TopTurniere Galavorstellung in Wijk aan Zee Topalov bringt Konkurrenz in Zugzwang
25.01.2006 - Während einige der 14 Teilnehmer im A-Turnier beim Corus Chess Tournament eher darauf bedacht sind, ihre Haut so teuer wie nur möglich zu verkaufen oder die bereits erzielten Erfolge zu verwalten, zündet einer vor dem letzten Ruhetag noch mal den Turbo. Veselin Topalov bot dem begeisterten Publikum vor Ort und an den heimischen PCs gegen Levon Aronian wieder eine Vorstellung der Extraklasse und schlug den Armenier auf beeindruckender Art und Weise. Damit übernimmt er wieder die alleinige Führung und zwingt jeden, der um den Turniersieg noch ein Wörtchen mitreden will zum Handeln.
Beinahe keine Partie, in der Veselin Topalov die Chance für ein Opfer
auslässt. Auch heute hatte er für Levon Aronian, der sich Damenindisch
verteidigte, ein interessantes Qualitätsopfer mitgebracht, welches dem
Armenier serienweise schwierige Entscheidungen abverlangte. Unter diesem
Druck brach Aronian schließlich zusammen und vermochte gegen die zwei
verbundenen Freibauern des Weltmeisters nichts zu erfinden. Hilflos
musste er sich gefallen lassen, dass Topalov zunächst auch die zweite
Qualität opferte und dann demonstrierte, dass zwei Läufer mit Freibauern
gegen zwei Türme übermächtig sein können. Sicher, in der entscheidenden
Phase fand Aronian nicht immer den richtigen Zug und das erste
Qualitätsopfer von Topalov muss erst noch intensiveren Analysen
standhalten, dennoch kann der Sieg des Bulgaren nicht als glücklich
bezeichnet werden. Wieder hat die höhere Risikobereitschaft Veselin
Topalov einen vollen Punkt beschert.
In der Begegnung zwischen Vishy Anand und dem Jugendweltmeister
Shakhriyar Mamedyarov stand ebenfalls wieder Damenindisch zur
Diskussion. Mit den schwarzen Steinen glich der Inder mühelos aus, doch
mehr schien sich aus seiner Sicht nicht machbar. Im 26. Zug bot er
seinem jungen Gegner einen halben Punkt an, den dieser gerne nahm. Sein
nächster Gegner wird am Freitag Sergey Tiviakov sein, bevor es dann am
Samstag zum Showdown zwischen ihm und Veselin Topalov kommt.
Quasi einen zusätzlichen Ruhetag genehmigten sich Boris Gelfand und
Sergey Karjakin. Beide liegen ausgezeichnet in der Gesamtwertung und so
bestand für sie kein Anlass, ein unnötiges Risiko einzugehen.
Entsprechend beendeten sie ihren Auftritt nach 22 Zügen friedlich und
konnten den Kollegen beim Grübeln zusehen. Kurz darauf waren sich auch
Sergey Tiviakov und Vassily Ivanchuk einig, dass ihr Endspiel nur ein
Remis zulässt. In der Spanischen Anderssen-Variante tauschten die Profis
alles bis auf jeweils einen Springer und sieben Bauern ab und nach ein
paar Zügen für die Galerie war man sich dann auch bald einig.
Endlich mal wieder oben auf - Etienne Bacrot
Auch Ivan Sokolov und Michael Adams übernahmen sich ihn ihrer Partie
nicht gerade vor Gewinnbemühungen und nach 33 Zügen konnten auch an
diesem Brett die Figuren wieder in die Ausgangstellung gebracht werden,
denn ihre Führer hatten sich auf ein Remis geeinigt.
Gata Kamsky's Eröffnungswahl gegen Etienne Bacrot war so speziell wie
fragwürdig. Er scheint weniger auf eine fundierte Vorbereitung als auf
den Überraschungsmoment beim Gegner zu bauen. Der Franzose musste früh
selbst den Weg zum Vorteil berechnen, was er aber zufrieden stellend
löste. Sicherlich hätte er an der einen oder anderen Stelle präziser
agieren können, aber im Großen und Ganzen sorgte er schlicht dafür, dass
sein sichtbarer Vorteil erhalten blieb. Er wusste, dass er heute
gewinnen musste, wollte er sich nicht endgültig mit der unteren
Tabellenregion abfinden. Bacrot erarbeitete sich zwei gesunde
Mehrbauern, da sich jedoch noch sämtliche Schwerfiguren auf dem Brett
befanden, war dies noch nicht der Garant zum Sieg. Bis ins Damenendspiel
schleppte sich der angeschlagene Amerikaner bis ihm der Franzose den
Garaus machen konnte.
Und auch Loek van Wely durfte sich über einen vollen Punkt freuen. Lange
Zeit war seine Stellung gegen Peter Leko leicht besser bis remislich,
aber der Ungar wurde ungenau und hätte am Ende nur unter Figurenopfer
den weißen Freibauer aufhalten können. So süß der Sieg für van Wely
sicher war, so bitter ist es für Leko, der sich nun endgültig von
sämtlichen Ambitionen verabschieden muss.