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Top Turniere
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Topalov vor zweitem Turniergewinn in Folge
28.01.2006 - Kaum ein interessierter Schachfan, der dem heutigen Aufeinandertreffen der beiden Erstplatzierten nicht entgegengefiebert und sich mögliche Szenarien ausgemalt hätte. Einig war man sich, dass Vishy Anand mit den schwarzen Steinen etwas Besonderes würde erfinden müssen, um nicht "nur" auszugleichen sondern auch eine Stellung zu erreichen, in der er mehr anstreben kann. Und dann war nach 23 Zügen Theorie schon alles vorbei und das Remis besiegelt. So jedenfalls lesen sich die nackten Zahlen zu dieser Partie und die sind unbestechlich, oder?

zum Corus Chess Turnier

"Hab' ich schon gewonnen??" - Veselin Topalov (Foto: Hans-Walter Schmitt)

Die Wahrheit über diese möglicherweise entscheidende Partie des A-Turniers beim Corus Chess Tournament ist tatsächlich eine andere, als man zunächst glauben möchte. Es begann - wie derzeit in höchsten Spielkreisen modern - mit der Spanischen Verteidigung. Topalov servierte mit 12.Sa3 seinen selbst eingeführten Zug in der Variante und Vishy retournierte, indem er temporär seinen Bauer auf e5 opferte, um anschließen mit Sg4 den Rückgewinn zu sichern. Soweit sollte auch Topalov die Stellung auf dem heimischen Analysebrett gehabt haben, aber dann schlug der Inder nicht mit dem g-Springer sondern mit dem Springer von c6 den Bauer auf e5 und beließ das andere Rössel auf g4. Das waren dem Bulgaren zu viele Gäule in Königsnähe und er vertrieb den Springer auf g4 mit einfachem h2-h3. Eine Schwächung der Königsstellung zwar, aber im Zentrum und am Damenflügel würden sich dem Weltmeister schon genügend Gegenchancen bieten, sobald der Springer den Rückzug vollzogen hat. Pustekuchen! Unser Vishy setzte alles auf eine Karte und ließ den Springer einfach einstehen! Alarmstufe Rot bei Veselin Topalov. Wäre er eine der vielen Fritz-Versionen oder eine andere gängige Engine, die auch die größten Patzer - zumindest im Internet - zu potentiellen Weltklassespielern macht, hätte er den frechen Mops einfach kassiert und sich zeigen lassen, was der Inder ausgeheckt hatte. Schwarz wäre keinesfalls bar jeden Gegenspiels gewesen, aber es bleibt zunächst noch fraglich, ob das Opfer wirklich einer genaueren Prüfung stand hält. Möglicherweise ist mehr als ein Dauerschach nicht zu holen für den Nachziehenden. Topalov jedoch traute sich die fehlerfreie Verteidigung seiner luftigen Königsstellung nicht zu und lehnte dankend ab. Sicher hatte er auch erkannt, dass Schwarz fortan keine Probleme mehr haben würde, aber mehr vermochte Anand eben nicht aus seiner Überraschung herauszupressen. Er verpasste Veselin Topalov zwar noch die schlechtere Bauernstruktur, aber da dies letzten Endes die einzige Schwäche des Weißen war, begrub Vishy Anand seine Gewinnambitionen und fügte sich nach 23 sehr unterhaltsamen Zügen ins Remis. Er hat im Rahmen dessen, was vernünftig ist gegen einen Spieler wie Topalov, alles riskiert und seinem Gegner selbiges abverlangt.

"Ob Topi merkt, wenn ich die beiden einfach mal vertausche?" - Vishy Anand
(Foto: Hans-Walter Schmitt)

Weitaus unspektakulärer gestaltete sich das Remis zwischen Ivan Sokolov und Etienne Bacrot. In Windeseile tauschte man sich ins Endspiel durch, keiner fiel auf die kleinen Fallen des anderen herein und nach 28 Zügen war Feierabend. Ebenso großes Gähnen war auch bei Sergey Karjakin und Levon Aronian angesagt. Remis nach 27 Zügen Spanische Verteidigung. Was für das Publikum wenig erfreulich ist, ist aus Spielersicht schon eher nachvollziehbar. Karjakin steht glänzend im Turnier und war somit gegen den ELO-Riesen Aronian mit einem halben Punkt zufrieden. Dieser wiederum leidet an Formschwäche und befürchtet gegen den bestens aufgelegten Ukrainer unter die Räder zu kommen. Experte in Sachen Punkteteilung ist momentan unumstritten Peter Leko und das bewies er heute auch wieder gegen Sergey Tiviakov. Auch die beiden spielten nur 23 Züge und tauschten dabei beinahe alles ab, was sie zu fassen bekamen, bevor sie sich jeweils um einen halben Punkt reicher wieder trennten.

Aber es gab nicht nur Kurzpartien am heutigen 12. Spieltag. Mehr oder weniger von Boris Gelfand zu seinem Glück gezwungen, erzielte Vassily Ivanchuk einen vollen Punkt. Schwarz hatte sich aus der Damenindischen Verteidigung heraus eine annehmbare Stellung erspielt, da verfiel der Weiße auf einen fatalen Plan. Erst unterließ er es (bewusst?), auf dreimalige Stellungswiederholung zu reklamieren, und als Ivanchuk dann auswich, stellte der Israeli dem weißfeldrigen Läufer des Ukrainers zu beharrlich nach. Lockte ihn doch ein anschließender Bauerngewinn auf a7. Doch diesen scheinbaren Schwachpunkt hatte Ivanchuk mit einer beinahe tödlichen Dosis vergiftet. Arglos schnappte Gelfand zu und als der Ukrainer mit 22...e5! im Zentrum konterte, anstatt den hängenden Läufer auf d3 zu retten, blickte sein israelischer Gegner gar nicht mehr durch und verlor im folgenden Schlachtgetümmel einen Springer. Alles hätte nun seinen Gang nehmen können, doch so ad hoc wusste Ivanchuk seinen materiellen Vorteil nicht zu verwerten und begab sich ans Tauschen. Das war ihm sogar einen Bauern wert, den er gab, um seine Figuren schneller ins Spiel führen zu können. Als man sich der Zeitkontrolle im 40. Zug näherte beschloss Gelfand, das Spiel mit einem Damentauschangebot zu vereinfachen und beging damit einen schweren Fehler. Urplötzlich bot sich Ivanchuk die Chance, mit dem 40. Zug die Partie sofort zu beenden. "f3+!!!" schrie die kiebitzende Schachwelt lautlos auf und was machte Chucky? Er tauschte die Dame... Von fast -17.00 springt binnen Sekundenbruchteile nach Ausführung des Zuges die Bewertung sämtlicher Schachprogramme auf knappe -1.30 um. Autsch!! Jetzt konnte man für Ivanchuk nur hoffen, dass ihm nicht schon während der Partie auffällt, was ihm da passiert ist. Doch der Krimi war noch nicht auf der letzten Seite angekommen! Weiter mit einem Springer mehr gegen zwei Bauern versuchte Schwarz, weiter auf Sieg zu spielen, doch so richtig war der Ukrainer nicht mehr bei der Sache und nach langem Kampf endete auch diese Partie mit der Punktteilung.

Licht und Schatten - Gata Kamsky
(Foto: Mark Vogelgesang)

Eigentlich sagt die Theorie, dass Weiß den angebotenen Bauern auf d5 im Dameninder einfach ignorieren soll, doch Loek van Wely griff einfach mal zu und erwischte Michael Adams scheinbar auf dem falschen Fuß. Er ließ zu, dass sich nahezu alle Figuren über das Zentrum abtauschten und manövrierte sich in ein Endspiel mit Minusbauer. Der Niederländer mühte sich nach Kräften, den zähen Briten niederzuringen. Doch 60 Zügen hatte van Wely genug gesehen und stimmte dem Remis zu.

Auch nach Wijk aan Zee werden sich die Meinungen bezüglich Gata Kamsky's Rückkehr zum Profi-Schach spalten. Von unglaublichen Eröffnungspatzern bis hin zu blitzsauberen Siegen wie gegen Vishy Anand bietet der Wahl-Amerikaner die ganze Palette in diesem Turnier. Heute zeigte er mal wieder, warum er einst in solchen Turnieren um die vorderen Ränge und nicht die rote Laterne gespielt hat. Jugendweltmeister Shakhriyar Mamedyarov hatte eigentlich gar nicht so viel verkehrt gemacht gegen den geschlossenen Grünfeldinder von Kamsky. Kontrolliertes Risiko schien seine Devise zu sein und so gab er, um sich Zugang zu des Gegners Stellung zu verschaffen frohen Mutes seinen b-Bauer. Tatsächlich war dieses Opfer jedoch nur zu einem Remis gut. Die schwarze Dame nahm die weiße Gabe und bei Mamedyarov schlug der Fehlerteufel zu. Unbedingt hätte er Kamsky zu einer Zugwiederholung auffordern müssen, anstatt auf seinen ursprünglichen Plan zu pochen. Plötzlich hatte Letzterer schlicht einen ganzen Bauer mehr und konnte dabei noch Zug um Zug seine Figurenaufstellung verbessern. Es kam, wie es kommen musste, der junge Aserbaidschaner geriet mehr und mehr unter Druck, dem er schließlich nicht mehr zu widerstehen wusste. Den Rest erledigte Gata Kamsky souverän.

Allen Grund für gute Laune - Zoltan Almasi
(Foto: Hans-Walter Schmitt)

Im B-Turnier hat der Vize-Weltmeister im Chess960 Zoltan Almasi nach der heutigen Runde die besten Chanchen auf den Gesamtsieg und damit auf die Berechtigung, im nächsten Jahr bei den ganz Großen mitspielen zu dürfen. Ärgste Verfolger mit einem halben Punkt Rückstand sind der Norweger Magnus Carlsen und der Russe Alexander Motylev, den Almasi heute schlug und damit von der Tabellenspitze verdrängte.

Im C-Turnier steht der Turniersieger bereits fest. Suat Atalik aus der Türkei führt mit sensationellen 10 Punkten das Feld an und kann nicht mehr eingeholt werden.

Tabelle nach der 12. Runde

Rang

Name (ELO) Punkte Ø Gegner Leistung + / -
1. Topalov (2801) 8,5 2707 2863 +9
2. Anand (2792) 8 2709 2831 +6
3. Adams (2707) 7 2717
Gelfand (2723) 7 2709
Karjakin (2660) 7 2719 2779 +20
6. Ivanchuk (2729) 6,5 2719
7. Leko (2740) 6 2707 2707 -6
8. van Wely (2647) 5,5 2721
Aronian (2752) 5,5 2715 2685 -11
Tiviakov (2669) 5,5 2722 2692 +4
11. Bacrot (2717) 5 2721 2661 -9
12. Kamsky (2686) 4,5 2722 2632 -9
13. Mamedyarov (2709) 4 2717 2595 -19
Sokolov (2689) 4 2715 2593 -16

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 1 2 4 57
2 3 1 3 43
3 3 1 3 43
4 0 3 4 57
5 3 0 4 57
6 2 0 5 71
7 3 1 3 43
8 0 2 5 71
9 2 2 3 43
10 3 0 4 57
11 3 0 4 57
12 0 1 6 86
13
Total: 23 13 48 57

Tabelle B-Turnier nach der 12. Runde

Rang

Name Punkte
1. Almasi, Z. 8,5
2. Carlsen, M. 8
Motylev, A. 8
4. Naiditsch, A. 7
Navara, D. 7
Jobava, B. 7
7. L'Ami, E. 6,5
8. Beliavsky, A. 6
Cheparinov, I. 6
Koneru, H 6
11. Vescovi, G. 5
12. Smeets, J. 4
13. Lahno, K. 2,5
Stellwagen, D. 2,5

Tabelle C-Turnier nach der 12. Runde

Rang

Name (ELO) Punkte
1. Atalik, S 10
2. Werle, J. 8,5
3. Marcelin, C. 8
4. van der Wiel, J. 7,5
5. Shilong, Y. 6,5
6. Visser, Y. 6
Bischoff, K. 6
8. Jonkman, H. 5,5
van der Heide, K 5,5
10. Adly, A. 5
Hopman, P. 5
Atalik, K 5
13. Bensdorp, M. 3,5
Afek, Y. 3,5

Paarungen

Runde 1 - Samstag, 14. Januar 2006

L. van Wely - I. Sokolov 1/2
S. Mamedyarov - E. Bacrot 1/2
S. Tiviakov - M. Adams 1/2
V. Topalov - G. Kamsky 1-0
B. Gelfand - P. Leko 1/2
S. Karjakin - V. Anand 0-1
L. Aronian - V. Ivanchuk 0-1

Runde 2 - Sonntag, 15. Januar 2006

I. Sokolov - V. Ivanchuk 0-1
V. Anand - L. Aronian 1/2
P. Leko - S. Karjakin 1/2
G. Kamsky - B. Gelfand 1-0
M. Adams - V. Topalov 1-0
E. Bacrot - S. Tiviakov 1-0
L. van Wely - S. Mamedyarov 1/2

Runde 3 - Montag, 16. Januar 2006

S. Mamedyarov - I. Sokolov 1/2
S. Tiviakov - L. van Wely 1/2
V. Topalov - E. Bacrot 1-0
B. Gelfand - M. Adams 1-0
S. Karjakin - G. Kamsky 1-0
L. Aronian - P. Leko 1/2
V. Ivanchuk - V. Anand 0-1

Runde 4 - Dienstag, 17. Januar 2006

I. Sokolov - V. Anand 1/2
P. Leko - V. Ivanchuk 1/2
G. Kamsky - L. Aronian 0-1
M. Adams - S. Karjakin 1/2
E. Bacrot - B. Gelfand 0-1
L. van Wely - V. Topalov 0-1
S. Mamedyarov - S. Tiviakov 1/2

Runde 5 - Donnerstag, 19. Januar 2006

S. Tiviakov - I. Sokolov 1/2
V. Topalov - S. Mamedyarov 1/2
B. Gelfand - L. van Wely 1/2
S. Karjakin - E. Bacrot 1-0
L. Aronian - M. Adams 1/2
V. Ivanchuk - G. Kamsky 1-0
V. Anand - P. Leko 1-0

Runde 6 - Freitag, 20. Januar 2006

I. Sokolov - P. Leko 1/2
G. Kamsky - V. Anand 1-0
M. Adams - V. Ivanchuk 1-0
E. Bacrot - L. Aronian 1/2
L. van Wely - S. Karjakin 1/2
S. Mamedyarov - B. Gelfand 1/2
S. Tiviakov - V. Topalov 1/2

Runde 7 - Samstag, 21. Januar 2006

V. Topalov - I. Sokolov 1-0
B. Gelfand - S. Tiviakov 1/2
S. Karjakin - S. Mamedyarov 1-0
L. Aronian - L. van Wely 0-1
V. Ivanchuk - E. Bacrot 1/2
V. Anand - M. Adams 1/2
P. Leko - G. Kamsky 1-0

Runde 8 - Sonntag, 22. Januar 2006

I. Sokolov - G. Kamsky 1/2
M. Adams - P. Leko 1/2
E. Bacrot - V. Anand 0-1
L. van Wely - V. Ivanchuk 1/2
S. Mamedyarov - L. Aronian 0-1
S. Tiviakov - S. Karjakin 1/2
V. Topalov - B. Gelfand 1/2

Runde 9 - Dienstag, 24. Januar 2006

B. Gelfand - I. Sokolov 1-0
S. Karjakin - V. Topalov 0-1
L. Aronian - S. Tiviakov 1/2
V. Ivanchuk - S. Mamedyarov 1/2
V. Anand - L. van Wely 1-0
P. Leko - E. Bacrot 1/2
G. Kamsky - M. Adams 0-1

Runde 10 - Mittwoch, 25. Januar 2006

I. Sokolov - M. Adams 1/2
E. Bacrot - G. Kamsky 1-0
L. van Wely - P. Leko 1-0
S. Mamedyarov - V. Anand 1/2
S. Tiviakov - V. Ivanchuk 1/2
V. Topalov - L. Aronian 1-0
B. Gelfand - S. Karjakin 1/2

Runde 11 - Freitag, 27. Januar 2006

S. Karjakin - I. Sokolov 1-0
L. Aronian - B. Gelfand 1/2
V. Ivanchuk - V. Topalov 1/2
V. Anand - S. Tiviakov 1/2
P. Leko - S. Mamedyarov 1-0
G. Kamsky - L. van Wely 1-0
M. Adams - E. Bacrot 1/2

Runde 12 - Samstag, 28. Januar 2006

I. Sokolov - E. Bacrot 1/2
L. van Wely - M. Adams 1/2
S. Mamedyarov - G. Kamsky 0-1
S. Tiviakov - P. Leko 1/2
V. Topalov - V. Anand 1/2
B. Gelfand - V. Ivanchuk 1/2
S. Karjakin - L. Aronian 1/2

Runde 13 - Sonntag, 29. Januar 2006

L. Aronian - I. Sokolov
V. Ivanchuk - S. Karjakin
V. Anand - B. Gelfand
P. Leko - V. Topalov
G. Kamsky - S. Tiviakov
M. Adams - S. Mamedyarov
E. Bacrot - L. van Wely

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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