Nachrichten Übervater Kasparov heizt die Gerüchteküche an Schweizer Banker locken mit Rückzug vom Pensionärsleben
01.08.2006 - Oooops, unsere jüngste Baku-Boy-Story mit "Übervater Kasparov" entpuppte sich als - na ja - verbesserungsfähig, was das Timing betrifft. Ohne Rücksprache mit dem Redaktions-Team der Chesstigers bestätigte Kasparov der russischen Zeitung Kommersant seine Rückkehr ans Schachbrett - anlässlich eines Vierer-Matches am 22. August 2006 in Zürich. Ebenfalls mit von der Partie sind Karpov, Judit Polgar und Viktor Korchnoi.
Von der FIDE den Hals gestrichen voll:
Kasparov kehrt in Zürich ans Brett zurück.
Foto: Kommersant/Dmitry Azarov
Kasparovs Rücktritt vom Rücktritt wurde letzte Woche von der
russischen Zeitung Kommersant bestätigt.
Gleichzeitig wurden Gerüchte genährt, dass die Erhöhung des
Preisgeldes beim nächsten Zyklus der FIDE Weltmeisterschaft eine goldene
Brücke für den 13. Weltmeister Kasparov sei, um wieder in das
professionelle Schach zurückzukehren.
Doch offensichtlich sind die Gräben zwischen FIDE-Präsident
Ilyumzhinov und Kasparov noch immer wqeit offen - zu tief sitzt bei Kasparov
die Enttäuschung über die "Erniedrigung der letzten drei Jahre",
wie Mutter Klara Kasparova es formulierte. Nach Kasparovs schriftlicher
Rücktrittserklärung hatte sich FIDE-Präsident Ilyumzhinov
nie wieder bei Kasparov gemeldet.
Überväter vergessen das nicht so schnell. Somit erscheint es der
Zeitung Kommersant zufolge, daß der neue Weltmeisterschafts-Zyklus mit
Kasimdzhanov sowie Viswanathan Anand (Indien) oder Peter Leko (Ungarn)
gespielt würde. Die Lokalität steht auch schon fest: gespielt
wird in der Türkei. Falls nicht, findet das Match in Qatar statt. Sollte
auch dieser Spielort nicht zustimmen, bleiben dann noch die United Arab
Emirates übrig.
Im Gegensatz zur FIDE haben die Organisatoren des Vierer-Matches in
Zürich um Banker Dr. William Wirth konkrete Fakten geschaffen.
Wahrscheinlich inspiriert von der Unzicker-Gala anlässlich der
letztjährigen Chess Classic Mainz haben die Schweizer keinen geringeren
als Übervater Kasparov zur Reise an die Limmat überzeugt. Dort hält er
anlässlich der 150-Jahr-Feier der Credit Suisse einen Vortrag zum Thema
Schach und Unternehmensführung. Am 22. August ab 12:00 Uhr werden im Lichthof
der Credit Suisse Einkaufspassage am Zürcher Paradeplatz sechs
"Jubiläumspartien" zwischen Kasparov, Karpov, Kortchnoi und Judit Polgar gespielt. Danach gibt
es "Kasparov auf Augenhöhe": In einem Simultan spielt er gegen Gäste.
Anmeldungen sind noch bis zum 3. August
>>>hier möglich.
Im Interview mit Andreas Schiendoerfer vom Credit-Suisse "emagazine"
äusserte er sich über seine wahre Motivation:
Einmal mehr werden Sie mit Karpow, Kortschnoi und Polgar
zusammenkommen. Was bedeuten Ihnen solche Treffen?
"Nun, ich muss sagen, dass mir mein Rücktritt vom
Wettkampfschach vor jenem Viktor Korchnois etwas zu denken gibt. Als
ich „Viktor dem Schrecklichen" erstmals 1982 in Luzern in einem
Ernstkampf begegnete, war ich 19 und er 51. Heute bin ich Pensionär
und Korchnoi misst sich als Aktiver noch immer mit Teenagern!"
Selbstverständlich werden dabei schöne Erinnerungen an die grossen
alten Tage wach: Weltmeisterschaftspartien, Rampenlicht, Spitzenschach
und grossartige Wettkämpfe. Wie haben alle vier, jeder auf seine
Weise, enorm viel für unseren Sport getan. Aber trotz den ergrauten
Gentlemen auf der Bühne denke ich, dass nicht nur die junge Judith mit
einer kämpferischen Einstellung am Brett sitzen wird.