04.04.2006 - Es ist Sonntag, der 2. April 2006. In der Spitzenbegegnung der 15. und letzten
Bundesligarunde zwischen den Titelfavoriten aus Köln und Baden-Baden steht
es bereits 3,5:1,5 für die Kurstädter. Und damit stand fest, dass
Baden-Baden zum erstmaligen Titelgewinn lediglich ein Remis aus den letzten
drei Partien fehlte. Die Entscheidung um den Titel fiel um 13:54 Uhr am 3.
Brett. Der weltbeste Angriffspieler Alexei Shirov schlägt mit seiner
weißen Dame den schwarzen Turm von Loek van Wely. Es war der Start einer
kleinen Kombination, die für den Wahlspanier in Diensten von Baden-Baden eine
ganze Mehrfigur einbringen sollte. In hochgradiger Zeitnot führte der
Kölner noch einen Zug aus, um dann zu erkennen, dass ein Fortsetzen der
Partie aussichtslos war. Die Meisterschaft war entschieden, Baden-Baden holte im
vierten Anlauf erstmals den Titel an die Oos.
Das Topspiel der Schach-Bundesliga stand unter keinem guten Stern. An
Brett 1 nominierten die Kölner den Weltranglistenelften Michal Adams, doch
der spielte zeitgleich in Frankreich. So konnten die von teilweise sehr weit
angereisten Schachfans lediglich einen einzigen Zug des Weltranglistenzweiten
Viswanathan Anand erleben. Auch die vielen 1000 Zuschauer, die die
Live-Übertragung der Partien im Internet verfolgten, waren sicherlich
enttäuscht von dem Aufstellungspoker der Kölner. Der kampflose Sieg
bedeutete gleichzeitig die 1:0 Führung für Baden-Baden und der Gewinn
der Meisterschaft war nur noch drei Punkte entfernt...
Loek van Wely - Alexei Shirov
Nach etwas über einer Stunde Spielzeit holten sich Sergei Movsesian
und Francisco Vallejo Pons ihr Remis. Zwei halbe Punkte, die zum Zwischenstand von
2:1 für Baden-Baden führte. An Brett 2 dann der Auftritt
des dreifachen russischen Meisters Peter Svidler gegen den Kölner
Christopher Lutz. Mit den schwarzen Steinen konnte der Vater von Zwillingen
seinen Gegner im Mittelspiel immer mehr unter Druck setzen und letztendlich
einen überzeugenden Sieg einfahren. Als dann noch Philipp Schlosser mit
Schwarz seine Partie im Gleichgewicht halten konnte, stand es bereits 3,5:1,5
für den Tabellenführer.
Nach der meisterlichen Entscheidung durch Alexei Shirov und dem Remis
von Michal Krasenkow spielte beim Stand von 5:2 nur noch der Däne
Peter-Heine Nielsen, der nach einer nächtlichen Zugfahrt erst morgens gegen
halb sechs Uhr in Strassburg ankam. Sein Gegner war kein Geringerer als der
holländische Altmeister Jan Timman. Und nach 5 Stunden und 45 Minuten war
auch diese Partie beendet. Der Sieg von Nielsen führte zum Endstand von
6:2.
Deutscher Meister 2006 OSC Baden-Baden
Tags zuvor gewann Baden-Baden gegen Bad Godesberg deutlich mit 7:1. Im
angekündigten Duell der Weltmeister gewann Viswanathan Anand (Weltmeister
2000) mit Schwarz gegen Rustam Kasimdzhanov (Weltmeister 2004). Nach einem
Zwischenstand von 7:0 erholte sich ausgerechnet Alexei Shirov nicht von seinem
Qualitätsopfer, und musste sich dem Internationalen Meister Jan-Michael
Sprenger nach zähem Kampf geschlagen geben. Es sollte die einzige
Niederlage auf Seiten Baden-Badens an diesem Wochenende sein.
Photos aus Baden-Baden
Vishy Anand
Teamchef Sven Noppes (Baden-Baden) und Hans-Walter Schmitt
Rustam Kasimdzhanov und Alexei Shirov
Holger Grampp und Helmut Zanner (1. Vorsitzenden OSC Baden-Baden)
Kommentator Vlastimil Hort und Wolfgang Grenke
Helmut Reefschläger und Georg Hinz (Porz)
Rustem Dautov unter Beobachtung
Sergei Movsesian
Rustam Kasimdzhanov, Weltmeister 2004
Duell der Weltmeister
Rustem Dautov
Philipp Schlosser
Dr. Robert Hübner
Vlastimil Hort bei der Arbeit
Francisco Vallejo Pons
Wertvolle Hilfen...
Jan Timman
Rafael Vaganian kiebitzt bei Peter-Heine Nielsen
Jan Timman
Peter Svidler
Michal Krasenkow und Alexander Graf
Vishy
Stefan Niessen und Vlastimil Hort
Gerhard Gorges und Holger Moritz
Das Bild neben Günther Tammert hängt nicht schief! Der Fotograf hat nur versagt...
Spaß beim Blitz
Rustam Kasimdzhanov
Die Super-Meisterbrezel
Wolfgang Grenke, Vorstandsvorsitzender Grenkeleasing AG Kurt Liebenstein, Bürgermeister Baden-Baden Helmut Zanner, 1. Vorsitzender OSC Baden-Baden
Vishy
Bundesturnierdirektor Ralph Alt überreicht die Schale an Sven Noppes