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Finale Ciudad de Leon: Anand schlägt Topalov 2,5:1,5
Schnellschach-Weltmeister zeigt Fide-Weltmeister wo Bartel den Most holt.
11.06.2006 - Die olympischen Schachspiele von Turin sind endgültig abgehakt. Unser Königstiger Viswanathan Anand zeigt dem in letzter Zeit von Sieg zu Sieg eilenden Oscarpreisträger, Fideweltmeister und Weltranglistenführenden, Veselin Topalov, wer Chef im Schnellschachring ist. In seiner Paradedisziplin "Rapid", mit 20min Basisbedenkzeit und 10 Sekunden pro ausgeführtem Zug, lässt er beim sicheren Sieg in Leon (Spanien) dem Bulgaren nicht den Hauch einer Chance. Ein glückliches Händchen hatten die Organisatoren der Chess Classic Mainz 2006, dass sie dieses einseitige Match nicht über 8 Partien wiederholen. Veselin Topalov ist momentan der König des Schachs mit traditioneller Bedenkzeit, aber im Schnellschach ist er nicht der härteste Gegner beim Kampf um den Schnellschach-WM-Titel, da werden dem 20-jährigen, azerbaijanischen ORDIX Open Sieger von 2005 ,Teimour Radjabov, von den sogenannten Experten im August 2006 in der Rheingoldhalle in Mainz, ganz andere Chancen eingeräumt.

Im ersten Halbfinale beim Ciudad de Leon konnte der Inder Viswanathan Anand den Kubaner Lazaro Bruzon erst nach hartem Kampf im "Sudden Death" Tiebreak bezwingen. Der kubanische Nachwuchsstar hatte in allen vier Schnellpartien mit 20min/+10s locker stand gehalten und ging sogar in der 1.Stechpartie mit der Blitzbedenkzeit 5min/+0s in Führung. Der wohl beste Schnellschachspieler aller Zeiten glich postwendend in der 6.Partie aus und stellte nach einem weiteren Remis in der 8.Partie mit 4,5:3,5 Punkten den verdienten Sieg sicher.

Im zweiten Halbfinale hatte es der in Spanien lebenden Fide-Weltmeister Veselin Topalov mit dem spanischen Spitzenspieler Francisco Vallejo Pons zu tun. Der Bulgare ging mit 2:0 in Führung und konnte schon in der 3.Partie mit einem ausgekämpten Remis den Einzug ins Finale feiern. In der bedeutungslos gewordenen 4.Partie erzielte schließlich "Pako" den Ehrentreffer und betrieb mit den Endstand zum 2,5:1,5 ein wenig Kosmetik.

Die Größten auf unserem Planeten


Der Sieger: Schnellschach-WM V. Anand / Der Verlierer: Fide-WM V. Topalov

Damit war das Traumfinale der beiden Weltmeister und Weltranglistenführenden Topalov und Anand perfekt. Bei herrlichem Wetter wurden am heutigen Sonnentag gegen 16:30 Uhr MEZ die Uhren angestellt und Anand musste sich zuerst mit Schwarz der heftigen katalanischen Angriffe erwehren, um dann im 20.Zug total auszugleichen. Im 67.Zug stellte Topalov mit einem Bauern mehr am gleichen Flügel alle Bemühungen ein, remis.

In der zweiten Partie zeigte dann der "Tiger von Madras", dass seine gewaltigen Pranken auch stark genug sind, um Topalovs remisträchtige "Berliner Mauer" der spanischen Verteidigung niederzureißen. Im 50.Zug musste der zähverteidigende und entnervte "langsame" Weltmeister aufgeben.

In der dritten Partie machte der indische Nationalheld gegen die scharfen spanischen Attacken des weißspielenden Veselin Topalov mit stoischer Ruhe remis und hatte es dann mit Weiß selbst in der Hand mit ruhigem 1.d4 leicht zu remisieren.

Nein, auch in der vierten Partie blieb er seinem geliebten harten 1.e4-Aufschlag treu und forderte seinerseits den Killer im sizilianischen Gewand, Topalov, zu einem Gefecht auf Leben und Tod heraus. Musste doch Veselin alles riskieren, um den Ausgleich zu erzielen und so in die schnellen Tie-Break zu kommen, wo er nach eigener Aussage sowieso keine Chance hat gegen den "Schnellsten" Schachspieler auf dem Planeten zu bestehen - aber er wollte sie nutzen. Vishy konnte Topalov in der Partie immer stark beschäftigen und hatte nach dem Qualitätsopfer eine überragende Position. Der achtfache Chess Classic Gewinner brauchte nur ein Remis, spielte mit dem sich verzweifelt wehrenden Weltmeister "Katz' und Maus" und hatte nach 61 Zügen den 2,5:1,5 Sieg in der Tasche. Schade Vishy, dass es für Schnellschach keine Elo-Punkte gibt, sonst wärst Du sicher schon seit langer Zeit die alleinige Nr.1 in der Weltrangliste, so musst Du aber wieder viele 7-Stunden-Partien spielen, um das verlorene Terrain von Turin wieder aufzuholen.

In der Fußballersprache - und gerade während einer Weltmeisterschaft -, würden analog zu den nationalen Fussballfans, die Chess Tigers Familie normalerweise sagen: "Wir haben Topalov geschlagen", aber im seriösen Wettkampfschach lässt man gerne dem Induvidualisten den Sieg für sich alleine, auch wenn man nicht wenig Stolz auf den Sieg des eigenen Vereinskameraden ist. Herzlichen Glückwunsch, Schnellschach-Kaiser Vishy!

Hans-Walter Schmitt

Published by Hans-Walter Schmitt

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