04.03.2006 - Die Konkurrenz musste es befürchten und seine Fans haben es gehofft - Veselin Topalov bläst zur gnadenlosen Aufholjagd. Wie ein Wirbelwind fegt er nach den ersten beiden Runden der zweiten Turnierhälfte des
XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament durch das Feld. Spätestens jetzt zählt er wieder zu den heißen Anwärtern auf den Gesamtsieg.
Der Sieg gegen Peter Svidler in der achten Runde war genau das, was
Veselin Topalov benötigte, um sich noch eine Chance auf den Gesamtsieg
wahren zu können. Und es war klar, dass der Weltmeister heute gegen
Etienne Bacrot alles daran setzen würde, sich aus dem Mittelfeld in das
obere Tabellendrittel zu schieben. Er wollte gewinnen und das musste
auch dem Franzosen klar gewesen sein. Trotz der weißen Steine holte er
nichts aus der Eröffnung heraus und bald hatte Topalov die halbe Miete
im Sack, als sich einen kleinen aber dauerhaften Vorteil sichern konnte.
Fortan schien Bacrot nur noch bemüht, möglichst alle Figuren zu
tauschen, doch sein Gegner erkannte schnell, dass ihm das gute
Aussichten im Endspiel bot. Als die Lage dann richtig schwierig wurde,
lief Bacrot in eine taktische Falle, die ihm eine glatte Figur gekostet
hätte. Da gab er lieber vorher auf. Damit rückt Veselin Topalov auf den
geteilten dritten Rang vor.
"Komm' her! Du bist der Nächste!" - Veselin Topalov
Mächtig unter Druck geriet der bis dato souverän führende Peter Leko
gegen Teimur Radjabov. Mehr oder weniger zum Bauernopfer gezwungen, hieß
es bald für den Ungarn, alle Schalter auf Halten zu stellen. Der weiße
Mehrbauer wurde mit beiden Türmen blockiert und es war an Radjabov,
minimale Gewinnchancen auszumachen oder sich gegen den
Verteidigungskünstler gleich in das wohl Unvermeidliche, die
Punkteteilung, zu fügen. Er versuchte Ersteres und ging in ein
kompliziertes Doppelturmendspiel über. Teimur versuchte wirklich alles,
aber die Remismaschine Leko ließ ihn schier verzweifeln. Nach
beachtlichen 80 Zügen musste er schließlich in die Teilung dieses
Punktes einwilligen.
Nicht viel Aufregendes trug sich in der Begegnung der
Zweitplatzierten Levon Aronian und Vassily Ivanchuk zu. Der Unglücksrabe
der achten Runde gab sich zunächst alle Mühe, die Stellung interessant
zu halten, aber als er eine Möglichkeit erspähte, ohne Risiko in eine
ausgeglichenes Turmendspiel abzuwickeln, griff er zu. Remis nach 35
Zügen.
Peter Svidler und Francisco Vallejo nutzten ihren offenen Spanier
dazu, möglichst rasch den Großteil ihres Materials abzutauschen und nach
überschaubaren 31 Zügen das Remis per Handschlag zu besiegeln. Für
Svidler war besonders wichtig, den freien Fall in der Tabelle zu
vermeiden und Vallejo ist aufgrund seiner Rating und dem Sieg über den
Weltmeister theoretisch gegen jeden Gegner mit einem halben Punkt
zufrieden.
Tabelle nach der 9. Runde
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Leko (2740)
6
2840
2752
+12
2.
Aronian (2752)
5,5
2807
2759
+7
3.
Svidler (2765)
4,5
2727
2760
-5
Topalov (2801)
4,5
2726
2792
-9
Radjabov (2700)
4,5
2738
2705
+5
6.
Ivanchuk (2729)
4
2693
2725
-4
Vallejo Pons (2650)
4
2705
2657
+7
8.
Bacrot (2717)
3
2619
2705
-12
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006