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Tal Memorial 2006 - Ponomariov übernimmt Führung
Schwarzer Tag für Morozevich und Aronian
08.11.2006 - Der Sieger des Tages ist sicherlich der ukrainische FIDE-Weltmeister von 2002, Ruslan Ponomariov. Er schlug Alexander Morozevich und verbucht damit als einziger bereits den zweiten Sieg beim Tal Memorial in Moskau. Ihm auf den Fersen sind mit einem halben Zähler zurück Boris Gelfand und Peter Svidler. Letzerer nutzte einen Blackout seines Gegners Levon Aronian, der in bedenklicher Lage seine Dame einstellte. Morgen wird der erste Ruhetag sein, bevor es dann am Freitag mit der 4. Runde weitergeht.

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Alle bisherigen Partien im PGN-Format

Zunächst noch ein Nachtrag zu der Partie Morozevich - Carlsen der gestrigen 2. Runde. Haupt-Schiedsrichter Geurt Gijssen meldete sich in einer Stellungnahme selbst zu Wort und und klärte darüber auf, dass Magnus Carlsen eine dreifache Stellungswiederholung reklamiert habe. Daraufhin wurde Alexander Morozevich gefragt, ob er der Prüfung des Protestes beiwohnen wolle, doch dieser habe abgelehnt. Carlsen und Gijssen spielten die Partie nach und kamen beide zu der Einsicht, dass sich die Stellung nach 46...Dc7 tatsächlich zum dritten Mal wiederholen würde und beide Spieler unterzeichneten zum Remis die Partieformulare. Später befielen Herrn Gijssen jedoch Zweifel und er prüfte die Lage nochmals, um festzustellen, dass zwar die Stellung sich dreimal wiederholt hätte, aber nicht bei gleichem Zugrecht. Somit waren die Remisreklamation von Carlsen und die Entscheidung von Gijssen nicht korrekt, was dem Norweger umgehend mitgeteilt wurde, der daraufhin sofort bereit gewesen sei, die Partie fortzusetzen. Problematisch war allerdings, dass Morozevich nicht mehr aufzufinden war. Lediglich seinen Trainer Alexey Kuzmin konnte man befragen und der gab an, dass er das Remis für korrekt halte. Dennoch soll sich Carlsen vorsorglich bis zum Ende der 2. Runde bereit gehalten haben, nochmals ans Brett zu müssen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Magnus keinerlei Anstalten gemacht haben soll, die fragliche Stellung in der Zwischenzeit zu analysieren.

Fehler dieser Art können selbst einem renommierten Schiedsrichter wie Gijssen mal passieren. Mitunter wurde sein Verhalten bei der WM in Elista hart gerügt, doch das Statement mit dem Eingeständnis des Fehlers sowie das rege Bemühen, diesen wieder zu korrigieren, verdienen ebenfalls Respekt. Es ist kaum vorstellbar, dass Morozevich im Nachhinein noch protestieren wird - schließlich hat er das Formular unterschrieben und selbst auf eine Prüfung der Lage verzichtet -, so dass im Grunde niemandem ein Schaden entstanden ist. Nun aber zum Geschehen der heutigen Runde 3...

Alexei Shirov - Peter Leko ½

Das Marshall-Angriff der Spanischen Partie gehört zu Lekos Lieblingswaffen und so war Shirov sicherlich nicht überrascht, als der Ungar ihm diesen heute vorsetzte. Mit einem thematischen Qualitätsopfer entschärfte er die schwarzen Angriffsideen und erlangte dabei die Initiative. Doch das reichte dem Wahl-Spanier schon und er nahm das mit einer Zugwiederholung angebotene Remis nach 27 Zügen an. Immer wieder versucht es besonders Peter Leko, sich durch die schweren Turniere zu remisieren. Gewinnt er eine Partie, dann hat er Recht gehabt, verliert er jedoch eine, dann sind schlagartig auch alle Siegchancen im Turnier gegen Null.

Levon Aronian - Peter Svidler 0-1

Im Duell der beiden besten Chess960-Spieler der Welt griff Svidler mit den schwarzen Steinen wieder zu seiner Lieblingseröffnung - der Grünfeld-Verteidigung. Aronian wich den bekannten Hauptvarianten aus und lockte seinen Gegner auf eher unbekanntes Terrain. Ein spannender Kampf um den Punkt deutete sich an. Peter Svidler verstand die Stellung offenbar jedoch besser, als sein armenischer Gegner und kam zu einem dauerhaften Vorteil, dessen Verwertung jedoch noch einiger Arbeit bedurft hätte, wenn Aronian nicht einen schweren Bock geschossen und nicht die Dame eingestellt hätte. Mit 24.exd4?? brachte er sich selbst um.

Worauf Svidler einfach 24...Te1+ spielte und den vollen Punkt gegen den Weltmeister im Chess960 einstrich. Er hat nun beste Aussichten auf einen der vorderen Plätze am Ende des Turniers.

Magnus Carlsen - Shakhriyar Mamedyarov ½

Zwischen Carlsen und Mamedyarov stand heute die Paulsen-Variante im Sizilianer zur Diskussion und Norwegens Jungstar hatte offenbar keine größeren Probleme, eine aussichtsreiche Stellung zu erreichen. Sehr kreativ versuchte Magnus, seines Gegners habhaft zu werden, doch als er wirklich die Qualität gewann, verfügte Mamedyarov gerade noch über genug Gegenspiel, um den materiellen Vorteil seines Gegners im Remissinne zu neutralisieren. Remis nach 31 Zügen.

Ruslan Ponomariov - Alexander Morozevich 1-0

Dem gefürchteten Keres-Angriff sah sich Morozevich in seiner Schwarzpartie gegen Ponomariov ausgesetzt und gab sich wie gewöhnlich größte Mühe, interessant und entgegen einiger Experten-Empfehlungen zu operieren. Aber der ehemalige FIDE-Weltmeister wies nach, dass Moros Spielanlage seine Nachteile hatte und erspielte sich nach und nach eine gefährliche Druckstellung. Morozevich musste den Gang in ein klar schlechteres Endspiel antreten und nach 53 Zügen ward es um ihn geschehen. Mit einem doppelten Bauernopfer im Läuferendspiel tütete Pono den vollen Punkt mit einer feinen Leistung zur alleinigen Tabellenführung ein. Ein Sieg in Moskau wäre für den schmächtigen Weltklassespieler nach seinem WM-Titel von 2002 einer der größten Erfolge. Morozevich dagegen katapultierte sich auf den letzten Platz, doch wer das junge Schach-As kennt, weiß auch, dass mit ihm noch immer zu rechnen ist. Mit seinem experimentierfreudigen Spielstil und seiner mitunter auf Top-Niveau ungewöhnlichen Eröffnungsvielfalt kann er jederzeit jeden Spieler der Welt schlagen.

Alexander Grischuk - Boris Gelfand ½

Russisch wurde heute nicht nur neben sondern auch auf dem Brett der Begegnung zwischen Grischuk und Gelfand gesprochen. Wie gestern schon gegen Leko spielte Grischuk sehr engagiert und erarbeitete sich mit einem Bauernopfer starkes Spiel. Doch dann verließ ihn offenbar der Mut, die Stellung auszuspielen und bot Gelfand die Teilung des Punktes an, was dieser gerne akzeptierte.

Tal Memorial 2006 (ELO-Ø 2727, Kat. 20)

Stand nach der 3. Runde

Rang

Name (ELO)

Punkte

Leistung

ELO neu

+ / -

1. Ponomariov (2703) 2.5 3004 2714 +11
2. Gelfand (2733) 2 2826 2734 +4
Svidler (2750) 2 2856 2754 +4
4. Aronian (2741) 1.5 2742 2741 0
Leko (2741) 1.5 2727 2740 -1
Mamedyarov (2728) 1.5 2720 2728 0
Shirov (2720) 1.5 2740 2721 +1
8. Grischuk (2710) 1 2604 2706 -4
Carlsen (2698) 1 2614 2695 -3
10. Morozevich (2747) 0.5 2440 2736 -11

Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung abweichen. ELO-Zahlen Stand: Oktober 2006 / Top 100 der FIDE

Nr.

Name (ELO) 1 2 3 4 5 6 7 8

9

10

Punkte Rang
1. Svidler (2750) 1 ½ ½ 2 2.
2. Morozevich (2747) 0 0 ½ 0.5 10.
3. Aronian (2741) 0 1 ½ 1.5 4.
4. Leko (2741) ½ ½ ½ 1.5 4.
5. Gelfand (2733) ½ ½ 1 2 2.
6. Mamedyarov (2728) ½ ½ ½ 1.5 4.
7. Shirov (2720) ½ ½ ½ 1.5 4.
8. Grischuk (2710) ½ ½ 0 1 8.
9. Ponomariov (2703) 1 ½ 1 2.5 1.
10. Carlsen (2698) ½ 0 ½ 1 8.

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 2 1 2 40
2 0 0 5 100
3 1 1 3 60
Total: 3 2 7 Ø 67

Paarungen

Runde 1 - Montag, 06. November 2006

P. Svidler - P. Leko

½

A. Shirov - S. Mamedyarov

½

L. Aronian - A. Morozevich

1-0

M. Carlsen - B. Gelfand

0-1

R. Ponomariov - A. Grischuk

1-0

Runde 2 - Dienstag, 07. November 2006

P. Leko - A. Grischuk

½

B. Gelfand - R. Ponomariov

½

A. Morozevich - M. Carlsen

½

S. Mamedyarov - L. Aronian

½

P. Svidler - A. Shirov

½

Runde 3 - Mittwoch, 08. November 2006

A. Shirov - P. Leko

½

L. Aronian - P. Svidler

0-1

M. Carlsen - S. Mamedyarov

½

R. Ponomariov - A. Morozevich 1-0
A. Grischuk - B. Gelfand

½

Runde 4 - Freitag, 10. November 2006

P. Leko - B. Gelfand
A. Morozevich - A. Grischuk
S. Mamedyarov - R. Ponomariov
P. Svidler - M. Carlsen
A. Shirov - L. Aronian

Runde 5 - Samstag, 11. November 2006

L. Aronian - P. Leko
M. Carlsen - A. Shirov
R. Ponomariov - P. Svidler
A. Grischuk - S. Mamedyarov
B. Gelfand - A. Morozevich

Runde 6 - Sonntag, 12. November 2006

P. Leko - A. Morozevich
S. Mamedyarov - B. Gelfand
P. Svidler - A. Grischuk
A. Shirov - R. Ponomariov
L. Aronian - M. Carlsen
Runde 7 - Dienstag, 14. November 2006
M. Carlsen - P. Leko
R. Ponomariov - L. Aronian
A. Grischuk - A. Shirov
B. Gelfand - P. Svidler
A. Morozevich - S. Mamedyarov

Runde 8 - Mittwoch, 15. November 2006

P. Leko - S. Mamedyarov
P. Svidler - A. Morozevich
A. Shirov - B. Gelfand
L. Aronian - A. Grischuk
M. Carlsen - R. Ponomariov

Runde 9 - Donnerstag, 16. November 2006

R. Ponomariov - P. Leko
A. Grischuk - M. Carlsen
B. Gelfand - L. Aronian
A. Morozevich - A. Shirov
S. Mamedyarov - P. Svidler

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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