18.05.2006 - Im Vorfeld zum M-Tel Masters wurde natürlich munter spekuliert, wer denn der stärkere Schachspieler sei - Veselin Topalov oder Vishy Anand. Doch auch in Sofia wird diese Frage vermutlich nicht endgültig geklärt werden, denn das Mini-Match zwischen die beiden Topstars unter den anderen Stars in diesem Turnier endete 1:1. Heute revanchierte sich Topalov bei dem Inder für die deftige Erstrundenniederlage mit einem fein herausgespielten Sieg über diesen. Da jedoch Gata Kamsky gegen einen sichtlich unsicher agierenden Etienne Bacrot mehrfach die ihm gebotenen Chancen nicht nutze und auch nur einen halben Punkt erzielte, wird die morgige Partie zwischen ihm und Vishy Anand möglicherweise eine Vorentscheidung sein.
Das Ziel wieder fest im Blick? - Weltmeister Veselin Topalov
Die Partie zwischen Anand und Topalov war Hochspannung pur bis zum
letzten Zug. Vishy wählte mit 6.f3 eine weniger erforschte Variante des
Najdorf-Sizis in der deren Verlauf Topalov einen Bauer gab, um die
Initiative zu erlangen. Fortan stand der Inder unter Dauerdruck, den der
Bulgare mit Geduld nach und nach vergrößerte. Schließlich zwang
Letzterer seinen Gegner in ein schwieriges und wohl auch schlechteres
Endspiel, in dem sich Vishy lange wehrte doch letztlich unterlegen war.
In puncto Turniersieg stehen unserem Tiger aber nach wie vor noch alle
Türen weit auf, doch auch Topalov wittert jetzt noch mal Morgenluft.
Der erste Sieg! - Ruslan Ponomariov
Die morgige Partie zwischen Kamsky und Anand könnte den
entscheidenden Fingerzeig dazu geben, wer letzten Endes die Nase vorn
haben wird. Dabei hätte der Amerikaner heute eine gute Chance gehabt,
beinahe uneinholbar zu führen. Mit den schwarzen Steinen erspielte er
sich gegen einen viel zu passiv agierenden Etienne Bacrot eine
aussichtreiche Angriffsstellung, doch er verpasste im richtigen Moment
die beste Fortsetzung. Danach hatte der Franzose relativ wenig Mühe, das
offenbar angestrebte Remis unter Dach und Fach zu bringen.
Nichts mehr zu verlieren hatte Ruslan Ponomariov, wenn man seine
bisherige Turnierleistung betrachtet. Das spürte man auch in seiner
heutigen Partie gegen Peter Svidler. Von Beginn an versuchte der
Ukrainer seinen russischen Nachbarn unter Druck zu setzen, doch Svidler
fand immer wieder die richtigen Züge, um die Stellung im ungefähren
Gleichgewicht zu halten. Doch dann, scheint es, überschätzte er seine
Chancen am Königsflügel und im Zentrum und sah sich alsbald von seinem
Gegner ausgekontert. Das resultierende Turmendspiel mit Minusbauer war
glatt verloren, was Pono auch bewies. Dennoch sind auch die Chancen des
mehrfachen Chess960-Weltmeister auf den Turniersieg noch immer
vorhanden. Punktgleich mit Topalov ist ihm morgen gegen einen
schwächelnden Bacrot durchaus der volle Punkt zuzutrauen.
Tabelle nach der 7. Runde
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Kamsky (2671)
5
2910
2694
+23
2.
Anand (2803)
4
2790
2802
-1
3.
Svidler (2743)
3,5
2752
2744
+1
Topalov (2804)
3,5
2744
2798
-6
5.
Bacrot (2708)
2,5
2644
2702
-6
Ponomariov (2738)
2,5
2631
2728
-10
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Mai 2006