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Ay Caramba! - Tolles Schach in Mexiko
Die Guten ins Töpchen, die Schlechten ins Kröpfchen!
20.02.2006 - Verwundert dürfte sich der eine oder andere Schachfan die Augen gerieben haben, als er die Ergebnisse der 2. Runde beim XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament gesehen hat. Peter Leko, welcher in Wijk aan Zee nur mit Mühe eine Katastrophe verhindert und eher mit matten Remisen zu glänzen wusste, holt Thor's Hammer aus dem Gepäck und teilt damit kräftig aus! Und auch Peter Svidler lässt sich nicht lumpen und lässt seinen zweiten Sieg en suite folgen. Schritt halten mit den beiden "Peters" kann momentan nicht der Weltmeister Veselin Topalov sondern mal wieder Vassily Ivanchuk.

Die Guten ins Töpchen, die Schlechten ins Kröpfchen - so lautet nicht nicht nur für das arme Aschenputtel im gleichnamigen Märchen das Motto, so könnte es auf für Mexiko gelten. Seit je her ist der amerikanische Nachbar für viele der 40% der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze leben, ein beliebtes Ausflugsziel ohne Rückfahrkarte. Obwohl die mexikanische Wirtschaft ein stetiges Wachstum zu verzeichnen hat, suchen besonders mutige oder verzweifelte Menschen den Weg über die kilometerlangen Grenzzäune. Schleuser-Banden nehmen ihnen dabei mitunter noch das letzte verbliebene Eigentum für den illegalen Transport. Anders sieht es dagegen mit vielen Gesellen aus, die den umgekehrten Weg suchen. Meistens haben es diese ungewöhnlich eilig und ihnen auf den Fersen folgt eine Meute von amerikanischen Bundespolizisten. Mexiko ist nicht nur ein Magnet für Touristen aus aller Welt, die sich beispielsweise an alten Tempeln der Azteken und Maya die Finger wund knipsen, sondern auch ein begehrtes Plätzchen für schwere Jungs, denen in ihren Ländern drastische Strafen wie die lebenslängliche Haft oder gar die Todesstrafe drohen. Letzteres ist nämlich seit dem 09. Dezember 2005 offiziell abgeschafft in den Vereinigten Mexikanischen Staaten. Und da Verbrecher zudem nicht an Länder ausgeliefert werden, wo sie eben diese Strafen erwarten, macht sich so auch heute noch manch zwielichtige Gestalt heimlich oder mit Vollgas über die Grenze, wie wir es beispielsweise aus unzähligen Hollywood-Streifen kennen.

Little more action please! - Peter Leko

Das Wunderbare am Sport ist, dass er nahezu alle geographischen, politischen und wirtschaftlichen Grenzen überwinden und einfach Spaß machen kann. Und genau das ist es, was uns auch die zweite Runde des XXIII Ciudad de Linares International Chess Tournament beschert hat. In einem wilden Sveshnikov-Sizi wusste Peter Leko gegen Teimur Radjabov mit erfrischendem Angriffsspiel zu überzeugen. Mit 36.Dc4! stellte er seinen Gegner vor die Wahl zwischen einem nachteiligen Damentausch oder einem verlockenden Schach und "Radja" tapste voll in die Falle, als er sich für Letzteres entschied. Zugegeben, das folgende Qualitätsopfer von Leko konnte man durchaus sehen, aber dass es zugleich auch tödlich sein würde, dazu braucht sogar Fritzchen ein paar Sekunden mehr bis zur Erkenntnis. Eine sehr überzeugende Vorstellung des Ungarn. Radjabov bekam eine gratis Lehrstunde in Sachen Sveshnikov und dürfte in der Folge eher bemüht sein, nicht zu weit unter die ELO 2700-Grenze rutschen.

Wieder ganz Vorne dabei - Vassily Ivanchuk

Francisco Vallejo Pons hat zwar nach zwei Runden die gleiche Punktzahl wie Radjabov, aber ein anderes Problem. Seine Eröffnungswahl brachte ihm nun seine zweite Niederlage ein. Mit den weißen Steinen holte er gegen Peter Svidler absolut nichts aus dem Grünfelder des Russen heraus und stand alsbald schon schlechter. Erst schwächte ihm der Russe mit einem kecken Springermanöver die Bauernstruktur in Königsnähe und widmete sich dann seelenruhig der Verwertung seines Vorteils. Der Spanier hatte zu keinem Zeitpunkt eine Chance.

Vassily Ivanchuk bemühte gegen Levon Aronian mal wieder seine seiner Lieblingswaffen, die Englische Symmetrie. Es entstand mit dem einem schwarzen Bauer auf d6 eine potentielle in der Struktur des Nachziehenden, doch so wirklich sollte Aronian nicht in Bedrängnis geraten. Als dann im 21. Zug Ivanchuk mit dem Springer auf a6 einstieg, hätte Aronian unbedingt mit Tb7 und nicht Tc8 antworten müssen. So ließ sich der Ukrainer nicht lange bitten und verleibte sich kurzerhand das Bäuerlein ein. Man weiß ja nie, wann es wieder was gibt. Fortan hatte Ivanchuk schlicht einen ganzen und völlig gesunden Landwirt mehr und obwohl er wie schon in der 1. Runde nicht immer die direkten Killer fand, hatte Aronian nicht mehr viel entgegenzusetzen. Schließlich stellte er Vassily in kritischer Lage eine Mattaufgabe aufs Brett, die dieser dann locker löste und gewann.

Kaum eine Chance auf einen vollen Punkt hatte Veselin Topalov gegen den Franzosen Etienne Bacrot und dessen sichere Russische Verteidigung. Wohl wahr, dass der Weltmeister im Endspiel dann endlich etwas besser stand, aber da war es bereits zu spät. Zu viele Remiswendungen mit Minusbauern gab es für den Schwarzen und Bacrot erklammerte sich ein gerechtes Remis.

Tabelle nach der 2. Runde

Rang

Name (ELO)

Punkte

Leistung

ELO neu

+ / -

1. Svidler (2765) 2 - 2774 +9
Leko (2740) 2 - 2748 +8
3. Ivanchuk (2729) 1,5 2926 2734 +5
5. Aronian (2752) 1 2715 2751 -1
Bacrot (2717) 1 2765 2718 +1
6. Topalov (2801) 0,5 2550 2794 -7
7. Vallejo Pons (2650) 0 - 2643 -7
Radjabov (2700) 0 - 2691 -9

Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung abweichen. ELO-Zahlen Stand: Januar 2006

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 2 1 1 25
2 2 1 1 25
Total: 4 2 2 25

Paarungen der ersten Turnierhälfte in Morelia

Runde 1 - Samstag, 18. Februar 2006

F. Vallejo Pons - P. Leko 0-1
P. Svidler - V. Topalov 1-0
E. Bacrot - V. Ivanchuk 1/2
L. Aronian - T. Radjabov 1-0

Runde 2 - Sonntag, 19. Februar 2006

P. Leko - T. Radjabov 1-0
V. Ivanchuk - L. Aronian 1-0
V. Topalov - E. Bacrot 1/2
F. Vallejo Pons - P. Svidler 0-1

Runde 3 - Montag, 20. Februar 2006

P. Svidler - P. Leko
E. Bacrot - F. Vallejo Pons
L. Aronian - V. Topalov
T. Radjabov - V. Ivanchuk

Runde 4 - Mittwoch, 22. Februar 2006

P. Leko - V. Ivanchuk
V. Topalov - T. Radjabov
F. Vallejo Pons - L. Aronian
P. Svidler - E. Bacrot

Runde 5 - Donnerstag, 23. Februar 2006

E. Bacrot - P. Leko
L. Aronian - P. Svidler
T. Radjabov - F. Vallejo Pons
V. Ivanchuk - V. Topalov

Runde 6 - Samstag, 25. Februar 2006

L. Aronian - P. Leko
T. Radjabov - E. Bacrot
V. Ivanchuk - P. Svidler
V. Topalov - F. Vallejo Pons

Runde 7 - Sonntag, 26. Februar 2006

P. Leko - V. Topalov
F. Vallejo Pons - V. Ivanchuk
P. Svidler - T. Radjabov
E. Bacrot - L. Aronian

Anschließend Transfer nach Linares zur zweiten Turnierhälfte

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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