21.05.2006 - Ein tolles Finale haben die Stars in der Hauptstadt Bulgariens beim M-Tel Masters sich und den Fans geliefert. Die Weichen für seinen Erfolg stellte Veselin Topalov selbst mit einem blitzsauberen Sieg gegen Etienne Bacrot. In einer Kampfpartie gab Vishy Anand nämlich gegen Ruslan Ponomariov mit den schwarzen Steinen noch mal alles und hätte dem Weltmeister durchaus gefährlich werden können, wäre es ihm gelungen, den Ukrainer in überlegener Stellung zu besiegen. Doch dieser nutzte einen Fehler seines Gegners, um noch ins Remis zu entwischen. Der zuvor beständig Führende Gata Kamsky erspielte sich keinerlei Siegchancen gegen Peter Svidler und sicherte sich mit dem Remis den 2. Platz.
In der 6. Runde noch hatte es für
Topalov eine deftige Niederlage gegen Peter Svidler gegeben und kaum
einer hat noch ernsthaft auf den Weltmeister als Siegkandidat gesetzt.
Doch dann ließ der Bulgare eine Serie von 4/4 folgen und schiebt sich
damit tatsächlich noch auf den alleinigen 1. Platz. Davor kann und muss
man ehrfürchtig den Hut ziehen und begeistert Beifall spenden.
Bezüglich Kontinuität und
Spielstärke ist ihm nach wie vor nur Vishy Anand ernsthaft gewachsen,
der jedoch irgendwie nicht über diesen Gata Kamsky hinweg kommt.
Letzterer hat Vishy in seiner Karriere schon so manches mal geärgert und
auch heuer tut sich der Tiger ungewöhnlich schwer gegen den Amerikaner
russischer Schule. Viele hatten sicherlich zuvor darauf getippt, dass
der das Turnier gewinnt, der gegen den vermeintlichen Underdog Kamsky
den deutlichsten Score aufweist. Dass sich dieser so ungewöhnlich wehren
und nur eben gegen Topalov chancenlos sein würde, überraschte vielleicht
sogar Gata selbst. Für ihn ist der zweite Platz in Sofia jedenfalls ein
riesiger Erfolg und Schritt auf dem Weg zurück in die Weltspitze. Seine
ELO-Zahl nähert sich wieder der 2700 und sobald sein
Eröffnungsrepertoire zurück auf dem neuesten Stand ist, muss sich die Schachwelt
noch auf so manche Heldentat durch den verheirateten Vater eines Sohnes einstellen.
Darf, wie hier bei der WM 2005 in San Luis, wieder jubeln - Veselin Topalov
Vishy Anand darf - aber wird nicht -
völlig zufrieden sein mit dem 3. Platz. Entscheidend war wohl die
Niederlage gegen Topalov in der 7. Runde, die erst verdaut werden
wollte, während dadurch beim Bulgaren ein wahrer Höhenflug ausgelöst
wurde. Der Inder hat beim M-Tel Masters wieder mit das interessanteste
und aktivste Schach geboten und zum wiederholten Male bewiesen, dass der
Weg zum Erfolg nur über ihn führt. Wer vor Vishy in der Tabelle landet,
ist mit Recht stolz - wer hinter ihm landet braucht sich jedoch nie zu
schämen.
So auch Chess960-Weltmeister Peter
Svidler. Natürlich hätte auch er nichts dagegen einzuwenden, so ein
Event vor Topalov und Anand zu beenden und zweifelsohne gehört er zu den
Wenigen, die das können, doch letzten Endes waren nicht mehr als
respektable 50% und Platz 4 drin. Damit bestätigt Svidler seine hohe ELO
und wird sich im Nachhinein besonders positiv an seinen tollen Sieg
gegen den Turniersieger erinnern.
Tja, Etienne Bacrot und Ruslan
Ponomariov mussten das Schicksal ertragen, mehr als Punktelieferant denn
als ernsthafte Titelkandidaten herhalten zu müssen. Zumindest von Pono
hatte sich der eine oder andere Fan doch mehr versprochen, aber der
Ukrainer fand - wie auch sein französischer Leidensgenosse - nie ins Turnier, agierte mitunter
scheinbar planlos und wurde dafür immer wieder bitter bestraft. Für
Bacrot bedeutet dies temporär knapp den Verlust der 2700+, doch er und
Ruslan sind bekanntlich noch junge Hüpfer und bergen Potential, von
dem jeder Amateur nicht mal im Traum zu träumen wagt.
Abschließend muss das Fazit zum
M-Tel Master 2006 in Sofia durchweg positiv ausfallen. Die
gewöhnungsbedürftige Remisregelung - Remis gab es nur bei technischer
Remisstellung, Zugwiederholung und Dauerschach und nur auf Antrag beim
Schiedsrichter und nicht an den Gegner! - vermochte die moderate
Remisquote von 50% auch nicht wirklich zu drücken, doch das Publikum
bekam mehr ausgekämpfte Partien und auch den einen oder anderen
Endspielschnitzer zu sehen. Schade ist eben nur, dass man die Spieler
durch Regelungen dazu zwingen muss, das zu tun, was den Fans doch so
gefällt. Auch die Diagramme bei der Live-Übertragung waren "eine Spur" zu orange, doch wie erfahrene Organisatoren wissen: Ein paar Verbesserungen muss man sich immer für das nächste Turnier aufheben. Und so freuen wir uns auf das M-Tel Masters 2007 und es bleibt nur noch zu sagen:
Glückwunsch, Veselin Topalov!
Endstand nach 10 Runden
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Topalov (2804)
6,5
2842
2809
+5
2.
Kamsky (2671)
6
2831
2693
+22
3.
Anand (2803)
5,5
2769
2798
-5
4.
Svidler (2743)
5
2745
2743
0
5.
Bacrot (2708)
3,5
2643
2699
-9
Ponomariov (2738)
3,5
2637
2724
-14
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Mai 2006