TopTurniere Fünfmal Remis in Moskau Heute keine Siege beim Tal Memorial
07.11.2006 - Einige hatten keine großen Ambitionen, andere wollten unbedingt kämpfen, doch am Ende stehen alle 10 Spieler nach der heutigen 2.Runde beim Tal Memorial 2006 mit der gleichen Ausbeute - nämlich einem halben Punkt - da. Heute bewies dieses Spitzenfeld, dass es sich neutralisieren kann. Besonders Levon Aronian und Alexander Grischuk trugen dazu bei, dass die fünf Remisen heute halbwegs als umkämpft beschrieben werden können. Morgen wird es dann zum "518er-Duell" zwischen den beiden Chess960-Weltmeistern Aronian und Svidler kommen.
In einer eher selten gespielten Variante des Scheveninger Systems
im Sizi erspielte sich Leko gegen Grischuk mit den weißen Steinen ohne
große Gegenwehr eine aussichtsreiche Stellung. Grischuk versuchte
daraufhin, den Ungarn mit einem Qualitätsopfer zu besänftigen und Leko
nahm dieses an. Und wirklich, Leko traute dem Braten bzw. der
Mehrqualität nicht so recht und beschloss, diese wieder herzugeben. Doch
Grischuk schlug die Offerte aus und setzte Leko auch mit Minusqualität
ausreichend unter Druck. Nach und nach fand er für seine Kräfte die
richtigen Felder und setzte langsam seine Bauernwalze in Gang. Dagegen
blieb Leko irgendwann nur, irgendwie eine Verteidigung zu ersinnen - und
das mit einer Qualle mehr. Es sollte die längste Partie des Tages
werden, in welcher der Verteidigungskünstler sein volles Repertoire auffahren
musste, um dem nach Gewinn strebenden Russen nicht in die Fänge zu
geraten. Ganze 63 Züge lang knetete ihn Grischuk, bis er ins Remis
einwilligte und Leko sich wieder mal über seine starke Defensive freuen
konnte.
Boris Gelfand - Ruslan Ponomariov ½
Der Beginn im Nimzoinder
zwischen Israels Nr. 1 Boris Gelfand und der einstige Fide-Weltmeister
aus der Ukraine Ruslan Ponomariov versprach einen heißen Tanz. Doch als
Pono seinem Gegner mit Dc7 den Tausch der Ladies anbot, nahm Gelfand
lieber den Spatz in der Hand und nach bereits 23 Zügen herrschte
Frieden.
Alexander Morozevich - Magnus Carlsen ½
Moro und Magnus verbindet seit dem
Schachfestival in Biel diesen Jahres eine besondere Beziehung. Der
norwegische Youngster verpasste dem triumphalen Turniersieg von
Morozevich einen beachtlichen Makel, indem er den Russen im Mini-Duell
mit 2:0 über die Klinge springen ließ. Besonders Moro dürfte diese
Gelegenheit auf eine kleine Revanche gelegen gekommen sein und auch die
Fans vor Ort und an den heimischen Monitoren waren sehr gespannt, was
sich der kreative Russe mit den weißen Steinen gegen den täglich besser
werdenden Carlsen einfallen lassen würde. Letzterer wählte den
Sveshnikov-Sizi als Verteidigung gegen Moros 1.e4, doch der Russe ging
den komplizierten Hauptvarianten neuerlich aus dem Weg und testete den
Norweger in einer ungewöhnlich geschlossenen Stellung. Nach und nach
erlangte Morozevich einen leichten Raumvorteil und drang mit seiner Dame
in des Gegners Stellung. Doch Carlsen errichtete sich eine luftige aber
letzten Endes uneinnehmbare Festung. Remis nach 45 Zügen.
Shakhriyar Mamedyarov - Levon Aronian ½
Die Ragosin-Verteidigung des
Damengambits stand zwischen den beiden aktuellen Shooting Stars der
Schachszene, Shakhriyar Mamedyarov und Levon Aronian zur Diskussion. Der
in Berlin lebende Armenier darf sich seit 20. August diesen Jahres mit
dem Titel des Chess960-Weltmeisters schmücken. Für ihn aber auch für
seinen heutigen Gegner aus Aserbaidschan lässt sich nicht zuletzt seit
der letzten Chess Classic der offene Verdacht aussprechen, dass noch
weitere Titel hinzukommen werden. Bei den letzten Chess Classic
scheiterte Mamedyarov sowohl im Chess960 als auch im traditionellen
Schnellschach nur um Wimpernschläge an einer möglichen Qualifikation für
ein Titelmatch bei den Chess Classic Mainz 2007. In beiden Open landete
er jeweils auf dem zweiten Platz und erregte damit nicht nur das
Interesse und das Wohlwollen der Chess Tigers. Der Co-Sieger vom
Essent Chess
Tournament 2006 holte heute jedoch wenig heraus mit den weißen
Steinen und bald übernahm Aronian die Initiative. Über den Damenflügel
arbeitete sich dieser über die 2. Reihe in die Nähe des weißen Monarchen
vor, doch den entscheidenden Vorteil konnte er dabei nicht verbuchen, da
Mamedyarov tauschte, wann es nur ging. Ein Mehrbauer im Damenendspiel
war die nicht gerade riesige Ausbeute, doch immerhin war es gut genug
für Aronian, noch etwas zu spielen. Erst im 68. Zug endete auch dieses
Begegnung mit einem Remis.
Peter Svidler - Alexei Shirov ½
Zweifelsohne trafen heute in diesem Duell im
wahrsten Sinne des Wortes die beiden Schwergewichte des Turniers
aufeinander, doch zu einem wirklichen Kampf der Giganten kam es zwischen
Peter Svidler und Alexei Shirov am Ende doch nicht. In einer Spanischen
Partie wurde es um den 25. Zug herum mal recht spannend, doch dann fand
Shirov den richtigen Weg zum Ausgleich. Nach 32. Zügen trennte man sich
friedlich.
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Oktober 2006 /
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