TopTurniere Favoriten-Trio wieder enger beisammen Carlsen - Morozevich 2:0!
31.07.2006 - Magnus Øen Carlsen aus dem norwegischen Lommedalen ist schon jetzt einer der großen Gewinner des Großmeisterturniers, denn eines ist ihm bereits nicht mehr zu nehmen - der 2-0 Sieg im Minimatch gegen Alexander Morozevich. Genau, gegen den Morozevich, der sämtliche Konkurrenten in Biel nach Belieben beherrscht - nur eben den einen nicht, Magnus Carlsen. Dabei hatte der Russe, auf den wir uns auch in diesem Jahr bei den Chess Classic riesig freuen, seinen jugendlichen Gegner schon heftig in der Mangel. Aber eine kleine Unaufmerksamkeit und er bekam die geballte taktische Kraft des jungen Megatalents zu spüren. Die beiden anderen Begegnungen des Tages endeten nach heftigem Gerangel im Remishafen, wobei man anmerken sollte, dass dies Unentschieden waren, die wir immer wieder gerne sehen. Mit großem Mut zum Risiko ausgekämpfte Partien auf einem hohem Niveau sind auch etwas Feines für den Schach-Gourmet!
Dass Teimour Radjabov gegen Yannick Pelletier mit den weißen Steinen
gewinnen wollte, versteht sich von selbst. Zumal er sicherlich noch
Hoffnungen auf den Turniersieg hegt und da sollte man schon versuchen,
den Tabellenletzten zu besiegen. Doch der Schweizer hat nach wie vor
keine andere Waffe, als das Spielen auf ein Remis zu bieten. Oft ist man
auf diesem hohen Niveau auch auf Gegner angewiesen, die etwas versuchen
und nicht nur auf den rechten Moment für ein Remis warten. Radjabov
versuchte wirklich alles und opferte sogar eine Figur für zwei Bauern.
Danach waren eigentlich sogar die schwarzen Chancen höher einzuschätzen,
doch da Pelletier ja nicht gewinnen will... Remis nach 41 Zügen.
Lazaro Bruzon - Andrei Volokitin 1/2
Wie auch die anderen schenkten sich Lazaro Bruzon und Andrei
Volokitin nichts. Möglich, dass die Remisbreite nie ernsthaft
überschritten wurde, aber beide gaben sich die größte Mühe, den anderen
zu besiegen. Jeder hatte seine Ideen und immer ein Auge auf die des
Gegners. So war das Remis zwar unausweichlich, aber stolze 79 Züge
zeugen davon, dass sich nicht geschont wurde. Und die Zuschauer haben
eine spannende Partie mit einem gerechten Ausgang gesehen.
Alexander Morozevich - Magnus Carlsen 0-1
Dass Alexander Morozevich in Biel einen wahren Lauf hat, ist sicher
nicht nur seinem heutigen Gegner Magnus Carlsen aufgefallen. Daher
musste der Norweger unbedingt damit rechnen, dass ihn heute mit den
schwarzen Steinen eine schwere Partie erwarten würde. Nicht zuletzt
hatte Carlsen in der zweiten Runde Morozevich dessen einzigen
Punktverlust zugefügt und das wollte der Tabellenführer unbedingt
ausgleichen. Gegen Carlsens Sizilianer wählte Moro die
Rossolimo-Variante und wurde von des Gegners 5...Sd7!? sicherlich
überrascht. Darf man so gegen einen Spieler vom Format eines Morozevich
spielen? Nein! In der Folge spielte nur noch der Russe und das
bärenstark. Optimal legte er sich den Gegner zurecht und nötigte ihm
sogar ein Damenopfer ab. Doch dann geschah exakt das, was schon jeder
bessere Vereinsspieler kennt und hasst - Moro fand den "Killer" nicht
und unterschätzte zudem das Gegenspiel von Carlsen. Urplötzlich drehte
sich die Stellung um 180 Grad. Carlsen fand eine saubere Abwicklung in
ein einfach gewonnenes Endspiel, welches er auch nicht mehr aus der Hand
gab. 2-0 für den jungen Norweger gegen den alten Hasen Morozevich, der
sich zudem in einer ausgezeichneten Form befindet. Magnus Carlsen ist
eindeutig ein Mann für die Zukunft, der uns und sich noch viel Freude
bereiten wird.
Morozevich, Alexander
(2731) - Carlsen, Magnus (2675) 39. Int. Schachfestival Biel (7),
31.07.2006 (B30) (Chess Tigers)
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.Lxc6 dxc6 5.d3 Sd7!? Dieser Zug
ist zwar keineswegs neu, doch auf höchster Ebene sehr selten gespielt.
6.Lf4 g6 7.Dc1 Lg7 8.Lh6 Da5+ 9.c3 Se5 10.Sxe5 Lxe5 11.Sd2 Da6
12.Dc2 Le6 13.f4 Lc7 14.0-0 f6 15.c4!0-0-0?! 16.a4! Td7 17.a5
Thd8 18.Ta3! Lxa5?! 19.f5 Lf7 20.fxg6 hxg6 21.e5 Le6 22.exf6 exf6 23.Sb3
Txd3 24.Sxc5 Lb6 25.Txa6 Lxc5+ 26.Kh1 bxa6 Weiß steht zwar besser,
aber gewonnen sieht anders aus! Das schwarze Gegenspiel von Turm- und
Läuferpaar ist durchaus real. 27.Lg7?? Das wirft die Partie mit
einem Zug weg.
Deutlich stärker ist beispielsweise 27.b4! Lb6 (27...Lxb4?
28.Da4+-) 28.c5 Lc7 29.De2! +/-. 27...Lg4!! Carlsen ist ein
ausgezeichneter Taktiker und lässt sich diese einmalige Gelegenheit
natürlich nicht entgehen. Plötzlich steht Weiß vor einem Scherbenhaufen.
Es droht schlicht Td1!
28.b4 Noch das Beste, aber doch etwas zu spät. 28...Le3!
29.h3 Luft! Der König braucht Luft, doch die muss er nun teuer
bezahlen. 29...Td1 30.Txd1 Txd1+ 31.Kh2 Lf4+ 32.g3 Td2+ -+
Schwarz steht auf Gewinn.