TopTurniere Packendes Finale in Osterburg Thomas Luther ist Deutsche Meister 2006!
11.02.2006 - Hatten sich in der gestrigen Runde beinahe alle Titelaspiranten noch mit kurzzügigen Remisen aus der Affäre gezogen, so entschädigte die heutige Schlussrunde bei der Deutschen Einzelmeisterschaft die Fans voll und ganz. Allen war klar, dass die Partie am Spitzenbrett zwischen dem alleine führenden Leonid Kritz und Artur Jussupow das Zünglein an der Waage sein würde. Mit einem Sieg würde Letzerer entweder sich selbst oder aber - und das war wahrscheinlicher - einen der Verfolger auf den Thron heben. Das entscheidende Kriterium bei Punktgleichheit war der ELO- oder DWZ-Schnitt der Gegner und den konnte jeder leicht vorher selbst ausrechnen. Die besten Chancen hatte demnach Igor Khenkin, als einziger mit einem Schnitt von knapp über 2500.
Doch Khenkin verspürte offenbar
keine sonderlichen Ambitionen, den Titel zu erringen und war recht früh
mit einem Remis gegen David Baramidze einverstanden. Aber an den anderen
Brettern wurde - entsprechend der Bedeutung, die einer nationalen
Meisterschaft zukommen sollte - mit voller Kraft gekämpft.
Im Falle eines Unentschieden wäre
- nach dem "Ausstieg" von Khenkin - nun Leonid Kritz der sichere
Sieger und so ging es der junge Mann gegen den so erfahrenen Artur
Jussupow eher verhalten an. Zeitgleich versuchten Thomas Luther gegen
Alexander Graf und Vitaly Kunin gegen Thomas Henrichs, Vorteile zu
erlangen. Und tatsächlich geschah genau das, worauf die Meute der
Verfolger gehofft hatte. Artur Jussupow gewann einen Bauer und schickte
sich an, die Partie in überzeugender Weise zu seinen Gunsten zu gestalten. Als dann nämlich Thomas
Luther zum Zeichen der Aufgabe des Gegners Hand gereicht bekam, war
schon mal klar, dass Vitaly Kunin und Artur Jussupow zwar noch mit ihm
gleichziehen aber nicht mehr Meister werden konnten.
Cooles Finish - Thomas Luther
Nun stellte sich lediglich noch die
Frage, ob Leonid Kritz den Minusbauer gegen Jussupow im Endspiel mit
Dame und Springer vielleicht kompensieren und den nötigen halben Punkt
ins Ziel würde retten können. Aber das beantwortete Artur selbst, indem
er seinem Gegner keine Chance mehr ließ und als er schließlich
entscheidend mit der Dame dem weißen König zu Leibe rückte, kürte er
so seinen Thronfolger, Thomas Luther! Damit erringt der Erfurter nach 1993 und 2002 zum dritten Mal den Titel "Deutscher Meister" und fügt seiner sehenswerten Karriere einen weiteren Erfolg hinzu.
Dass Vitaly Kunin seine Partie
ebenfalls noch gewann, bedeutete für Artur Jussupow nach einer
bärenstarken Aufholjagd letztlich den hoch verdienten dritten Platz. Sein
Kampfgeist hat in erster Linie für dieses packende Finale gesorgt.
Bleibt noch zu hoffen, dass der nächste Veranstalter im Jahre 2007 mehr
Kompetenz in die Präsentation der Deutschen Meisterschaft einbringt oder
zumindest weiß, an wen er sich im Bedarfsfall wenden kann. Es ist keine
Schande, am Anfang eines Events technische Probleme zu haben. Peinlich
wird es jedoch, wenn diese im Laufe einer Woche trotz Angebote zur Hilfe
nicht behoben werden können.