24.01.2006 - Es scheint, als würden die beiden Spieler, welchen von Beginn an die höchsten Chancen auf den Turniersieg eingeräumt wurden, nach dem gestrigen Ruhetag die entscheidende Phase des Turniers einläuten wollen. Vishy Anand und Veselin Topalov erkämpften sich in ihren heutigen Partien beide den vollen Punkt und zwingen somit die anderen Konkurrenten zum Handeln, wollen diese von dem Duo nicht frühzeitig distanziert werden. In beiden Partien stand die moderne Sweschnikow-Variante der Sizilianischen Verteidigung zur Diskussion und in beiden Partien gewann eher der stärkere Spieler denn die bessere Eröffnungsbehandlung.
Bleibt den Favoriten auf den Fersen - Michael Adams
Früh lichteten sich Reihen der teilnehmenden Figuren in der Begegnung
zwischen Viswanathan Anand und dem Lokalmatador Loek van Wely. Dabei gab
der Niederländer ein Bauer in der Hoffnung, danach alle Probleme gelöst
zu haben. Daraus entwickelte sich jedoch ein äußerst spannender Kampf.
Vishy wollte gewinnen und gab sich daher immer wieder Mühe, den Gegner
vor schwierige Entscheidungen zu stellen. Sogar einen Qualitätsgewinn
verschmähte er zunächst, da dieser in seinen Augen zu wenig Chancen bot.
Erst im quasi zweiten Anlauf bediente sich Anand dann und als van Wely
im falschen Moment sein Bauernzentrum in Bewegung setzte, schlug
der Ex-Weltmeister gnadenlos mit 36.Tc2! zu. Plötzlich war alles ganz
einfach und wenige Züge später gab sich Loek van Wely geschlagen.
Viele haben das Aufeinandertreffen zwischen dem glänzend aufspielenden
Sergey Karjakin und dem Weltmeister Veselin Topalov herbeigesehnt, denn
man erwartete eine unerbittliche Schlacht um den Punkt. Und genau das
wurde dem Publikum von beiden geboten. Wie van Wely verteidigte sich der
Bulgare mit der Sweschnikow-Variante, wobei er mit 12...0-0 jedoch einen
anderen Weg als der glücklose Niederländer wählte. Lange sah es so aus,
als sollte Karjakin keine Probleme haben, seine sicherlich nicht
schlechtere Stellung zumindest halten zu können, doch Topalov wollte mehr. Trotz
gefährlich aussehender Mattideen für den Anziehenden ging er zum
Gegenangriff über und der Youngster zeigte Nerven. Anstatt den c-Bauer
zu verteidigen, beharrte er auf seiner Dame-Läufer-Batterie und gewährte
seinem Gegner so einen kräftigen Einstieg in seinen Königsangriff. Nun
schlug die Stunde des Weltmeisters. Mit sicherer Spürnase für den
richtigen Weg zum gegnerischen Monarchen setzte er Karjakin mächtig zu
und erspielte sich einen entscheidenden Materialvorteil zum Sieg. Nun
hieß es abzuwarten, welche direkten Verfolger in der Tabelle würden
Schritt halten können mit diesem grandiosen Duo.
Kurz sah es so aus, als würde Vassily Ivanchuk gegen Shakhriyar
Mamedyarov auf Sieg spielen, doch ein ungenauer Turmzug des Ukrainers
ließ die Stellung verflachen. Nach 27 Zügen endete diese Partie mit der
Punkteteilung. Michael Adams hatte ebenfalls einen vergleichsweise
leichten Arbeitstag zu verzeichnen. Nein, keine Punktteilung zwischen
ihm und Gata Kamsky sondern eine bekannt schlechte Variante im
Dameninder wurde dem Amerikaner recht früh in der Partie zum Verhängnis.
Mit den schwarzen Steinen hatte der Brite alsbald einen deutlichen
Vorteil, den er sich nicht mehr nehmen ließ und somit in Schlagdistanz
zur Spitze bleibt. Und auch Boris Gelfand möchte gerne noch auf
Tuchfühlung bleiben und untermauerte diese mit einem Sieg gegen Ivan
Sokolov. Letzterem unterlief in bereits verdächtiger Stellung ein so
böser Lapsus, dass er sofort aufgab.
Die beiden letzten Begegnungen endeten jeweils mit einem Remis. Peter
Leko und Etienne Bacrot versuchten gegeneinander alles, doch zu guter
Letzt waren sich beide am heutigen Tage ebenbürtig und der
Friedensschluss, der keinem weiterhilft, die logische Konsequenz. Und
auch Levon Aronian und Sergey Tiviakov trennten sich erst nach einer
ausgekämpften Partie friedlich.