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Topalov mit Eigentor ans Tabellenende in Morelia
26.02.2006 - In diesen Tagen sieht es so aus, als würde sich der Weltmeister im traditionellen Schach auf den Fussballplätzen im mexikanischen Morelia weitaus wohler fühlen als auf den 64 Feldern. Der einheimische Club Atlético Monarcas Morelia lud ihn am Ruhetag zu einem Foto-Shooting und einem kleinen Kick ein und der Bulgare machte in dem Trikot mit der Nr.1 keine schlechte Figur. Er amüsierte sich sogar meisterlich. Lieber wäre es ihm jedoch, er könnte auch beim XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament die Nr.1 sein, aber nach der gestrigen sechsten von vierzehn zu spielenden Runden, muss er mit dem völligen Gegenteil leben. Mit seiner bereits dritten Niederlage hat sich Topalov mit für ihn katastrophalen 2/6 an das Ende der Tabelle gesetzt.

So wirklich Zählbares hatte der Weltmeister mit den weißen Steinen aus seinem Damengambit gegen Francisco Vallejo Pons nicht herausgepresst, aber eine Niederlage war nach 25 gespielten Zügen so unnötig wie auch vermeidbar. Er hätte "schlicht" den ungedeckten aber vergifteten g-Bauer des Schwarzen verschonen sollen. Danach hätte er wohl kaum besser aber vermutlich auch nicht entscheidend schlechter gestanden. So jedoch entpuppte die schwarze Stellung eine unerwartete Eigendynamik, welcher Topalov nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Einen ganzen Turm musste er rausrücken, um noch minimales Gegenspiel auf den schwarzen König zu erwirken, doch der Spanier ließ sich nicht mehr ins Bockshorn jagen und strich seinerseits bei der Jagd auf den weißen Monarchen Bauer um Bauer ein. Wenig später gab sich sein Gegner angesichts einer unwiderstehlichen Mattdrohung geschlagen und die Sensation war perfekt. Das dürfte gesessen haben, doch noch ist die Messe für keinen der Spieler in puncto Turniersieg endgültig gelesen.

"Die müssen die Tabelle auf den Kopf gestellt haben!!??" - Veselin Topalov kann's nicht fassen.

Wir werden sehen, was ein Weltmeister, der nun nicht viel mehr zu verlieren hat, als es schon der Fall ist, für die kommenden Gegner parat hat. Heute wird er es sogleich mit dem Führenden Peter Leko zu tun haben. Dieser ließ mit den schwarzen Steinen in der sechsten Runde gegen Levon Aronian mal wieder kein nennenswertes Spiel zu und nutzte jede Chance, das Spiel zu vereinfachen. Das Remis nach 45 Zügen war die logische Konsequenz. Und wieder brachte es ihm - wie schon in der Runde zuvor - einen Ausbau der Führung ein. Denn Peter Svidler erwischte gegen Vassily Ivanchuk einen rabenschwarzen Tag. Wieder lief sein Grünfeldinder nicht so, wie er es sich vermutlich vorgestellt hatte. Die Kompensation für den geopferten Bauer des Schwarzen war schwer erkennbar und auch Svidler's unrochierter König sah nicht sehr gesund aus. Letzteres machte sich dann auch sogleich bemerkbar, als er sich den vergifteten g-Bauer des Weißen schnappte. Plötzlich erwachte auch der Turm auf h1 zum Leben und das war zuviel für die labile schwarze Königsstellung. Zwar drangen beide Damen in der Folge jeweils zum gegnerischen Monarchen durch, doch der weiße Angriff war dem seines Gegenüber um ein Vielfaches überlegen. Das sah dann auch der Chess960 Weltmeister so und gab sich gegen den immer wieder sehr wechselhaft spielenden Ukrainer geschlagen. Dass Svidler noch immer den zweiten Platz hält, liegt einzig an seinem furiosen Beginn. Des Öfteren war nun schon zu beobachten, dass der Russe nach so einem Start in ein kleines Loch fällt. Bleibt abzuwarten, ob er vielleicht schon in der nächsten Partie gegen Teimur Radjabov wieder rausklettern und zur Jagd auf Leko blasen kann.

Doch ein leichtes Los ist natürlich auch Radjabov nicht, wie Etienne Bacrot beispielsweise schmerzhaft erfahren musste. Schon früh krankte der Franzose an der deutlich schlechteren Bauernstruktur und der Sieger im ORDIX Open der letzten Chess Classic bewies seine Klasse, indem er konsequent Schwäche um Schwäche aufdeckte und ausnutzte. Schließlich strich Radjabov den verdienten Lohn in Form einer ganzen Mehrfigur ein und hatte fortan nur noch technische Hürden zu überwinden. Diese nahm er sicher und nach 55 Zügen gesellte sich Bacrot in der Tabelle zu Topalov. Normalerweise in sicheres Indiz dafür, dass man zu den Besten der Welt gehört, ist dies für Etienne in diesen Tagen sicherlich eine Gesellschaft, auf die er gerne verzichten würde.

Tabelle nach der 6. Runde

Rang

Name (ELO)

Punkte

Leistung

ELO neu

+ / -

1. Leko (2740) 4,5 2910 2753 +13
2. Svidler (2765) 3,5 2792 2767 +2
Aronian (2752) 3,5 2791 2755 +3
4. Ivanchuk (2729) 3 2746 2730 +1
Radjabov (2700) 3 2732 2703 +3
6. Vallejo Pons (2650) 2,5 2686 2653 +3
7. Bacrot (2717) 2 2609 2708 -9
Topalov (2801) 2 2597 2784 -17

Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 2 1 1 25
2 2 1 1 25
3 - - 4 100
4 2 1 1 25
5 1 1 2 50
6 2 1 1 25
Total: 9 5 10 41,67

Paarungen der ersten Turnierhälfte in Morelia

Runde 1 - Samstag, 18. Februar 2006

F. Vallejo Pons - P. Leko 0-1
P. Svidler - V. Topalov 1-0
E. Bacrot - V. Ivanchuk 1/2
L. Aronian - T. Radjabov 1-0

Runde 2 - Sonntag, 19. Februar 2006

P. Leko - T. Radjabov 1-0
V. Ivanchuk - L. Aronian 1-0
V. Topalov - E. Bacrot 1/2
F. Vallejo Pons - P. Svidler 0-1

Runde 3 - Montag, 20. Februar 2006

P. Svidler - P. Leko 1/2
E. Bacrot - F. Vallejo Pons 1/2
L. Aronian - V. Topalov 1/2
T. Radjabov - V. Ivanchuk 1/2

Runde 4 - Mittwoch, 22. Februar 2006

P. Leko - V. Ivanchuk 1-0
V. Topalov - T. Radjabov 0-1
F. Vallejo Pons - L. Aronian 1/2
P. Svidler - E. Bacrot 1-0

Runde 5 - Donnerstag, 23. Februar 2006

E. Bacrot - P. Leko 1/2
L. Aronian - P. Svidler 1-0
T. Radjabov - F. Vallejo Pons 1/2
V. Ivanchuk - V. Topalov 0-1

Runde 6 - Samstag, 25. Februar 2006

L. Aronian - P. Leko 1/2
T. Radjabov - E. Bacrot 1-0
V. Ivanchuk - P. Svidler 1-0
V. Topalov - F. Vallejo Pons 0-1

Runde 7 - Sonntag, 26. Februar 2006

P. Leko - V. Topalov
F. Vallejo Pons - V. Ivanchuk
P. Svidler - T. Radjabov
E. Bacrot - L. Aronian

Anschließend Transfer nach Linares zur zweiten Turnierhälfte

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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