TopTurniere Rot, Weiß und Grün dominant in Mexiko Peter Leko übernimmt alleinige Führung in Morelia
24.02.2006 - "Ach was...", werden Sie vielleicht angesichts der Mexikanischen Flagge sagen und möchten am liebsten sofort wissen, wer das
XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament anführt? Der Titel verrät es Ihnen bereits! Denn es sind zugleich die Farben der Ungarischen Nationalflagge, die nur einer der teilnehmenden Top-Stars vertritt, Peter Leko. In Wijk aan Zee haderten die Fans noch mit ihrem Idol, weil er zu selten mehr als ein Remisstellung aufs Brett brachte. Doch der plötzliche Klimawechsel vom niederländischen Küsten- und Winterwetter zum derzeit gemässigten Klima in Mexiko (21 - 26 Grad), muss für den Ungar eine Wohltat gewesen sein. Jedenfalls überzeugt er mit einem Score von 4/5 derzeit nicht nur sich selbst sondern auch das Publikum.
In der gestrigen Runde tat der erfahrene Weltklassespieler genau das,
was er nach wie vor in nahezu einmaliger Perfektion beherrscht, er
spielte remis. Und das war gut so! 28 Züge Damenindisch reichten dem mit
Weiß spielenden Etienne Bacrot, um einzusehen, dass Peter Leko nahezu
unschlagbar ist, wenn er selbst nicht auf Gewinn spielen möchte. Was
dagegen passieren kann, wenn man es so macht, wie der gelegentliche
Haudegen Peter Svidler, konnte Leko dann seelenruhig live beobachten. Ob
der Grünfeldinder der Russen wirklich so der Hit ist, wird er zur Not
jetzt selbst am Besten wissen, Fakt ist, dass er damit lediglich ein
eher bedenkliches Endspiel gegen Levon Aronian erreichte. Doch selbst,
als Aronian im gleichfarbigen Läuferendspiel einen Mehrbauer zu
verbuchen hatte, waren sich kleine aber auch große Meister nicht völlig
sicher, ob Svidler zwingend verlieren muss. Doch noch bevor sich alles
an die Rechner, Bücher und Endspieldatenbanken machen konnte, gab Peter
Svidler auf. Schon wieder eine verfrühte Aufgabe? Hätte man es nicht
wenigstens versuchen müssen? Nein, mit seinem scheinbar normalen
Läuferzug nach e8 im 37. Zug hatte der Vater von Zwillingen seinem
Gegner einen LKW voll Arbeit abgenommen. Levon musste schlicht seinen
Mehr- und Freibauer nach e6 schieben und nichts ging mehr. Peter Leko
übernimmt so vor dem morgigen Ruhetag die alleinige Führung in diesem
doppelrundigen Event.
"Weltmeisterschreck" Teimur Radjabov hatte heute schwer mit Francisco
Vallejo Pons und einer Minusqualität zu kämpfen. Doch der Spanier vermochte
das Mehrmaterial nicht optimal zu verwerten und musste schließlich ins
Remis einwilligen.
Die Trommeln zur kommenden Aufholjagd rührte erfolgreich Veselin
Topalov gegen Vassily Ivanchuk. Der Ukrainer überließ mit den weißen
Steinen im Slawischen Damengambit seinem Gegner frühzeitig das
Läuferpaar, indem er den Springer auf f6 abtauschte. Fortan wurde man
den Eindruck nicht los, dass ihm der schwarzfeldrige Läufer sehr fehlte.
Nach und nach vergrößerte Topalov seinen positionellen Vorteil und ließ
das Läuferpaar prächtig herrschen. Diesem Druck hätte niemand etwas
entgegenzusetzen gehabt und endlich kann der Weltmeister seinen ersten
Sieg verbuchen.
Kleine Flaggenkunde
Die Flagge Ungarns leitet sich vom historischen - 1990 wieder
eingeführten - Wappen Ungarns ab, das ein silbernes Patriarchenkreuz auf
einem grünen Hügel mit rotem Hintergrund zeigt. Davon wiederum leiten
sich die Farben der Flagge ab, die im Jahre 1956 in dieser Form
eingeführt wurde. Die Farben Rot, Weiß und Grün datieren aber zurück bis
ins 9. Jahrhundert. Sie wurden zum ersten Mal 1608 während der
Regentschaft des Habsburgers König Matthias II. verwendet. Trikoloren
mit den Farben Rot, Weiß und Grün waren seit der Napoleonischen Zeit in
Gebrauch - wohl von der Italienischen Trikolore inspiriert. Die heutige
Form wurde 1848 bis 1849 und erneut 1867 offiziell. Der Volksmund
spricht den drei Farben folgende Bedeutung zu: Rot steht für das viele
Blut, das die Ungarn in vielen Freiheits- und Unabhängigkeitskämpfen
verloren haben. Weiß steht für die Reinheit und Sauberkeit des Landes.
Grün steht für die ausgedehnten Naturlandschaften und die Vielfalt der
Pflanzenwelt. Nachdem Ungarn 1920 durch den Vertrag von Trianon zwei
Drittel seines Staatsgebiets verloren hatte, wurden alle offiziellen
Flaggen im Lande auf halbmast gesenkt. Dieser Ausdruck der Staatstrauer
blieb bis zum 2. November 1938 bestehen, als Ungarn durch den Ersten
Wiener Schiedsspruch die ungarischsprachigen Grenzgebiete der
Südslowakei zurück erhielt. Daraufhin wurden die Flaggen überall im
Lande wieder um ein Drittel erhöht.
Die Flagge Mexikos ist eine Trikolore in den Farben grün, weiß und
rot, welche die Farben der nationalen Befreiungsarmee von Mexiko sind.
Die heutige Flagge wurde 1968 eingeführt. Das Aussehen beruht aber auf
der Flagge die erstmals am 2. November 1821 gehisst wurde. Das Wappen
Mexikos wurde zwei Jahre später in der Mitte der Flagge hinzugefügt. Es
stellt eine Legende um die Gründung der aztekischen Hauptstadt
Tenochtitlán im Jahr 1325 dar (an gleicher Stelle befindet sich heute
die mexikanische Hauptstadt Mexiko-Stadt). Das Wappen wurde im Lauf der
Geschichte mehrmals geändert. Diese Modifikationen wurden in der Flagge
übernommen.
Die Flagge Bulgariens besteht aus drei gleich großen, horizontalen
Streifen: oben weiß, in der Mitte grün und unten rot. Diese Farben
stehen für Freiheit und Frieden (weiß), Wälder und Landwirtschaft (grün)
sowie für das Blut, das beim Kampf für die Freiheit vergossen wurde. Die
Flagge in ihrer heutigen Form wurde erstmals am 16. April 1879
eingeführt und hatte bis 1944 bestand. 1947 wurde das Staatswappen in
der linken oberen Ecke eingefügt. Ihre alte Form erhielt sie am 27.
November 1990 zurück.
Tabelle nach der 5. Runde
Rang
Name (ELO)
Punkte
Leistung
ELO neu
+ / -
1.
Leko (2740)
4
2950
2753
+13
2.
Svidler (2765)
3,5
2880
2773
+8
3.
Aronian (2752)
3
2801
2755
+3
4.
Ivanchuk (2729)
2
2670
2725
-4
Bacrot (2717)
2
2665
2713
-4
Radjabov (2700)
2
2662
2697
-3
Topalov (2801)
2
2661
2791
-10
8.
Vallejo Pons (2650)
1,5
2587
2646
-4
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006
Remis-Statistik
Runde
Weiß-Siege
Schwarz-Siege
Remis
Remis in %
1
2
1
1
25
2
2
1
1
25
3
-
-
4
100
4
2
1
1
25
5
1
1
2
50
Total:
7
4
9
45
Paarungen der ersten
Turnierhälfte in Morelia
Runde 1 - Samstag, 18.
Februar 2006
F. Vallejo Pons - P. Leko
0-1
P. Svidler - V. Topalov
1-0
E. Bacrot - V. Ivanchuk
1/2
L. Aronian - T. Radjabov
1-0
Runde 2 - Sonntag, 19.
Februar 2006
P. Leko - T. Radjabov
1-0
V. Ivanchuk - L. Aronian
1-0
V. Topalov - E. Bacrot
1/2
F. Vallejo Pons - P. Svidler
0-1
Runde 3 - Montag, 20.
Februar 2006
P. Svidler - P. Leko
1/2
E. Bacrot - F. Vallejo Pons
1/2
L. Aronian - V. Topalov
1/2
T. Radjabov - V. Ivanchuk
1/2
Runde 4 - Mittwoch, 22.
Februar 2006
P. Leko - V. Ivanchuk
1-0
V. Topalov - T. Radjabov
0-1
F. Vallejo Pons - L. Aronian
1/2
P. Svidler - E. Bacrot
1-0
Runde 5 - Donnerstag, 23.
Februar 2006
E. Bacrot - P. Leko
1/2
L. Aronian - P. Svidler
1-0
T. Radjabov - F. Vallejo Pons
1/2
V. Ivanchuk - V. Topalov
0-1
Runde 6 - Samstag, 25.
Februar 2006
L. Aronian - P. Leko
T. Radjabov - E. Bacrot
V. Ivanchuk - P. Svidler
V. Topalov - F. Vallejo Pons
Runde 7 - Sonntag, 26.
Februar 2006
P. Leko - V. Topalov
F. Vallejo Pons - V. Ivanchuk
P. Svidler - T. Radjabov
E. Bacrot - L. Aronian
Anschließend Transfer nach Linares zur zweiten
Turnierhälfte