TopTurniere Superstarkes Tal Memorial gestartet 4-2750, 5-2747, 7-2741, 8-2741, 10-2733, 12-2728, 14-2720, 17-2710, 20-2703, 21-2698
06.11.2006 - An der Weltranglistenposition und an der Elo-Zahl werdet Ihr sie erkennen. Svidler, Aronian, Morozevich, Leko, Gelfand, Mamedyarov, Shirov, Grischuk, Ponomariov und Carlsen haben sich zum Gedenken an den 8. Weltmeister der Schachgeschichte - den Zauberer aus Riga - Michael Tal - in Moskau versammelt. Mit einem Elo-Schnitt von 2727 erreicht es die selten hohe Kategorie 20, die nicht so ohne Weiteres bei 10 Teilnehmern und ohne die Top 4 der Welt zu erreichen ist. Ein Wiedererwachen der russischen Super-Schachturniere scheint sich Bahn zu brechen und neben der "All-Russian-Championship" ist dieses Turnier etwas ganz Besonderes.
Ohne viel Aufsehen erregt zu haben, startet heute am normalen Werktag das stark besetzte Superturnier in Moskau. Es ist wohl in Russland eine Selbstverständlichkeit, dass diese starken Turniere keine Ankündigung nach westlicher Machart benötigen und ihren Tribut zum RoI (Return of Invest) des Sponsors fordern. Die ganze Öffentlichkeit, inklusive der Schachspieler in Russlands pulsierender Metropole sind ja informiert und um den Rest der Weltschachjünger muss man sich nicht unbedingt kümmern. Schach ist und bleibt an diesem Ort der Erde das Natürlichste von der Welt. Auch ohne die Aufdringlichkeit der russischen Weltmeister Karpov, Kasparov und Kramnik ist es ein Turnier der absoluten Extraklasse. Die Abwesenheit des indischen Superstars Vishy Anand, der in Taschkent (Uzbekistan) gegen einen weiteren Weltmeister Rustam Kasimdzhanov zu einem Match antreten wollte, dass aber letzten Endes wegen Unruhen abgesagt wurde, fällt nicht stark ins Gewicht - man fühlt sich wohl. So ist die Veranstaltung in Moskau auf den ersten Blick ein Turnier ohne Weltmeister - aber halt: es spielt ja der Chess960-Weltmeister von 2003-2006, Peter Svidler und Levon Aronian, der ihn in diesem Jahr bei der Chess Classic in Mainz auf diesem Thron abgelöst hat - beide sind auch hier in Moskau an Position 1 und 2 topgesetzt und zusätzlich spielen der Fide-Weltmeister Ruslan Ponomariov und der kürzlich in Israel gekürte Nachfolger von Michael Tal - Blitzweltmeister Alexander Grischuk.In den nächsten Tagen berichten die Chess Tigers täglich, auch vom Blitzturnier, welches am 18. und 19. November zusätzlich zu den jetzigen Teilnehmern, Anand, Kasimdzhanov, Karpov und die beste Frau der Welt, Judit Polgar, an die Bretter bringt.
Paarungen
Runde 1 - Montag, 6.
November 2006
P. Svidler - P. Leko
1/2
L. Aronian - A. Morozevich
1:0
M. Carlsen - B. Gelfand
0:1
A. Shirov - S. Mamedyarov
1/2
R. Ponomariov - A. Grischuk
1:0
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Aronian (2747)
1,0
+ 5
2.
Ponomariov (2703)
1,0
+ 5
3.
Gelfand (2733)
1,0
+ 5
4.
Svidler (2750)
0,5
2741
2750
0
5.
Mamedyarov (2728)
0,5
2720
2728
0
6.
Shirov (2720)
0,5
2728
2720
0
7.
Leko (2741)
0,5
2750
2741
0
8.
Carlsen (2698)
0,0
- 5
9.
Grischuk (2710)
0,0
- 5
10.
Morozevich (2741)
0,0
- 5
Remis-Statistik
Runde
Weiß-Siege
Schwarz-Siege
Remis
Remis in %
1
2
1
2
40,00
2
3
4
5
6
7
8
9
Total:
2
1
2
40,00
Das erlesene 10er-Teilnehmerfeld in Portraits!
Peter Svidler / Russland / Elo 2750
Levon Aronian / Armenien / Elo 2747
Alexander Morozevich / Russland / Elo 2741
Peter Leko / Ungarn / Elo 2741
Boris Gelfand / Israel / Elo 2733
Shakhriyar Mamedyarov / Azerbajan / Elo 2728
Alexei Shirov / Spanien / Elo 2720
Alexander Grischuk / Russland / Elo 2710
Ruslan Ponomariov / Ukraine / Elo 2703
Magnus Carlsen / Norwegen / Elo 2698
L E B E N und K A R R I E R E des Michael Tal (Kurzbiografie n.
Wikipedia)
Michail Tal wurde 1936 in Riga geboren. Seine Eltern mussten 1941 nach dem Einmarsch der deutsche Wehrmacht Lettland fluchtartig verlassen. Dies gelang auch, allerdings unter Hinterlassung aller Habseligkeiten. Im Alter von sieben Jahren erlernte Tal das Schachspiel. Im Jahre 1949 begann seine lebenslange Zusammenarbeit mit Alexander Koblenz, der als Trainer entscheidenden Anteil an der Karriere Tals hatte. Nach seiner Schulzeit, bei der er zwei Schuljahre übersprang, begann er ein Studium der russischen Sprache und Literatur, das er 1958 mit dem Staatsexamen beendete, um danach Schachprofi zu werden.
1959 gewann er das Kandidatenturnier. Im darauffolgenden Wettkampf 1960 schlug er Michail Botwinnik mit 12,5 zu 8,5 und wurde der 8. Schachweltmeister. Tal verlor jedoch den Revanchekampf ein Jahr später mit 8 zu 13, weil Botwinnik sich akribisch auf den Gegner vorbereitet und eingestellt hatte und über die bessere Physis verfügte. Schon damals hatte Tal gesundheitliche Probleme. Hinzu kam, dass er die Vorbereitung nicht so ernst nahm und einen exzessiven Lebenswandel bevorzugte. Im September 1960 erreichte er seine beste historische Elo-Zahl, 2799. In den Folgejahren nahm Tal immer wieder Anläufe, den Weltmeistertitel zurückzugewinnen: Bei dem Kandidatenwettkampf 1965 verlor er im Finale gegen Boris Spasski, 1968 im Halbfinale gegen Viktor Kortschnoi und 1980 im Viertelfinale gegen Lew Polugajewski.
Überraschend holte Tal in späten Jahren doch noch einen Titel: 1988 wurde er Weltmeister im Blitzschach und wies dabei die gesamte Weltelite in die Schranken. Phänomenal waren auch seine Leistungen bei Schacholympiaden. Zwischen 1958 und 1982 war Tal nicht weniger als acht Mal Mitglied der siegreichen sowjetischen Mannschaft. Mit einem Gesamtergebnis von 81,18 Prozent Gewinnpunkten (82 Punkte aus 101 Partien) hatte er stets großen Anteil am Sieg seiner Mannschaft.
Obwohl er riskant und unbeständig spielte, hatte er auch nach dem Verlust des Weltmeistertitels große Turniererfolge zu verbuchen: So gewann er insgesamt sechs Mal die sowjetische Meisterschaft (1957, 1958, 1967, 1972, 1974, 1978), nur Botwinnik kam auf die gleiche Anzahl. Er blieb in 93 aufeinanderfolgenden Partien (zwischen Oktober 1973 und Oktober 1974) ungeschlagen, was bis heute von keinem anderen Großmeister erreicht wurde. Immer wieder hatte Tal auch Probleme mit den Schachfunktionären der Sowjetunion, weshalb ihm gelegentlich Auslandsreisen verwehrt wurden, und er nicht die Unterstützung bekam, die anderen Schachgroßmeistern in der Sowjetunion zuteil wurde. Er spielte auch in der deutschen Bundesliga, z.B. in der Saison 1989/90 an Brett 1 von SK Zehlendorf, im Jahr darauf bei der SG Porz.
Zeit seines Lebens machte ihm seine Gesundheit zu schaffen. Obwohl er schwer nierenkrank war, rauchte er viel, trank exzessiv und war zeitweilig morphiumabhängig. Dies ist auch ein Grund für seine starken Leistungsschwankungen. Am 28. Juni 1992 erlag er seinem Nierenleiden in einem Moskauer Krankenhaus. Noch heute gehört Michail Tal zu den besten Schachspielern der Geschichte. Neben Verwandten in Israel und Belgien leben heute seine Tochter Jeanna Tal sowie seine Enkeltochter Ruth-Alexandra Dimant in Deutschland.
S P I E L - S T I L
Tals Stil war sehr taktisch geprägt, spektakulär, aber auch risikoreich. Oft gelang es ihm, wie aus dem Nichts unter Materialopfer einen Angriff zu starten, gegen den seine Gegner am Brett keine ausreichende Verteidigung fanden, der aber sehr oft einer eingehenden Analyse nicht standhielt. Wegen dieses spektakulären Stils war Tal bei den Schachfans außerordentlich populär, zumal er auch persönlich umgänglich und unkonventionell war. Tal gehört auch zu den Spielern, denen man Schachbesessenheit und einen hypnotischen Blick nachsagte. Beim Interzonenturnier 1959 trat der amerikanische Großmeister Pál Benkö sogar mit einer Sonnenbrille an, um sich vor Tals Blick zu schützen, verlor die Partie aber dennoch.Tal gilt auch als hervorragender Kommentator, der sich nicht in einer Vielzahl von Varianten verliert, sondern den Blick aufs Wesentliche richtet. Sein Buch über seinen erfolgreichen Weltmeisterschafts-Kampf mit Botwinnik gilt als ein Klassiker der Schachliteratur.