TopTurniere Fide-WM: Entscheidung vertagt Jetzt muss der Tie-Break oder Lausanne entscheiden
12.10.2006 - Der Großteil der Schachwelt meint, es seien erst 11 reguläre Partien gespielt, doch in Chess City wird nunmal in diesen Tagen etwas anders gerechnet, und daher muss sich Valdimir Kramnik vorerst damit abfinden, dass er laut FIDE nach zwölf Partien mit Veselin Topalov in den Tie-Break muss. Dieser soll am morgigen Freitag, den 13. ausgetragen werden und wird über maximal 4 Schnellschachpartien (25 Minuten + 10 Sekunden) gespielt. Bringt das auch keinen Weltmeister, sollen zwei Blitzpartien (5 Minuten + 10 Sekunden) gespielt werden. Abschließend würde ein "Sudden Death"-Finale folgen, in welchem Weiß 6 Minuten erhält und dafür gewinnen muss, während Schwarz nur 5 Minuten erhält, ihm aber dafür zum Titel ein Remis reicht. Drücken wir fest die Daumen, dass uns wenigstens dieses unwürdige Szenario erspart bleibt!
Unabhängig von den
schlimmen Ereignissen neben der Bühne kann man beiden
Weltklassespielern in keiner Partie vorwerfen, dass sie nicht
immer nach dem Optimum gestrebt hätten. Sicherlich spielte Vladimir
Kramnik seinem Stil und der frühen Führung geschuldet etwas
zurückhaltender, doch er wusste fast immer, Veselin Topalov in
seinen Angriffsbemühungen zu bremsen. Und so kam es auch heute,
dass wieder eine hoch interessante Slawisch-Stellung zur Debatte
stand, in der Topalov den Königsangriff suchte, den Kramnik jedoch
am Damenflügel quasi neutralisierte. Mehr vermochten die sichtlich
Bemühten jedoch nicht aus der Stellung herauszupressen, und so
sahen beide Weltmeister nach 45 Zügen keine andere Lösung als den
gerechtfertigten Friedensschluss. Somit muss nun also der
Tie-Break oder sogar das Sportgericht in Lausanne die Entscheidung
bringen.
Kramnik, Vladimir (2743)
Topalov, Veselin (2813)
Fide-Weltmeisterschaft in Elista (12), 12.10.2006 D12
- Slawisch
Na, das kennen wir doch bereits!
In der 9. und 11. Partie stand diese Stellung schon zur Diskussion. Doch
dort führte Kramnik jeweils die schwarzen Steine. Einige Fans hofften
schon, Kramnik würde versuchen, Topalov mit dessen eigener Vorbereitung
zu schlagen, doch mit seinem nächsten Zug beschritt der Russe früh
eigene Wege. 8.g3 Das ist in der Praxis geläufiger als 8.a3
(Topalov - Kramnik, Fide Wch 2006 (9) Elista (1–0)) und 8.Tb1 (Topalov -
Kramnik, Fide Wch 2006 (11) Elista (½–½)) 8...Sbd7 9.Ld2 Lb4 10.Db3
Lxc3 11.Lxc3 Se4 12.Lg2 Sxc3 13.Dxc3 f5 14.0–0 Eine denkbare
Alternative stellt beispielsweise auch 14.0–0–0!? dar. (Short)
14...De7
15.cxd5 "Das sieht etwas
schlapp aus, aber möglicherweise kommt der Minoritätsangriff schneller,
als man denkt." (Short) 15...exd5 16.b4 Sf6 17.Tfc1 Se4 17...0–0?
18.b5 cxb5 19.Db3 Dd7 20.Tc5± (McShane) 18.Db2 Weiß steht hier
laut Nigel Short etwas besser, da Schwarz momentan lediglich über
Mattideen auf h2 verfügt, welche jedoch schwer zu realisieren seien. Der
weiße Minoritätsangriff befindet sich dagegen im vollen Gange.
18...0–0 19.b5 Tac8 20.bxc6
bxc6 21.De2 g5 22.Tab1 Dd7 23.Tc2 Tf6 24.Tbc1?! Warum verdoppelt
Kramnik auf den bestens gedeckten c-Bauer? Logischer sah sofort 24.Da6
aus. 24...g4 25.Tb2 Und jetzt doch wieder auf die b-Linie... Das
hätte Weiß auch schneller haben können. 25...Th6 26.Da6 "Mit dem
Läufer auf g2 wird Weiß niemals matt. Sogar nach Dxh2+ käme Kf1 und Weiß
gewinnt am Damenflügel." (l'Ami)
26...Tc7 27.Tb8+ Kh7 28.Da3
Tb7 29.Df8
29.Ta8!? (Regan, K.) 29...Txb8 30.Dxb8 Ein sehr kritischer
Moment. Schwarz könnte mit Sd2/g5-f3 einen gefährlichen Angriff
einleiten, doch Weiß verfügt über einiges Gegenspiel am Damenflügel.