11.03.2006 - Ein Herzschlagfinale der besonderen Art erwartete heute die Fans des königlichen Spiels im spanischen Linares. Und der glückliche Gewinner nach langen und anstrengenden vierzehn Runden lautet: Levon Aronian. Der Armenier konnte als Einziger des Spitzenquartetts einen vollen Punkt erzielen und so einen halben Punkt Vorsprung vor dem Feld verbuchen. Die Chess Tigers gratulieren dem sympathischen Armenier und Dauergast der Chess Classic zu seinem grandiosen Coup!
Früh verabschiedete sich Teimur Radjabov von seinen Titelträumen in
seiner Partie gegen Etienne Bacrot. Nach 20 unspektakulären Zügen
Königsindisch trennte er sich, ohne auch nur einen einzigen Stein
getauscht zu haben, friedlich von dem Franzosen. Mit einem ELO-Zugewinn
von ca. 13 Punkten und dem geteilten zweiten Platz kann er mehr als zufrieden sein,
während Bacrot nach Wijk aan Zee nun auch in Linares im unteren
Tabellendrittel endet und weitere ELO-Punkte einbüsst.
Die längste Partie des Tages lieferten sich erstaunlicherweise nicht
die Herren im Rennen um den Gesamtsieg sondern zwei, für die es nur noch
um ein paar ELO-Punkte ging. Peter Svidler setzte Vassily Ivanchuk aus einem
geschlossenen Spanier heraus mächtig zu und erspielte sich eine
vorteilhafte Stellung. Schließlich griff er beim Übergang ins Endspiel
einen Bauer ab, aber dafür erlangte Ivanchuk zumindest eine
möglichst offensive Aufstellung seiner verbliebenen Kräfte. Svidler
versuchte alles, doch Chucky behielt die Nerven und fand in den
wichtigen Momenten die besten Züge, so dass auch diese Partie mit der
Teilung des Punktes endete.
Endgültig in der Weltspitze angekommen - Der Sieger in Linares 2006, Levon Aronian
Der nächste, der in den sauren Remis-Apfel beißen musste, war kein
Geringere, als Weltmeister Topalov. Wieder war es Vallejo Pons, der ihn
- wie schon in Morelia - ärgerte. Dabei war er wohl in erster Linie
selbst schuld. Kannte er die Remisvariante nicht, die Vallejo
zielstrebig ansteuerte oder fand er schlicht kein Mittel dagegen? Wie
auch immer, nach 30 Zügen musste Topalov nun zuschauen, ob sich in der
Partie Leko gegen Aronian ebenfalls ein Remis ergeben und ihn zum Sieger
küren würde.
Doch genau das trat nicht ein. Der geschlossene Spanier des Ungarn
beeindruckte Aronian nicht im Geringsten und der in Berlin lebende Armenier fand ausgezeichnet ins
Spiel. Schon früh war klar, dass Leko hart würde kämpfen müssen, wollte
er nicht noch auf Platz 4 zurückfallen. Und er hielt dem Druck nicht
stand. Aronian schnappte sich gleich zwei Bauern und behielt diese beim
Übergang ins gewonnene Endspiel. Der Rest war nur noch Technik, und dann
hieß der Sieger des XXIII Ciudad de Linares International Chess
Tournament Levon Aronian. Herzlichen Glückwunsch!
Veselin Topalov ist aufgrund der mehr erspielten Siege Zweiter und
bestimmt ähnlich glücklich wie der Sieger dürfte punktgleich auch Teimur
Radjabov auf Platz 3 sein. Aber was soll Peter Leko von seinem 4. Platz
halten? Zu deutlich war seine zwischenzeitliche Führung, als dass er
wirklich zufrieden sein dürfte. Wann wird er bemerken, dass der Weg zum
Turniersieg nicht über die größte Anzahl an Remispartien führt?
ENDSTAND nach der 14. Runde
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Aronian (2752)
8,5
2807
2763
+11
2.
Topalov (2801)
8
2773
2796
-5
Radjabov (2700)
8
2787
2713
+13
4.
Leko (2740)
7,5
2757
2743
+3
5.
Svidler (2765)
6,5
2701
2753
-12
Ivanchuk (2729)
6,5
2706
2725
-4
7.
Bacrot (2717)
6
2683
2710
-7
8.
Vallejo Pons (2650)
5
2639
2648
-2
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006