Pressekonferenz nach der ersten Partie
Der Rest ist bekannt und
auch nicht würdig, unnötig darüber zu lästern. "Irgendwie,
irgendwo, irgendwann..." so sang nicht nur schon in den achtziger Jahren Nena, selbiges gilt
auch fürs Schach! Kein Schachspieler der Welt - auch nicht der
beste - ist davor gefeit, dass ihm eines Tages seine Sinne einen
bösen Streich spielen. Einzügig ist dabei natürlich die
Höchststrafe, aber nach dem nötigen Ablassen seines Zorns und und
einem erholsamen Ruhetag morgen, sollte sich Kramnik klarmachen,
dass er in beiden Partien das Geschehen diktiert hat. Sicher, Deep
Fritz wird sich niemals auf vergleichbare Weise revanchieren, aber
schlagbar ist er, so viel ist sicher. Bezeichnend ist, dass einer der führenden Köpfe von ChessBase und Fritz, Frederic Friedel, kurz zuvor im Live-Interview noch orakelte: "Wenn Kramnik das Match verliert, wird man trotzdem feststellen, dass er besser ist als Fritz - er ist aber anfälliger für Fehler!"