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Keine Punktgleichheit in Sofia
Ist Kamsky noch zu stoppen?
17.05.2006 - Er hat noch nicht genug. Gata Kamsky gibt nach wie vor beim M-Tel Masters im bulgarischen Sofia den Ton an. In der heutigen 6. Runde heftete er einen weiteren Weltmeister-Skalp an seinen Gürtel und übernimmt damit wieder die alleinige Führung, nachdem Hauptkonkurrent Vishy Anand in seiner Partie mit einem Remis zufrieden sein musste. Dagegen muss Weltmeister Topalov jegliche Siegambitionen in seiner Heimat begraben. Der russische Weltmeister im Chess960, Peter Svidler, fügte ihm seine zweite Niederlage im Turnier bei und sicherte sich so selbst noch ein gehöriges Mitspracherecht im Kampf um den Titel. Besonders interessant ist, dass alle 6 Teilnehmer nach 6 Runden über unterschiedliche Punktzahl verfügen.

Homepage M-Tel Masters

"Erster!" - Gata Kamsky

Wer nach der Niederlage gegen Topalov und dem Ruhetag auf ein Einbrechen des ehemaligen Top Ten-Spielers Gata Kamsky gewartet hatte, wurde heute eines Besseren belehrt. Der Amerikaner russischer Herkunft besiegte den ehemaligen Fide-Weltmeister mit den weißen Steinen und macht mit Nachdruck klar, dass er wieder in der Liga der Besten mitspielen will. Sollte ihm tatsächlich der Coup gelingen, das M-Tel Masters zu gewinnen, könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Kamsky wieder zu alter Stärke gefunden hat. Doch noch stehen ihm einige ELO-Riesen im Wege, die nun besonders hungrig auf einen Sieg gegen den planmäßigen Underdog sein werden. Für Ruslan Ponomariov ist Sofia eine komplette Katastophe. Eklatant ist die Schwäche mit den schwarzen Steinen, denn mit denen ist ihm bisher im ganzen Turnier noch kein halber Punkt geglückt. Für den einstigen Weltmeister kommt es jetzt nur noch darauf an, den Schaden - so weit es geht - zu begrenzen.

Grandioser Schwarzsieg gegen Topalov - Peter Svidler (rechts) hier bei den Chess Classic 2005 im Chess960-Duell gegen
The Baron und Richard Pijl (links)

Ein heißes Tänzchen hatte Vishy Anand gegen Etienne Bacrot zu tanzen. Der Inder erlaubte dem Franzosen, sich im berühmten Marshall Angriff der Spanischen Verteidigung zu üben und als er nach einem aussichtsreichen Qualtitätsopfer auf d4 mit dem Vorstoß e4-e5 zögerte, verdoppelte Schwarz gefährlich die Türme auf der e-Linie. Möglicherweise hätte Bacrot die Damen nicht tauschen sollen und dann deutlich besser gestanden, doch wer will es ihm verübeln, dass er den Übergang in ein nur leicht besseres Endspiel wählte? Nach dem bisherigen Turnierverlauf war ihm der Spatz in der Hand - also das sichere Remis gegen den Tiger - wichtiger als ein riskanteres Spiel auf Gewinn. Anand zeigte jedoch keine weiteren Schwächen und so war das Remis nach glatt 50 Zügen das gerechte Ergebnis für diese Partie. Morgen wird Vishy mit den weißen Steinen auf einen sicherlich vor Wut schnaubenden Topalov treffen. Das Duell der beiden 2800-Giganten könnte bereits eine Vorentscheidung um die Führung in der nächsten Weltrangliste sein.

Bei Peter Svidler scheint sich seine Beharrlichkeit im Grünfeldinder bezahlt zu machen. Jedenfalls erspielte sich der Chess960-Guru und Dauergast der Chess Classic gegen Veselin Topalov eine schöne Angriffsstellung, die Letzterer durch ein Bauernopfer zu entschärfen versuchte. Doch der entstandene schwarze Doppelbauer auf der c-Linie war alles andere als schwach und sicherte dem Russen einen dauerhaften Endspielvorteil. Schließlich musste der Weltmeister seinen Läufer für beide Bauern hergeben und schlechtes Endspiel mit lediglich zwei Bauern gegen den Läufer verwalten. Doch gegen Svidlers Endspieltechnik hatte der Bulgare nichts mehr entgegenzusetzen und fügte sich nach 61 Zügen in das Unvermeidliche. Damit ist Topalov nicht nur mit Sicherheit der Turniersieg entgangen, auch seine imposante ELO von 2804 ist in höchster Gefahr. Den einen oder anderen Sieg werden wir von ihm noch sehen müssen, wenn er das verhindern will.

Tabelle nach der 6. Runde

Rang

Name (ELO)

Punkte

Leistung

ELO neu

+ / -

1. Kamsky (2671) 4,5 2947 2693 +22
2. Anand (2803) 4 2851 2807 +4
3. Svidler (2743) 3,5 2815 2749 +6
4. Topalov (2804) 2,5 2674 2793 -11
5. Bacrot (2708) 2 2638 2702 -6
6. Ponomariov (2738) 1,5 2542 2723 -15

Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung abweichen. ELO-Zahlen Stand: Mai 2006

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 0 1 2 67
2 2 1 0 0
3 0 1 2 67
4 2 0 1 33
5 1 0 2 67
6 1 1 1 33
Total: 6 4 8 44

Paarungen

Runde 1 - Donnerstag, 11. Mai 2006

P. Svidler - V. Topalov 1/2
R. Ponomariov - G. Kamsky 1/2
E. Bacrot - V. Anand 0-1

Runde 2 - Freitag, 12. Mai 2006

V. Topalov - V. Anand 0-1
G. Kamsky - E. Bacrot 1-0
P. Svidler - R. Ponomariov 1-0

Runde 3 -Samstag, 13. Mai 2006

R. Ponomariov - V. Topalov 1/2
E. Bacrot - P. Svidler 1/2
V. Anand - G. Kamsky 0-1

Runde 4 - Sonntag, 14. Mai 2006

E. Bacrot - V. Topalov 1/2
V. Anand - R. Ponomariov 1-0
G. Kamsky - P. Svidler 1-0

Runde 5 - Montag, 15. Mai 2006

V. Topalov - G. Kamsky 1-0
P. Svidler - V. Anand 1/2
R. Ponomariov - E. Bacrot 1/2

Runde 6 - Mittwoch, 17. Mai 2006

V. Topalov - P. Svidler 0-1
G. Kamsky - R. Ponomariov 1-0
Anand - Bacrot 1/2
Runde 7 - Donnerstag, 18. Mai 2006
V. Anand - V. Topalov
E. Bacrot - G. Kamsky
R. Ponomariov - P. Svidler
Runde 8 - Freitag, 19. Mai 2006
V. Topalov - R. Ponomariov
P. Svidler - E. Bacrot
G. Kamsky - V. Anand
Runde 9 - Samstag, 20. Mai 2006
G. Kamsky - V. Topalov
V. Anand - P. Svidler
E. Bacrot - R. Ponomariov
Runde 10 - Sonntag, 21. Mai 2006
V. Topalov - E. Bacrot
R. Ponomariov - V. Anand
P. Svidler - G. Kamsky

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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