04.03.2006 - Müsste man aus der ersten Turnierhälfte in Morelia zwei besonders tragische Figuren herausheben, würde man unweigerlich Veselin Topalov und Etienne Bacrot nennen. Beide blieben in Mexiko weit unter ihren Möglichkeiten dürften sich entsprechend für Linares eine Menge vorgenommen haben. Gespielt werden hintereinander die gleichen Paarungen wie in Morelia mit vertauschten Farben. Und gleich die erste Runde in Spanien hatte es mächtig ins sich.
Bevor der gestrige Spieltag jedoch in seine spannende Phase eintrat,
hatten sich vier der acht Teilnehmer bereits von der Bühne
verabschiedet. Spitzenreiter Peter Leko ließ mit den weißen Steinen
gegen Francisco Vallejo Pons nie wirkliche Gewinnversuche erkennen und
konservierte mit dem Remis seine Führung gegen den Spanier. Da auch
Teimur Radjabov gegen Levon Aronian eine Dauerschachkombi erlaubte, muss
Leko auch weiterhin nicht um seinen Platz an der Sonne bangen.
¡Venga!, Chucky!
Doch die beiden anderen Begegnungen hatten es in sich. Besonders
besorgt dürften die Fans nach dieser Runde um Vassily Ivanchuk sein.
Dass dieser immer mal wieder spektakuläre Einlagen der besonderen Art
parat hat, ist hinlänglich bekannt, aber was ihm gegen Etienne Bacrot
widerfuhr, ist wirklich tragisch. Gute 30 Züge lang gaben sich beide
Seiten keine sonderliche Blöße und die Partie hätte ein friedliches Ende
nehmen können. Doch der Franzose leistete sich die eine oder andere
Ungenauigkeit, die Ivanchuk Zug um Zug bestrafte. Mit einem Mal war die
weiße Stellung traumhaft und schlicht gewonnen. Doch zum Leidwesen des
Ukrainers hielt dieser Zustand nur bis zum 39. Zug. Nein, nein, Vassily
patzte nicht etwa in Gewinnstellung, wie es jedem Schachspieler in
höchster Zeitnot mal passieren kann, er ließ einfach die Zeit
ablaufen... Der nächste weiße Zug war doch klar, 40.De5! und die
Probleme des Schwarzen nähmen aufgrund der schwachen Grundreihe bald
Überhand. Doch "Chucky" konnte das offensichtlich nicht mehr rechtzeitig
realisieren und musste einem verdutzten Bacrot zum Sieg gratulieren. Ein
tragisches aber natürlich letztlich verdientes Ende. Keine Macht der
Welt kann Bacrot dazu zwingen, eine schlechte Stellung aufzugeben, weil
der Gegner seine Bedenkzeit nicht vernünftig einzuteilen wusste.
Zu guter Letzt dürfte auch auf dem Gesicht des Weltmeisters wieder
ein Lächeln zu finden sein. Veselin Topalov revanchierte sich bei Peter
Svidler für die Niederlage aus der ersten Runde in Morelia und schenkte
dem Russen kräftig ein. Dessen Grünfeldinder passt in diesem Turnier
hinten und vorne nicht und das bewies ihm der Bulgare mit einem sicher
herausgespielten Sieg und schiebt sich damit ins erweiterte
Mittelfeld vor. Für Svidler ist nach dieser neuerlichen Niederlage der
Zug zwar noch nicht abgefahren, aber will er um den Sieg noch ein
Wörtchen mitreden, wäre er möglicherweise gut mit der Umstellung seines
Schwarz-Repertoires beraten.
Tabelle nach der 8. Runde
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Leko (2740)
5,5
2860
2753
+13
2.
Aronian (2752)
5
2815
2759
+7
3.
Svidler (2765)
4
2736
2762
-3
Radjabov (2700)
4
2738
2704
+4
5.
Ivanchuk (2729)
3,5
2685
2724
-5
Vallejo Pons (2650)
3,5
2698
2655
+5
Topalov (2801)
3,5
2682
2788
-13
8.
Bacrot (2717)
3
2643
2709
-8
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006